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1. Film: Tödliche Versprechen - Eastern Promises
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Es gibt diese besonderen Tage, an denen man für all das reichlich entschädigt wird, was man sonst so vorgesetzt bekommt.
Aber erst mal vorweg: das ist kein Popcorn-Kino. Wo "Cronenberg" drauf steht, lauert stets ein ungewöhnlicher Genremix. Da ist Gesellschaftskritik drin. Und sortenreine Actionfans werden auch nicht unbedingt begeistert sein. Also, Leute, geht einfach eine Tür weiter, schließlich bedienen 9 von 10 Kinos die üblichen Ansprüche: Schießereien, Gewaltverherrlichung, technische Sperenzchen, Gangsterhelden, Horrorszenarien und vor allem endlosen Verfolgungsjagden mit Fahrzeugen aller Art.
Von David Cronenberg erwartet man natürlich keinen Mainstream, sondern besondere Filme - intelligente Zuschauer, die auf erschütternde Einblicke in eine unfassbare Parallel-Welt hoffen, auf plausible und menschlich berührende Geschichten, auf interessante Charaktere, auf Entwicklungen und innere Konflikte, werden sicher nicht enttäuscht.
Der 2007 erschienene "Eastern Promises" (Was man im Osten so verspricht...) bietet zudem frappierende Überraschungen. Es ist nahezu unmöglich, die Handlung näher anzudeuten, ohne diese Wirkung zu sabotieren. Daher ganz knapp:
Semyon (Armin Müller-Stahl, 77) ist der "Pate" - "Papa" - der russischen "Mafia"-Gruppe "Wory w Sakone" (Diebe im Gesetz) in London. Sein Sohn Kirill (Vincent Cassel, 41) macht ihm Sorgen - er ist labil, trinkt zu viel, verliert leicht die Kontrolle, handelt leichtsinnig und eigenmächtig. Aber Blut ist dicker als Vodka - um sich und den Jungmann aus ernsten Schwierigkeiten mit einer ukrainischen Gang herauszutricksen, bedient "Papa" sich ebenso gerne wie schon vorher sein Sohn des "neuen", undurchsichtigen Fahrers Nikolai (Viggo Mortensen, 49), der "kleine Probleme" elegant und ohne Aufsehen erledigt: Nikolai wird aufgenommen in die "Wory-Familie" und erhält die markanten Stern-Tätowierungen über dem Herzen und auf den Knien.
Die russischstämmige Anna Chitrowa (Naomi Watts, 39) arbeitet als Hebamme in einem Londoner Krankenhaus. Dort erlebt sie, dass ein 14-jähriges russisches Mädchen während der Geburt ihres Kindes stirbt. Die junge Mutter hinterlässt ein Tagebuch mit der Visitenkarte eines russischen Restaurants. Anna sucht dieses Restaurant auf, um sich das Tagebuch übersetzen zu lassen - und landet ausgerechnet bei "Papa" Semyon...
Um es ganz deutlich zu sagen: Das ist nichts für kleine Mädchen. Gewalt wird ungeschminkt und ungeschönt gezeigt, nichts wird verherrlicht oder mit falschem Glorienschein verbrämt - die diesbezügliche Verlogenheit mancher Mafia-Filme wird man hier nicht antreffen.
David Cronenberg [1] etabliert sich mehr und mehr zum führenden Regisseur dieser Epoche - "Eastern Promises" ist nichts Geringeres als ein Meisterwerk. Man wird lange suchen müssen, um einen anderen Film zu finden, dem es gelänge, in vergleichbarer Dichte und Atmosphäre fast unauffällig eine Romanze mit einem Mafia-Thriller zu verflechten. Ein umwerfendes Drehbuch, vorzügliche schauspielerische Leistungen - von allen hier genannten Darstellern, ganz besonders aber von Viggo Mortensen - und die faszinierende Umgebung der aus den Gulags entwickelten "Wory w Sakone" einschließlich Originalplätzen wie der Badeanstalt verleihen dem Film einen unverwechselbaren Touch.
Dass Werke dieser Art einer gewissen zahlen- und lautstarken Fraktion des Publikums missfallen, adelt sie ja geradezu.
Im Original 100 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, DD|DTS (Quelle: IMDB)
film-jury 5* A0523 4.3.2011eg Genre: Krimi | Drama | Mystery | Thriller
David Paul Cronenberg (* 15. März 1943 in Toronto, Ontario)
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1986 5* R0000
Die Fliege....... R, B, D: David Cronenberg D: Jeff Goldblum, Geena Davis
1996 5* A0020
Crash....... R, B, P: David Cronenberg
....... D: James Spader, Holly Hunter, Deborah Kara Unger, Rosanna Arquette
2007 5* A0523
T*dliche Versprechen - Eastern Promises [Blu-ray]
....... R: David Cronenberg D: Viggo Mortensen, Armin Müller-Stahl, Naomi Watts
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2. Film: Das Imperium der Wölfe
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Es fängt schon mit dem Cover an: Die Wölfe, die verfremdete Fotografie, die rote Schrift, vor allem aber der Name "Jean Reno". Das alles lässt an Luc Besson denken, und siehe da: Chris Nahon hatte 2001 von Besson bei dem von diesem produzierten und geschriebenen "Kiss of the Dragon" die erste Chance als Regisseur erhalten. Aber was soll man sagen: Er hat es leider schon damals vergeigt. Trotz Top-Besetzung gelang es ihm nicht, Faszination in den Film zu bringen.
