Wow! Was für ein Start: die taffe Enthüllungsjournalistin Hilde Jahn ist auf dem Weg zu einem geheimnisvollen Informanten - und wir als Leser sind "live" mit dabei. Leider wird es nicht das erhoffte Treffen, sondern ein tödliches Rendezvous mit einem kranken Serienmörder. Erstaunlich lange tappen daraufhin Hildes Assistentin, die junge Redakteurin Sarah, sowie Kollegen und Polizei im Dunkeln, wo Hilde steckt und hinter welcher Story sie her war. Dann aber geht es Schlag auf Schlag: die Leiche wird gefunden und Sarah begreift als Erste, was hinter dem allem stecken könnte. Zu ihrer Überraschung hat Hilde für den Fall der Fälle vorgesorgt und einen Brief hinterlassen, in dem sie sich ausdrücklich Sarah als ihre Nachfolgerin in der Redaktion und bei der prekären Story wünscht. Erst ist Sarah wenig begeistert, weiß sie doch ihre noch geringe Erfahrung realistisch einzuschätzen. Mehr und mehr aber "leckt" sie Blut und zeigt bald gar den "alten Hasen" im Geschäft, wie man abseits der herkömmlichen Denkmuster Überraschendes zutage fördert. Beate Maxian gelingt mit diesem ersten Fall einer hoffentlich bald fortzusetzenden Reihe um Journalistin Sarah ein toller Start. Mit allem beweist sie die richtige Mischung: die Handlung ist spannend erzählt, gerade die Perspektive des Täters sorgt für einen zusätzlichen Kitzel, ohne dass unnötig Gewalt und Grausamkeit geschildert wird. Maxian beherrscht eben die Kunst der Andeutung, um die Phantasie in Gang zu setzen, ohne zu übertrieben auszuschildern oder gar ins Abseitig-Brutale abzudriften. Das passt auch auf das Knistern zwischen den Figuren, das mitunter nicht fehlen darf. Auch hier ist genau im richtigen Moment Schluss, um nicht zu viel zu erzählen und den Leser zu langweilen, sondern eben weiterdenken zu lassen. Ebenso legt Maxian die Fährten gekonnt aus - mal sparsam, mal deutlicher, genau, wie es der Fortgang der Handlung erfordert. Auch das Label "Wien-Krimi" trifft in so weit im richtigen Maß, als man als Nicht-Wiener einiges über die Donaumetropole jenseits der üblichen Touristenklischees erfährt, ohne dass hier nerviger Regio-Krimi-Kram wie zu viel Ortsschilderungen etc. aufgefahren wird. Zudem ist Sarah eine sehr sympahtische "Heldin", die im richtigen Moment weiß, wann sie nicht taff genug für Abenteuer ist. Die Geschichte hinter der Figur - der tragische Unfalltod der Eltern, die Sorge um den kleinen Bruder Chris sowie ihre Vorliebe und ihr gigantisches Wissen um Aberglaube, Talismane etc. - packt einen ebenso wie der Krimiplot selbst. Dabei ist Sarah einen Tick anders und nicht so abgedroschen wie andere Ermittlerfiguren. Ich bin gespannt auf ihren nächsten Fall und sehe Wien jetzt ein bisschen mit anderen Augen!