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Tödliche Luftschlösser
 
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Tödliche Luftschlösser (Taschenbuch)

von Jean-Patrick Manchette (Autor), Stefan Linster (Autor)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 200 Seiten
  • Verlag: Distel (September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3923208634
  • ISBN-13: 978-3923208630
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,6 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 422.235 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Thompson ist ein Berufskiller mit Magenproblemen: Jedes Mal, wenn er einen Auftrag erhält, wird er von Übelkeit heimgesucht. Er bekommt keinen Bissen mehr herunter, und wenn sich die Angelegenheit zu lange hinzieht, kann es schon einmal zu inneren Blutungen kommen. Deshalb hat er beschlossen, nur noch diesen einen Auftrag anzunehmen und sich dann zur Ruhe zu setzen. Einen kleinen Jungen soll er umbringen, einen verzogenen Sprössling einer reichen Familie. Das ist zwar nicht nett, aber Leute mit schwachen Nerven sollten sich sowieso einen anderen Job suchen. Und die Bezahlung ist mehr als großzügig.

Julie, das Kindermädchen des kleinen Peter, ahnt noch nicht, was ihrem Schützling droht. Allerdings hat sie auch so Probleme genug: Peters Vormund hat sie aus einer psychiatrischen Anstalt herausgeholt, damit sie sich um den nervtötenden Rotzbengel kümmert. Mittels Alkohol und Tabletten hält sie sich auf den Beinen, und als sie und der Junge von zwei grobschlächtigen Kerlen entführt werden, hält sie das anfangs für einen bösen Traum. Dann erkennt sie den Ernst der Lage und beschließt, sich zur Wehr zu setzen. Mit katastrophalen Folgen für alle Beteiligten.

Es ist fast zu schön, mit welcher Konsequenz das Gesamtwerk des französischen Krimistars Jean-Patrick Manchette innerhalb der vorzüglichen Série Noire Stück für Stück neu aufgelegt wird. Mit Tödliche Luftschlösser sind wir nun bei den wirklich gnadenlosen Romanen des Meisters angekommen. Bei Manchette bedeutet Realismus den vollständigen Verzicht auf Mitleid oder gar Kitsch. Seine Protagonisten verfügen über wenig Handlungsspielraum, von einer irgendwie gearteten Freiheit des Willens ganz zu schweigen. Nach den letzten Seiten dieses Romans muss man erst einmal tief Luft holen und einmal mehr zugeben: Was Manchette unter einer Tour de Force versteht, macht ihm keiner nach. Atemberaubend! --Hannes Riffel

Pressestimmen

"Es grüßen Dashiell Hammett und Raymond Chandler ... Bei der Konstruktion seiner Figuren gelingen Manchette jedoch Kunststücke, mit denen er sich von den Amerikaern abhebt." (Die Zeit)
"Die Romane mancher Kollegen wiken dagegen wie Bettlektüre für Asthmatiker." (Stern)
"Jean-Patrick Manchette ist der bessere Mankell ..." (Die Welt)

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5.0 von 5 Sternen Ein packender Thriller voll überraschender Wendungen, 27. Dezember 2002
Von CK "neil-hockaday" (Münster, Westfalen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Jean-Patrick Manchette, geboren 1942 in Marseille, war ein großer stilistischer Erneuerer des französischen Kriminalromans. In seinen Romanen knüpfte er an die Tradition von Raymond Chandler und Dashiell Hammett an und schuf eine moderne, auf Europa zugeschnittene Form des amerikanischen "hard-boiled" Krimis. Dieses zeigt beispielhaft sein dritter Roman «Ô dingos, ô châteaux» (1972), der jetzt in neuer Übersetzung im DistelLiteraturVerlag vorliegt.

(Zitat) „... Thompson hatte den Arm ausgestreckt, sein Magen tat ihm dermaßen weh, dass er glaubte, er würde aufreißen, und dann zuckte Julies Gestalt vor dem Visier der SIG zusammen. Die junge Frau fiel zu Boden. Thompson schoss ein zweites Mal durch die tobende Menge. Das zweite Profil (9 mm Parabellum) zerfetzte den Kopf eines völlig außer sich geratenen Kunden. Der Mann rannte noch weiter, riss die Arme nach vorn wie ein Turmspringer und machte einen schallenden Bauchklatscher auf den Fußboden des Kaufhauses. ..."

