wäre ich nicht schon eine dieser online-junkies, spätestens nach diesem buch würde ich in die welt des chats hineinschnuppern. tuma erzählt nicht nur einen überaus spannenden krimi, sondern taucht auch ein in die reale virtualität oder virtuelle realität des chats, begibt sich auf den schmalen grat zwischen illusion und wirklichkeit.
er zeichnet den chat nicht nur als börse für notgeile seitenspringer und einsame singles, sondern auch als spielwiese für verbal-clowns, wort-jongleure, sprachakrobaten, wie er wohl selber einer ist. die hauptpersonen sind trotz oder wegen ihrer schwächen ausgesprochen liebenswert. voller ironie und sarkasmus, nie aber mit verletzendem zynismus beschreibt thomas tuma auch die deutsche medienszene und damit vermutlich ein kleines bisschen seine eigene realität als spiegel-autor.
sehr ansprechend auch der aufbau des buches mit innen- und außenwelten, mit chat-protokollen (bei manchen verliert man sich und wünscht sich in die rolle der wild rose) und zeitungsschlagzeilen. überraschende wendungen machen den tödlichen chat bis zum ende spannend. alles in allem, ein buch, das fesselt, das berührt, das nachdenklich macht, das neugierig macht.