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Túatha Dé Danann 2. Nekropolis [Broschiert]

Sean O'Connell

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Kurzbeschreibung

Oktober 2012
Nach ihrer Flucht durch die Traumkorridore erreichen Cornelis und seine Begleiter Bella Constanzia, die Nekropolis. In einer letzten Anstrengung soll der Junge aus Bandahui die Welt vor dem alles vernichtenden Kataklysmus retten, doch leider hat er nicht die geringste Ahnung, wie er das anstellen soll. Und schon stehen die Túatha Dé Danann, die Todfeinde der Menschen, vor den Toren der Nekropolis und bereiten sich auf den Sturm auf die letzte Zitadelle der Menschheit vor.

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Über den Autor

Sean O'Connell, in England geboren und in London und Lindau (Bodensee) aufgewachsen, lebt seit einigen Jahren in Ravensburg/Weingarten. Seine erste Kurzgeschichte schrieb er im Alter von neun Jahren, sechs Jahre später folgten erste Publikationen in Science Fiction- und Fantasy-Fanzines. O'Connell machte sich das Schreiben und Arbeiten im künstlerischen Bereich zum Beruf: Er war Radiomoderator beim Lokalradio, Mitinhaber einer Videoproduktionsgesellschaft und als freier Mitarbeiter der Lokalzeitung tätig. An der Universität Konstanz studierte er Literaturwissenschaft, Philosophie, Kunst- und Medienwissenschaft. Ab 1998 arbeitete er als Redakteur bei einer österreichischen Landeszeitung ('Vorarlberger Nachrichten') und wurde 2001 Leiter einer in Österreich und Süddeutschland tätigen Werbeagentur. 2002 wechselte er schließlich in die Computerbranche.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Aus Kapitel 3 - Der Herr der Gehirne: Cornelis lag in lichtloser Finsternis auf einem Berg von Leichen, die einen süßlich fauligen Geruch verströmten, den er von verdorbenen Lebensmitteln her kannte. Jedes Mal, wenn sich aufgrund einer Kurskorrektur etwas unter ihm bewegte und ein neuer Schwall Gase seine Nase erreichte, wurde ihm furchtbar übel. Vielleicht, dachte er, riechen wir Menschen zu Lebzeiten ja genauso, nur nicht ganz so intensiv. Er versuchte sich abzulenken, an etwas Anderes zu denken, aber die Zersetzung der Kadaver befand sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Es war unmöglich, diesen Gestank zu ignorieren. Er konnte sogar die schwitzige Feuchtigkeit der Toten unter seinen Fingerkuppen spüren und ballte sie deshalb rasch zu Fäusten. Nach einer scheinbar endlos langen Zeit, in der die Kadaver in seiner Vorstellung erneut zum Leben erwacht waren und mit bleichen Fingern nach ihm griffen, schlugen überraschend und vollkommen unvermittelt schwere Metallklammern von außen dumpf gegen den Rumpf der Gondel. Cornelis erschrak fast zu Tode. Die Fahrt war vorüber, das Luftschiff hatte offensichtlich einen Landeflansch erreicht. Von fern waren dumpfe Stimmen zu hören, aber Cornelis musste lange Minuten ausharren, ehe der Frachtraumdeckel über ihm geöffnet wurde. „Nachschub …“, brummte ein Mann mit müder Stimme von draußen. „Kommt schon, macht den Sauger klar.“ Das diffus hereinfallende Licht ließ Cornelis für einen kurzen Moment die Abmessungen seines Gefängnisses erahnen. Ein Viereck, vielleicht zehn Kubikmeter groß, dachte er. Fugenlose, glatte Wände aus Stahl. Sie waren beschmiert. Vertikale braunrote Streifen. Cornelis riskierte einen genaueren Blick. Er erkannte getrocknetes Blut. In diesem Moment senkte sich eine quadratische, dunkle Glocke über die Öffnung. Der Sauger, dachte Cornelis. Dann hob mit einem Mal ein ohrenbetäubender Lärm an und ein unglaublicher Sog erfasste den Jungen. Die Leichen, wie auch er selbst, wurden nach oben in den riesigen Saugstutzen gerissen. Eine albtraumhafte Ansammlung von widerlich stinkenden toten Körpern rotierte mit ihm durch das gewundene Röhrensystem – hinauf, hinauf, immer höher, immer schneller – einem unbekannten Ziel entgegen. Dann hörte der Sog ganz unvermittelt auf und Cornelis fiel schreiend aus großer Höhe in kaltes Wasser. Er tauchte unter, sank solange, bis er Boden berührte, und stieß sich wieder ab, schoss empor und spuckte angewidert aus. Er befand sich mitten in einem riesigen Bassin, in dem tote Körper wie Flöße umhertrieben. Das rötlich schimmernde, eiskalte Wasser, das ihm im Stehen fast bis zur Brust reichte, war durchsetzt mit feinen Gewebeteilen. Er würgte und verzog das Gesicht vor Entsetzen. Dann blickte er nach oben. An der Decke drehten sich lautlos stählerne Ventilatoren. Eine Vielzahl Lufttauscher milderte den Gestank ab. Rings um ihn herum, im Dämmer der aktiven Notbeleuchtung, erkannte Cornelis eine geflieste Plattform mit Wandregalen. Darin befanden sich vertraute gläserne Rohre, die sich an der Vorderseite zu Saugglocken weiteten und rückseitig mit stählernen Tornistern verbunden waren. Hier arbeiten Mu, dachte er überrascht. Und sie empfinden offenbar genauso Ekel