Die Autorin des vorliegenden Kochbuchs, Ghillie Basan ist diplomierte Sozialanthropologin und Meisterköchin.
Sie beantwortet in ihrem Text detailliert die Frage, was es bedeutet türkisch zu kochen.
Bevor sie mit einer Vielzahl türkischer Rezepte aufwartet, berichtet sie zunächst dem Leser von den kulinarischen Einflüssen, denen die Türkei über viele Jahrhunderte hinweg ausgesetzt war. Des Weiteren erfährt man, was man unter dem Begriff " Palastküche " zu verstehen hat und welcher Herrscher es war, der dort den Ruf eines Gourmets hatte.
Die Etikette während des Essens und die Gepflogenheiten während religiöser Feste und Familienfeiern werden ebenso gut nachvollziehbar erklärt, wie verschiedene Grundnahrungsmittel der traditionellen türkischen Küche. Thematisiert werden: Kimizi biber, Oliven, Öl, Käse, Joghurt, Pickels, Brot und es werden weitere wichtige Zutaten zumindest aufgezählt.
Ein Kapitel des Buches ist den traditionellen türkischen Getränken gewidmet, wobei Tee das Nationalgetränk ist, aber es wird auch Kaffee getrunken, allerdings ist den Moslems Alkohol verboten, dennoch trinken viele Türken, wie Basan den Leser wissen lässt , einheimischen " raki ", Wein und Bier.
Im Rezeptteil werden folgende Gerichte vorgestellt: Meze und Salate, Suppen und warme Meze, vegetarische Gerichte, Pilaw, Bohnen und Linsen, Fleisch und Geflügel sowie Desserts und Konfitüren.
Ausführlich erklärt die Autorin, was man unter dem Begriff " Meze " zu verstehen hat.
Vielleicht so viel: Der Begriff " Meze " wird mitunter als Vorspeise übersetzt, aber es ist mehr, wie die weiteren Erläuterungen der Autorin überzeugend verdeutlichen.
Es folgen dreizehn Mezze- und Salatrezepte, wobei mich " Kisir ", ein Bulgur-Tomaten-Salat und " Spinat mit Korinthen, Pinienkernen und Joghurt " besonders überzeugt haben. Die Rezepte sind bestens erklärt und sehr einfach in der Zubereitung. Die Speisen sind leicht und dabei sehr geschmackvoll.
Delikat mundet auch " Muhammara ", ein scharfer Wallnusdip, den man zu Brot, Gemüsesticks oder als Beilage zu gegrilltem und gebratenem Fleisch reicht. Dieser Dip ist sehr scharf (mit Chilis wird nicht gespart) und man bereitet ihn mit säuerlichem Granatapfelsirup zu.
Suppen und warme Mezze sind das nächste Thema.
Hier finde ich u .a . die " Granatapfelbrühe " besonders bemerkenswert. Diese Suppe kommt ursprünglich aus Persien. Man erfährt am Rande, dass Granatäpfel seit der Antike ein Symbol für Schönheit, Fruchtbarkeit und Wohlstand sind und in der islamischen Mystik die Macht besitzen, die Seele von Neid und Zorn zu befreien. Die Samen der süßen Granatäpfelfrüchte werden frisch verzehrt, die der sauren Früchte verarbeitet man in Suppen, Marinaden, Dressings und in Sirup.
" Börek mit Feta, Petersilie, Minze und Dill " ist ein klassischer Snack. Die Teighülle, in welche bestimmte delikate Ingredienzien eingerollt werden, besteht aus Blätterteig.
Beim Thema " Vegetarische Gerichte " erfährt man, dass die Türken " ein geradezu pathologisches Interesse an gesundheitsfördernden Wirkstoffen in der Nahrung haben ". Sehr sympathisch! Jetzt wird mir auch endlich klar, weshalb mein türkischer Gemüsehändler mich immer über den Gesundheitswert seiner Produkte ungefragt aufklärt.
Ein Gericht, das ich immer Sommer selbst sehr oft zubereite ist " Grüne Bohnen mit Tomaten und Dill ". Bislang galubte ich das Rezept sei griechischen Ursprungs. Wer die Kombination einmal probiert hat, wird nie mehr mit Bohnenkraut als Würzmittel hantieren. Dill macht den Geschmack der Bohnen federleicht, auch wenn man großzügig mit Olivenöl umgeht.
" Gebackene Zucchini und Pfirsiche mit Pinienkernen ", aber auch " Gefüllte Äpfel " sind vom Geschmack her sehr differenziert, wegen der vielen verschiedenen Aromen.
In der Füllung der Äpfel vermählen sich von der Würzung her Zimt, Piment, Dill, Petersilie, Knoblauch und Zwiebeln, die in einer Reis-Korinthen-Pinienmischung für den ultimativen Geschmackskick sorgen.
Pilawas, Bohnen und Linsen sind sehr sättigend . Sie sind die Basis großartiger Festessen aber auch die Grundlage der Ernährung in finanziell wenig begüterten Familien.
Besonders angesprochen hat mich das " Auberginenpilaw mit Zimt und Minze ", weil es so wunderbar orientalisch schmeckt. Da hängt wohl mit dem Koriandersamen, der getrockneten Minze, dem Zimt, dem schwarzen Pfeffer und dem Dill zusammen, die für das verführerische Aroma des Gerichts ausschlaggebend sind.
Mangel an Fischgründen hat die Türkei nicht, denn die Türkei wird von der Ägäis, dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer umspült.
Fische und Schalentiere wie Hai, Schwertfisch, Thunfisch, Seebarsch, Makrele, Meerbarbe, Tintenfisch und Garnelen werden in wohl mundende Speisen verwandelt.
Wirklich schmackhaft sind " Mit Pilaw und Pinienkernen gefüllte Muschel ", die in Istanbul von Straßenverkäufern am Goldenen Horn, in den großen Basaren und auf den Booten über den Bosporus feilgeboten werden.
Bei den Fleisch- und Geflügel-Gerichte dominiert das Lamm das Huhn.
" Lammspieße auf Joghurtsoße " sind unkompliziert in der Zubereitung und schmecken gut, superlecker munden jedoch die " Weinblätter mit Lamm- und Reisfüllung ". Sie sind die orientalische Offenbarung raffinierter Küche. Man serviert sie übrigens mit einem Klacks Joghurt.
Das beste Fleischgericht in diesem Kochbuch ist meiner Meinung nach die osmanische Speise " Zitronenhühnchenschenkel in Auberginenhülle ". Die Hühnchenoberschenkel werden ohne Haut und Knochen in Auberginenscheiben gehüllt. Mandelblätter spielen zum Schluss eine nicht unentscheidende Rolle. Zu diesem Gericht wird " Paprika-Zwiebel-Petersiliensalat" gereicht.
Zum Schluss fokussiert die Autorin Desserts und Konfitüren. Bei den Türken bringen Besucher als Gastgeschenk keine Blumen, sondern etwas Süßes mit, was viel über den Stellenwert von Süßigkeiten in der Türkei aussagt.
Natürlich erfährt man, wie man " Baklava ", das traditionelle Blätterteig-Nuss-Gebäck mit Sirup herstellt, aber ich bin am meisten vom " Rosenblütensorbet " angetan. Ein sehr edles Dessert.
Das Kochbuch ist empfehlenswert, nicht zuletzt weil die Gerichte wirklich alle gut erklärt sind und eine enorme Geschmacksvielfalt übermitteln, die selbst geübte Kochbuchleser in Erstaunen versetzt.