Die Erzieherin Carlotta Vespari tritt ihre Stelle bei den di Cosimos an, um den siebzehjährigen Zwillingen Julia und Silvana den letzten Schliff in Sachen Anstand und Benimm zu verleihen. Doch schon nach kurzer Zeit mehren sich die unheimlichen, mysteriösen Geschehnisse auf dem Gut der di Cosimos. Der kürzlich verstorbene Vater der Zwillinge erscheint in der Nacht und spielt mit seinen vermoderten Händen ein bekanntes Klavierstück, Julia wird von einer unheimlichen Gestalt heimgesucht, die ihr weissagt, dass sie in den nächsten Tagen sterben wird. Hinzu kommt, dass kurz vor Carlottas Ankunft eine Bedienstete aus dem Dorf in der Kapelle des Anwesens getötet wurde. Der jungen Frau wurden bei lebendigem Leib die Augen aus dem Kopf gerissen. Carlotta findet heraus, dass seit über 350 Jahren ein Fluch auf der Familie liegt, nach dem immer wieder Zwillinge gezeugt werden, einer mit schwarzen und einer mit bernsteinfarbenen Augen. Letzterer dazu verdammt vor dem siebzehnten Lebensjahr zu sterben. Auch Julia hat bersteinfarbene Augen, doch Carlotta und der Nachbar der di Cosimos, Piero di Abaccio, setzen alles daran, um das Unheil aufzuhalten '
Folge 9 der ambitionierten Reihe Dreamland Grusel ist die Vertonung eines Romans von Hörspiellegende H.G. Francis, der 1975 unter dem Titel 'Mörderische Knochenhände', in der Heftromanreihe VAMPIR HORROR ROMAN erschien. Etwas unglücklich gewählt wurde der Titel, denn besagte Knochenhände kommen eigentlich nur in zwei Szenen vor, einmal beim Klavierspiel des toten di Cosimo und auf dem Friedhof der Bediensteten, als Julia von dem lebenden Skelett gewürgt wurde. Das Hörspiel an sich jedoch ist eine düsteres Gruselgeschichte, die so auch durchaus in der Klassiker-Serie von EUROPA hätte erscheinen können. Die Freigabe ab 16 Jahren begründet sich in diesem Fall vermutlich auf die herausgerissenen Augen, wobei man bedenken sollte, dass heutzutage die Jugendlichen schon einiges gewohnt sind und das Hörspiel durchaus für 14jährige unbedenklich ist, immerhin wird nicht im Detail beschrieben, wie die unappetitliche Prozedur vonstatten ging.
Abgesehen von der schwülstigen Liebesgeschichte und dem, an den Haaren herbeigezogenen Ende des Romans, hält sich das Hörspiel dicht an die Vorlage. Auch der überflüssige Auftritt eines Polizeikommissars fiel der Schere, beziehungsweise dem Rotstift, zum Opfer. Dadurch gewinnt das Hörspiel an Tempo und Intensität. Nicht zuletzt wegen der grandiosen Musik von Tom Steinbrecher, der wirklich ein Talent für die richtigen Klänge im rechten Moment besitzt. Unheilschwangere Klavierkompositionen und düstere Synthesizerklänge sorgen für die optimale Gruselstimmung. Auch die Sprecher, allen voran Dreamlands neueste Errungenschaft, Marie Bierstedt, sind mit Herz und Seele bei der Sache. Karin Lieneweg (Tante Mathilda aus DIE DREI FRAGEZEICHEN) scheint im ersten Moment zu nett und umgänglich für die Rolle der wankelmütigen Marchesa zu sein, zeigt jedoch schon in der Friedhofsszene, was in ihr steckt. Genial auch Reent Reins, als versoffener Mythenexperte und Möchtegerngeisterjäger, der im Finale vermutlich sturzbetrunken in der Ecke liegt. Joschi Hajek, der gemeinsam mit Alex Streb, das Dialogbuch schrieb, kann auch als Pierro di Abaccio punkten und beweist mit damit sein Talent als Sprecher, der auch längere Rollen tragen kann. Jürgen Brunner (Adriano di Cosimo) hätte noch ein wenig leidenschaftlicher sein dürfen, immerhin ist er auch Italiener. Ex-No-Angel Vanessa Petruo macht als Geisterstimme einen hervorragenden Job und überzeugt als überdrehtes Gespenst auf ganzer Linie.
Bis auf Sache mit den Augen herausreißen, bietet die neunte Folge dem Hörer eine beschauliche, aber unheimlich in Szene gesetzte Gruselgeschichte, die den hohen Standard dokumentiert, den das Label mittlerweile erreicht hat.