Alles beginnt fast wie eine Reiseerzählung und doch schon recht abenteuerlich und aufregend. Man sieht förmlich die phantastische Natur und empfindet auch die üblicherweise befreienden und auch erhebenden Momente einer spektakulären Trekkingtour in der Himalaja-Region Nepals.
Wer schon einmal dort war, kann sich schnell an die landschaftlichen Details erinnern und Gedankenreisende finden sich ebenso schnell in ihrer gedachten Erlebniswelt wieder. Klar und mitreissend schildert der Autor die inneren und äußeren Vorgänge seiner zu Beginn des Romans noch zwei Hauptfiguren.
Ein grausiger, in Kontext der Geschichte völlig unerwarteter Fund lässt einen schon bald in eisige Erstarrung den Atem anhalten. Ein offensichtlich unschuldiger Bergwanderer lehnt erschlagen an einer Hüttenwand, zwei rote Taschenmesser wie Stierhörner in die Augen gestochen. Fast augenblicklich offenbart sich die persönliche Betroffenheit von Paul, denn erst zwei Jahre zuvor starb seine Freundin während eines Afrika-Trips auf vergleichbare Weise und es entsteht eine schaurige Verbindung zu dem Mord vor dem Thorung-La-Pass in Nepal.
Im weiteren Verlauf ist man steter Begleiter des Globetrotters Paul und anfangs dessen Zufallsbegleiter Gavin bei den Versuchen, den Gewaltakt zunächst nur zu melden, später auch den brutalen Mörder zu verfolgen. Das zeichnet auch den Plot der Story aus, dass man aufgrund der mangelnden Polizeibereitschaft, sich um eine Aufklärung des Mordes zu kümmern, da sie ihn aufgrund nationaler und touristikpolitischer Gründe als Selbstmord darstellen, selbst zum Mitermittler des Protagonisten wird.
Zahlreiche Überlegungen und Nachforschungen in den unterschiedlichsten Regionen der Erde zeugen nicht nur von der Reiseerfahrung des Autors sondern sind auch eine Notwendigkeit, die sich aus den Recherchen des Leichenfinders im Internet ergibt. Nach einigen Nachfragen und Zufallsentdeckungen im weltweiten Datennetz entdeckt der Freizeitermittler elektronische Spuren, die der im wahren Leben als IT-Fachmann Tätige leicht nach verfolgen kann. Erschreckt und ungläubig über seine eigenen ersten Gedanken verdichten sich im Verlauf des wirklich spannend geschriebenen Reisethrillers seine gewonnenen Verdachtsmomente.
Als er schließlich wahnwitzige und völlig krude Spuren auf geheimen Webseiten entdeckt, wird es auch für Paul selbst extrem gefährlich. So etwas hat er sicher auch niemand der Leserschaft jemals gehört oder gelesen. Man muss in der Tat schon kräftig durchatmen, wenn die Gott sei Dank lediglich der Phantasie eines Erstlings-Thrillerschreibers entsprungenen abartigen Ideen zu Kenntnis nimmt. Paul sucht den Kontakt mit Freunden und früheren Reisebegleiterinnen und -begleitern auf, in der Hoffnung, dass diese ihn bei seinem Racheplan unterstützen.
Das Finale deutet sich frühzeitig und logischerweise an, dennoch schwankt man zwischen verständlicher Akzeptanz der Lösung und gleichzeitig empfundener gerechtigkeitsenthemmter Gewissensnot .
Auch wenn vereinzelt Ungenauigkeiten oder kleinere logische Schwächen in der Geschichte etwas Kopfwiegen beim Lesen erzeugen und manche Vorgänge oder Abläufe schon extrem daher kommen, so ist „Tödlicher Pfad" ein Thriller, der zu fesseln weiß. Nicht nur die Schauplätze oder das soziale und personale Milieu, sondern auch der krasse Hintergrund der Morde tragen dazu bei, den Aspekt der Neuartigkeit des Romans zu unterstreichen. © 3/2005 Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.