Dieses Buch sei jedem empfohlen, der sich ein bisschen für Psychologie interessiert, und keinem, der einen Actionthriller mit jeder Menge Toten sucht. Hatte der erste Roman der Autorin, "Die Psychologin" noch sprachliche und strukturelle Mängel, so ist dieser schon nahezu perfekt.
Dr. Michael Stone ist Psychologin an einem Krankenhaus in Vermont. Sie ist auf Mißbrauchsfälle spezialisiert. Eines Tages kommt ein Arzt in ihre Praxis, der ein psychologisches Gutachten über seine eigene Person benötigt. Er wurde von seinem Arbeitgeber, einem Bostoner Krankenhaus, wegen Verdachts auf sexuellen Mißbrauch einer Patientin vorübergehend freigestellt. Er benötigt das Gutachten, um seine Approbation behalten zu können. Er gibt den Vorwurf zu, sonst sei aber alles in Ordnung mit ihm. In mehreren Gesprächen mit ihm und anderen Beteiligten stellt sich jedoch heraus, dass mit ihm ganz und gar nicht alles in Ordnung ist. Die Techniken, mit denen Dr. Stone ihm auf die Schliche kommt, sind hochinteressant beschrieben. Dann geschieht ein Anschlag auf Dr. Stones Leben - aber der Arzt scheint es nicht gewesen zu sein... Gleichzeitig mit diesem Fall wird noch ein anderer Handlungsstrang verfolgt, nämlich der einer jungen Frau, die meint, sich an sexuelle Übergriffe ihres Vaters in ihrer Jugend erinnern zu können und die ihn mit diesen Vorwürfen konfrontieren will. Diese Familie ist auch nicht ohne.
Ich habe nicht das Fachwissen, zu beurteilen, ob die psychologischen Erklärungen dieses Buches korrekt sind. Sie sind auf jeden Fall sehr glaubhaft dargestellt. Interessant ist, dass vor allem die "defekten" Menschen Form annehmen. Dass die Autorin mit Herz und Seele ihr Thema darbringt, wird auch sehr deutlich - vielleicht wirkt sie damit auch ein bisschen einseitig. Wie gesagt, das kann ich nicht beurteilen. Aber ich fand die Geschichte höchst unterhaltsam!