Einen Segelbericht über eine Reise in die Antarktis wollte ich mir kaufen, absolviert auf einem ungewöhnlichen, sportlichen Boot. Nach dem Lesen des Buches bleibt aber der Eindruck, genau diesen nur zur Hälfte bekommen zu haben. Allzu oft verliert sich der pensionierte Lotse Gerd Engel in schwärmerischen Erinnerungen an frühere Begebenheiten auf Berufsschiffen, denen er auf dem Weg begegnet, und bringt so seine Leser über viele Seiten hin weit weg von der Antarktis und den Decks der Sposmoker. Dabei werden die Vorkriegserinnerungen des Großvaters ebenso bemüht wie die Abenteuer des lütten Schiffsjungen der er einmal war.
Im Nachwort beschwert sich Engel, dass sich die deutsche Seglergemeinde standfest weigert die Vorteile eines Mehrrumpfbootes gegenüber einem traditionellen Kielboot anzuerkennen. Dabei verspielt er selbst die Chance, die Vorzüge eines großen Katamarans durch eine packende Beschreibung des Seeverhaltens seines Bootes darzustellen. Wer in Engels Buch etwas über das Segeln großer Katamarane lernen wollte wird enttäuscht. Statt dessen muss der Leser Gedanken über Männer und Frauen über sich ergehen lassen, die leider darauf hinaus laufen die Frau als ewig bremsenden Treibanker am Heck des in die Ferne strebenden Helden darzustellen. Außerdem hinterläßt es einen schalen Nachgeschmack, wenn sich ein in ehren ergrauter Pensionär immer wieder über die "braunen Mädchen mit den Gazellengliedern und der samtenen Haut" auf diversen tropischen Inseln ausläßt.
Zum Thema Seetüchtigkeit fällt dem Autor leider nicht mehr ein, als der lapidare Satz: "Wir segeln das sicherste Schiff , welches man für so einen Törn finden kann, und die Ausrüstung könnte nicht besser sein". Und das Angesichts der Tatsache, dass der Sposmoker offenbar ohne Radargerät in einem Seegebiet unterwegs ist, in dem sich Eisberge und Nebelbänke die Hand geben...
Halbwegs versöhnt wird der Leser dann aber doch noch durch Passagen, in denen die Erhabenheit der antarktischen Natur zu spüren ist. Mehr davon hätte dem Buch gut getan.