Der Auftrag für Thompson, einen Magengeschwür-geplagten Profikiller, und seine Helfer Coco und Nénesse scheint einfach: Der Neffe eines millionenschweren Architekten soll aus dem Weg geräumt werden und der Mord dem Kindermädchen, der jungen, angeblich nicht zurechnungsfähigen Julie, angehängt werden. Doch alles läuft schief. Der Junge und Julie können entkommen und es beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd quer durch Frankreich.

(Zitat) „... Coco schoss mit seinem Revolver blindlings in die Menge. ... Mit Befriedigung sah er, dass einer der Gendarmen auf alle viere fiel. Die drei anderen Ordnungshüter blieben mit einem Schlag breitbeinig stehen, zielten mit gestrecktem Arm und eröffneten nahezu gleichzeitig das Feuer. ... Nénesse (sein Bruder) sah, wie die Kugeln aus Cocos Rücken austraten und wie dabei Muskel- und Gewebefetzen herausspritzen. ... Nénesse seufzte, und zwei dicke Tränen quollen ihm aus seinen kleinen Augen. Er warf seine Waffe weg und wartete darauf, dass man ihn festnahm. Da trat der Wirt des Cafes drei Schritte auf seiner Terrasse vor und feuerte ihm den Inhalt der beiden Läufe des Jagdgewehres ins Ohr. ..."

Manchette erzählt seine Geschichte sehr filmisch, mit knappen Beschreibungen, knappen Dialogen und mit einem trockenen Wortwitz, manchmal mit einer grotesken, morbiden Situationskomik. Der Plot ist schnörkellos, voll überraschender Wendungen und von extremer Spannung - ein Page-Turner, der den Leser packt und erst mit dem Ende des Romans wieder Atem holen lässt.

(Zitat) „... Die notdürftige Brücke, die das Werk betrunkener Pfadfinder hätte sein können, war in einem unsicheren Gleichgewicht auf dicken runden Felsbrocken gestützt. ... Der Brettersteg war stellenweise eingebrochen. Darunter Wasserstrudel, dunkel und grau.
Die junge Frau klammerte sich an das, was von dem Geländer noch übrig war ... Die Brücke schwankte unter ihr, und Julie schwankte mit. Sie hatte das Gefühl, ein ungeheueres Gewicht zu haben. ... Julies Fuß brach durch die Brücke. Die junge Frau verletzte sich, als sie sich am Boden des Stegs festklammerte. Alles bebte um sie herum und in ihrem Kopf. Sie befand sich auf allen vieren und kroch über dem sprudelnden Wasser vorwärts ..."

Manchette entwirft keine Charaktere, seine beiden Protagonisten Thompson und Julie bleiben Figuren. Sie bieten keinerlei Identifikationsmöglichkeit. Seine Figuren reflektieren weder das, was ihnen widerfährt, noch die Motivation, die sie antreibt. Ihre Innenwelt wird von Manchette übersetzt in Action pur.
Thompsons Triebfeder ist der Auftrag, den er so oder so zu Ende bringen muss.
Julie wird gegen ihre Willen in die Handlung hineingezogen. Sie wird absichtsvoll aus der Psychiatrie herausgeholt und als Kindermädchen angestellt, damit ihr später der Mord in die Schuhe geschoben werden kann. Julie begegnet der Gewalt mit Gegengewalt - ohne Zögern und ohne Skrupel. Angetrieben von der Angst um ihr und Peters Leben reagiert sie - manchmal geradezu beängstigend effektiv, und das Ziel ihrer Flucht ist unbewusst der Auftraggeber des Killers und damit das Streben nach dem Grund für das Verbrechen. Sie erscheint somit als eine Figur in der Tradition Chandlers. „Auf der Suche nach der verborgenen Wahrheit begegne(t) sie der Gewalt, und Gewalt durchdringt den gesamten Alltag, in dem die Handlung angesiedelt ist (Zitat aus Chandlers Essay „The Simple Art of Murder).
Manchettes Roman ist grell, knapp und brutal geschrieben, insbesondere der Showdown gerät zu einem Höhepunkt von Tod und Gewalt. Weil in Manchettes Romanen die Welt voller Verzweifelung darüber ist, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt eine hoffungslose Sache geworden ist, gibt es keine Erlösung, sondern nur Gewalt und Tod. Am Ende werden die Bösen zwar zur Strecke gebracht, aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack.

Am 19. Dezember wäre Jean-Patrick Manchette sechzig Jahre alt geworden. Er war der große Erneuerer des französischen Kriminalromans und Leitfigur für eine neue Generation französischer Kriminalautoren. Den Grund hierfür stellt Manchette mit seinem Roman „Tödliche Luftschlösser" eindrucksvoll unter Beweis.

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