Bei diesem Buch schrecken sowohl der Titel, als auch die Überschrift der Beschreibung auf der Rückseite, zunächst ein wenig ab. Dort ist von "Tödlicher Toleranz" und einer "explosiven Mischung" aus "Uns und unseren Muslimen" zu lesen. Diese Zeilen klingen zwar reißerisch, aber auch schon fast Islamfeindlich, und lassen somit absolut nicht auf die Qualität des Buches schließen. Doch hinter diesem Titel steckt deutlich mehr. "Tödliche Toleranz" von Günther Lachmann ist keineswegs reißerisch aufgebaut, und Islam- oder Ausländerfeindlich ist es erst recht nicht!
Günther Lachmann war vier Jahre lang in der politischen Redaktion der Bild tätig, bevor er als stellvertretender Leiter der Parlamentsredaktion zur Welt am Sonntag wechselte. Seitdem konzentriert er sich auf den Islamismus und die Muslime in Deutschland.
Seit den Terroranschlägen in New York, London oder Madrid liegen die Augen der Welt auf dem Islam. Immer öfter wird nun davon gesprochen, dass die Integration der Muslime in Deutschland gescheitert ist. Die Schuld suchen die Einen bei den, angeblich an einer Integration nicht interessierten, Muslimen, die Anderen bei den Deutschen, die diese Muslime angeblich gar nicht in "ihrem Land" haben möchten. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Günther Lachmann analysiert präzise und treffend, wie es in Deutschland soweit kommen konnte, dass diese zwei Kulturen heute zwar im selben Land, aber dennoch getrennt voneinander leben. Dabei versucht er nicht, einer der beiden Gruppen die Schuld zu zuschieben, sondern zeigt beiden Seiten ihre Versäumnisse auf. Ganz besonders geht er dabei auf die fast schon ignorante Handlungsweise der deutschen Regierung ein. Seine Analysen belegt Günther Lachmann durchgehend mit Daten und Fakten, aus denen er dann seine Schlüsse zieht. Er beschränkt sich jedoch nicht lediglich auf das Aufzeigen von Missständen, sondern zeigt auch Wege auf, wie diese über die nächsten Jahre abgebaut werden könnten.
Nach den Kapiteln über die Geschichte der Muslime in Deutschland, die etwas weniger als die erste Hälfte, des knapp 290 Seiten starken Buches ausmachen, widmet sich Lachmann dem Islamismus und dem islamischen Terrorismus. Hier beschäftigt er sich in erster Linie damit, woher die Anziehungskraft von Gruppen wie der Al-Qaida rührt, und wie diese Organisationen vorgehen, um neue Zellen in Deutschland und anderen westlichen Ländern zu bilden. Auch die Beschreibungen in diesem Teil des Buches fokussieren sich primär auf die Verbindungen nach Deutschland.
Als Abschluss ist dem Buch anstelle eines Nachworts ein Essay der niederländischen Abgeordneten Ayaan Hirsi Ali angehängt, die in ihrer Wahlheimat gegen die Unterdrückung des muslimischen Frauen kämpft, und sich auch in diesem Essay mit dem Thema beschäftigt.
Die Stärke von "Tödliche Toleranz" ist die Vorgehensweise des Autors. Er beschreibt präzise die derzeitige Situation in Deutschland, ohne sich selbst durch die Einhaltung der politischen Korrektheit in seinem Denken und seinen Aussagen einzuschränken. Dadurch wirken manche Stellen für bestimmte Leser vielleicht feindselig, tatsächlich stellen sie jedoch nur die Realität dar, vor der man nicht länger die Augen verschließen sollte.