vor dem Geruch hier drin wie ich. Deshalb die Ventilatoren und die Lufttauscher an der Decke. Er besah sich jetzt die Toten. Vielen von ihnen fehlte offenbar ein großer Teil der Schädeldecke. Cornelis wusste nur zu gut, was das zu bedeuteten hatte. Das gesamte Bassin hier diente als Vorratslager für neue Gehirne. Ein Zitteranfall übermannte ihn und es dauerte einige Minuten, bis er seinen Körper wieder unter Kontrolle bekam. Früher oder später werden sie hier auftauchen, um Nachschub zu holen. Cornelis begann Hoffnung zu schöpfen. Er tastete nach seinem Schwert und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass er es immer noch besaß. Vorsichtig watete er zwischen den Toten in Richtung Bassinrand, wo entlang der Rückwände metallene Türen abzweigten, als ihn ein seltsames Plätschern in seinem Rücken innehalten ließ. Etwas hatte sich im Wasser bewegt, er hatte es aus den Augenwinkeln heraus gesehen. Winzige Wellen breiteten sich aus und dann durchbrach etwas die Wasseroberfläche: bleiche, runzlige Haut. Würmer. Unterarmlang. Es waren mindestens fünf oder sechs. Ihr Maul war, verglichen mit ihrer Körpergröße, geradezu riesig, versehen mit einem runden Kranz rasiermesserscharfer Zähne. Entsorgten sie etwa die Reste der Toten? Cornelis stieß einen schrillen Schrei aus und machte einen verzweifelten Satz zur Seite. Blutiges Wasser schwappte hoch, benetzte sein Gesicht, während er rückwärts fortstolperte. Er presste seine Hand aus Versehen in das ausdruckslose Gesicht einer Leiche, würgte und zog rasch seine Finger zurück. Seine Verfolger holten langsam auf. Kurz darauf spürte er, wie sich eins der Wesen durch den Stoff seiner Hose biss. Er schlug unkontrolliert um sich, doch die Würmer kannten kein Halten mehr und verbissen sich in sein Fleisch. Verzweifelt schlug Cornelis mit der Hand nach ihnen und für einen Moment spürte er wildes, schleimiges Leben unter seinen Fingern. Ihm wurde übel und fast hätte er wieder losgelassen, doch stattdessen drückte er mit verzogenem Gesichtsausdruck so fest zu, wie er konnte. Die glatte Haut des ersten Wurms platzte auf und Cornelis` Fingerkuppen ertasteten unzählige kleine Mäuler im Inneren, die nach ihm schnappten. Ein schwangeres Weibchen! Der Junge riss die Hand mit dem Wurm nach oben und schleuderte das zuckende Wesen mitsamt seiner gefräßigen Nachkommenschaft quer durch den Raum, wo es mit einem schmatzenden Geräusch an der gekachelten Rückwand aufschlug und liegenblieb. Cornelis entfernte weitere Würmer aus seinem Fleisch, zerquetschte sie mit den Fingern und schleuderte sie fort. Sie prallten gegen die Kacheln und zerplatzten zu einer breiartigen Masse. Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Beckenrand zu seiner Rechten jetzt sehr nahe war. Er verdoppelte seine Anstrengungen, um einerseits dorthin zu gelangen und andererseits die Würmer zu töten, sodass er kurz darauf erschöpft die Metallstufen erreichte. Er hangelte sich, so schnell es ging, an dem Handlauf nach oben und bemerkte, nachdem er das Bassin verlassen hatte, dass immer noch Würmer an seiner Hose hingen. Mit der geballten Faust schlug er solange auf sie ein, bis sie alle tot waren. Dann warf er die Reste zurück ins Wasser, wo sich wenige Sekunden später kleine Wellen käuselten und die leblosen Würmer in die Tiefe gerissen wurden. Schließlich raffte sich Cornelis auf, zitternd, mit Bissschmerzen an den Beinen, und humpelte erschöpft und triefend zur Rückwand des Leichenraums. Er rollte sich völlig erschöpft neben einem der Wandregale zusammen und schlief übergangslos ein. Sein letzter Gedanke war, dass die Würmer möglicherweise zurückkehren könnten, aber die schwere Müdigkeit, die ihn in diesem Augenblick übermannte, zog ihn hinunter in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Als er erwachte, blickte er auf die schwach schimmernde Oberfläche des aufgeklappten Kartendecks. Das Geschenk des alten Espermanen. Er hatte es seit ihrer Ankunft in Bella Constanzia nicht mehr in der Hand gehalten und beinahe schon vergessen. Nun lag es aufgeklappt vor ihm auf dem gefliesten Boden. Vermutlich war es ihm im Schlaf aus der Innentasche gefallen. Langsam richtete er sich auf, wobei seine Muskeln und Knochen schmerzten, als hätte er zuvor einen hohen Berg bestiegen. Mit zitternden Fingern griff er nach dem Kartendeck und zog es zu sich heran. Überrascht musterte er die schwach erleuchteten Seiten, auf denen zwei neue dreidimensionale Bilder tanzten. Er erblickte ein hölzernes Rad mit vielen Speichen vor einem bewölkten Himmel auf der einen und eine nackte weibliche Gestalt vor einer blauen Weltenscheibe mit zwei Kontinenten drauf auf der anderen Seite. „Die Mu haben den Körper hergebracht“, erklärte Harknell und deutete auf die Leiche auf der Bahre. Er scheuchte die kleinen, haarlosen Wesen fort, die stumm und...

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