Voller Begeisterung habe ich die ersten beiden Bücher ("Glück auf, Glück ab" und "Alte Genossen") von Jan Zweyer rezensiert: intelligente Plots, originelle Milieuschilderungen, witzige Charaktere. Zweyers viertes Buch ist dagegen hingeschludert. Der Plot ist an Einfachheit nicht zu überbieten, und der Leser kennt schon nach wenigen Seiten den Mörder. Die Charaktere sind langsam abgenutzt, von der erotischen Spannung, die noch in "Glück auf, Glück ab" zu spüren war, ist nichts mehr da. Das Ende kommt abrupt und wirkt, als ob der Verfasser das Schreiben unter Termindruck einfach abgebrochen hätte. Angefangene Handlungsstränge werden nicht weitergeführt, eingeführte Personen tauchen nicht mehr auf. Die Charaktere handeln unlogisch, und auch an Milieuschilderungen ist das Buch dünn, sieht man einmal von den Auslassungen des Verfassers über Imbißbuden im Revier ab. Für seinen nächsten Roman sollte Jan Zweyer sich etwas mehr Zeit nehmen, um sein früheres Niveau zu erreichen. An die Adresse des Verlages gerichtet: Die neuen Rechtsschreibregeln muß man nicht anwenden, es sind lediglich kann-Bestimmungen, damit Schülern, die ein verkommendes Bildungssystem durchlaufen, nicht mehr so viele Fehler angestrichen werden. Man darf immer noch "Portemonnaie" schreiben, und auch unter den neuen Regeln heißt es immer noch "Bridges" und nicht "Brigdes".