Vier Jahre danach erhielt Nahon dennoch eine zweite Chance. Um die Filmrechte für den Roman "Das Imperium der Wölfe" von Jean-Christophe Grangé ("Die purpurnen Flüsse") hatten sich die Produzenten gerissen. Mit Jean Reno (57) in der Rolle des zwielichtigen Ermittlers Jean-Louis Schiffer bekam Nahon den vermutlich zur Zeit hintergründigsten Star des Genres, mit Laura Morante (49) eine faszinierende Frau, die leider der Hauptdarstellerin Arly Jover (34) trotz des Altersunterschiedes nicht nur optisch die Butter vom Brot spielte.
Der Film weckt zu Beginn höchste Erwartungen. Da stimmt einfach alles - kreative Kamera, verblüffende Verfremdungen, die schon von "Nikita" bekannten Farbspiele und eine insgesamt stimmige Postproduction - man freut sich auf einen weiteren großen Thriller eines Besson-Epigonen.
Zwei Handlungs-Stränge werden aufgebaut:
Anna befindet sich in Behandlung, weil sie ihren eigenen Mann nicht mehr erkennt. Als ihr die Medizin-Bastler mit einer Hirn-Biopsie drohen und ihr Mann Druck auf sie ausübt, sucht sie eine Psychotherapeutin auf.
Gleichzeitig ermittelt Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin, 26) in einer Serie von brutalen Frauenmorden. Als das dritte Opfer im türkischen Viertel von Paris gefunden wird, reaktiviert Nerteaux den wegen Brutalität frühpensionierten Jean-Louis Schiffer.
Das sollte hier genügen - wer sich die Überraschungen verderben will, findet genügend Spoiler hier und in der Wikipedia. Aber gerade auch wegen der erstaunlichen Wendungen zählt die erste Hälfte des Films sicher zum Besten, was man im Thriller-Bereich zu sehen bekommen kann. Was ist nun eigentlich an der zweiten Hälfte so schlecht?
Schlecht ist für sich gesehen gar nichts - man wechselt nur in einen Film für andere Leute. Nach dem mysteriösen Beginn hoffte man eigentlich auf eine weitere Steigerung, verblüffende Auflösungen und emotionale Entwicklungen. Doch das bleibt der Film schuldig. Statt mit faszinierenden Frauen und berührenden Beziehungen, statt mit weiteren raffinierten Wendungen und einem Ausbau der psychologischen Züge wird man mit ermüdenden Schießereien und Explosionen abgespeist. Aus einem reifen Film des Besson-Typs wird Standard-Hollywood der "Stirb langsam" - Kategorie; würden nicht die Aufnahmen von Cappadoccia ein wenig Augenlust bieten, könnte man die zweite Stunde glatt vergessen.
Unter dem Strich kann man festhalten, dass Nahon einen halben Film für Halbwüchsige und einen halben Film für anspruchsvolle Kinofreunde zu einer unbefriedigenden Mesalliance gezwungen hat. Zudem wird der Film länglich. Reichlich zwei Stunden sind eine lange Zeit, wenn es nur noch um Prügeleien und Schießereien geht. Ein Regisseur muss sich aber für eine Zielgruppe entscheiden. So, wie der Streifen geworden ist, darf man sich nicht wundern, dass der 24 Millionen teure "L'empire des loups" nicht viel mehr als die Haarfarbe für Jean Reno eingespielt hat. Von mir jedenfalls hätte Chris Nahon kein Geld mehr für einen dritten abendfüllenden Film bekommen.
Die "OK"-Bewertung von 3 Sternen honoriert also lediglich die gute erste Hälfte, von einem Kauf des Films kann man eher abraten.
film-jury 3* A0629 7.12.2011eg Genre: Action Drama Thriller
Jocelyn Quivrin (* 14. Februar 1979 in Dijon)
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1995 5* A0213
Hippolytes Fest / Au petit Marguery....... R: Laurent Bénégui D: Stéphane Audran, Michel Aumont
2005 3* A0629
Das Imperium der Wölfe [Blu-ray]
....... R: Chris Nahon D: Jean Reno, Arly Jover, Jocelyn Quivrin, Laura Morante
2007 -* -0000
39,90 [Blu-ray]
....... R: Jan Kounen D: Jean Dujardin, Jocelyn Quivrin
Jocelyn Quivrin starb am 15. November 2009 in Saint-Cloud bei einem Unfall mit seinem Ariel Atom am Eingang eines Tunnels. Er arbeitete zu dieser Zeit an einem Spielfilm über einen Mann, der sich für James Dean hielt.