Die Autorin ist zweifelsohne eine ausgewiesene Fachfrau für die türkische Sprache und hat in letzter Zeit gleich mehrere neue Bücher herausgegeben, welche endlich auch mal die Mittelstufe abdecken sollten. Sie nimmt es sehr genau mit der Grammatik, welche bekanntlich wesentlich anders ist als die unsrige, leider lässt sie es aber fast bei dem bewenden. Besonders ärgerte mich, dass vieles in einem anderen, fast gleichzeitig erschienen Buch von ihr (Türkische Übungsgrammatik A1-C1) praktisch identisch vorkommt. Meinerseits gab es dafür einen zusätzlichen Punkteabzug. Auf eines dieser beiden Bücher kann man also getrost verzichten. Es ist auf der anderen Seite nicht nachvollziehbar, weshalb die immens wichtige Wortschatz-Vermittlung so stiefmütterlich angegangen wird. Nachdem man das Buch durchgearbeitet hat, wird man leider noch grosse Vokabellücken aufweisen und sich höchstens in Hinblick auf die Grammatik auf dem B2-Level befinden.
Die 34 Kapitel sind recht kurz und ihrerseits in kleine Häppchen von Texten und Übungen in zwei Spalten gegliedert, was zu einer unnötigen Fragmentierung und mangelnden Ordnung führt. Die Dialoge sollten wohl hie und da humorvoll sein, auf mich wirkte der Ton stattdessen ruppig, zänkisch und befremdend, bei den übrigen Texten fehlte mir nicht selten die praktische Relevanz. Den Vertonungen hört man an, dass keine professionellen, recht unnatürlich klingende Sprecher am Werk waren, was auf die Dauer stört. Das Layout ist schlicht und karg geraten, nicht gerade motivierend nach einem langen Arbeitstag. Dass das Glossar kapitelweise angeordnet ist, mutet mich alt-schulmeisterlich an, nach dem Motto, wehe, Du hast noch nicht alle Wörter gelernt, wenn Du zum nächsten Kapitel übergehst. Die grammatikalischen Beispiele sind vor allem im hinteren Teil häufig dermassen künstlich und gestelzt geraten, wie man sie in der freien Wildbahn wohl nie zu hören kriegen wird; damit braucht man seinen Kopf weder auf deutsch noch auf türkisch zu belasten. Man kann das auch als Grammatik-Vermittlung ohne Rücksicht auf Verluste bezeichnen. Eine Art Sympathie wollte sich insgesamt nicht so recht bei mir einstellen.
Ganz abraten vom Kauf kann ich mangels Alternativen dennoch nicht und nach dem Studium dieses Buches ist man sicher auch etwas schlauer als zuvor. Bleibt dennoch zu hoffen, dass die deutschsprachige Region nicht nur Gefallen an Döner und Ägäis findet, sondern sich in Zukunft auch mehr für die Leute und deren herrliche Sprache interessieren wird. Auf diese Art werden vielleicht noch andere Autoren die Mittel- und Oberstufe entdecken und versorgen wollen. Für die Anfänger hätte ich als Alternativ-Tipp das muntere und lehrreiche "Kolay gelsin" vom Klett Verlag auf Lager, welches ebenfalls neueren Datums ist aber deutlich mehr Spass bereitet. Schwerer verdaulich ist der Praktische Sprachlehrgang von Langenscheidt, welcher sehr ambitioniert und vielseitig daher kommt und einem fundierte B1-Kenntnisse vermitteln kann.