In Wortwahl und Satzbau einem Schulaufsatz ähnlich schreitet die Handlung im immer gleichen Erzähltempo voran. Die Perspektive wechselt zwischen der Bilderbuchmutter Nora Linde und Thomas Andreasson, dem Ermittler mit dem schlimmen Schicksal, auf das ständig hingewiesen, von dem aber so wenig berührend erzählt wird. - Ob damit absichtlich ein Kontrapunkt zu den bekannten skandinavischen Ermittlern geschaffen wird, deren Weltschmerz oft grundlos scheint, während hier einer wirklich Ursache hätte, in Depressionen zu versinken, aber tapfer und aktiv ins Leben zurückfindet?
Nach den Leichenfunden tappen die Ermittler zunächst im Dunkeln. Tappen nach 50 Seiten immer noch im Dunkeln. Und nach 100 immer noch. Tröpfchenweise sammeln sie Informationen und Zeugenaussagen, wer die beiden ersten Opfer überhaupt auf der Insel gesehen hat, wo sie sich aufhielten und was sie vorhatten. Eine eingleisige, von wenig Spannung, aber viel zähem Leerlauf begleitete Story. Ein beliebtes Mittel der Autorin: Der Zeuge, der zum nächsten Schritt führen könnte, ist erst einmal nicht erreichbar - begründet mit der Ferienzeit.
Was ich bei Krimis generell nicht mag:
(SPOILER) Wenn das entscheidende Indiz, das zum Täter führt, kurz vor Schluss gefunden wird, und zwar dort, wo man es schon viel früher hätte finden können, wenn jeder seine Arbeit sorgsam gemacht hätte. Es sind Stellen wie diese, wo die Handlung konstruiert und "gewollt" wirkt und sich nicht aus der Dynamik der vorherigen Ereignisse entwickelt. Und wenn die Ermittler alle Fakten zusammen haben, so dass nur noch einer "Zugriff" rufen müsste, wird die stereotype "Heldin-in-Gefahr-Szenerie" angeschraubt samt einer Rettung wie ich sie platter und aufgeblähter selten gelesen habe. (SPOILER AUS)
Was mir gefiel: Die Schilderung der Insel, der Besonderheiten der Schärenlandschaft und des dörflichen Charakters der Siedlung, einer Atmosphäre, die der Massentourismus zwar bedroht, aber nicht zerstören kann.