"Before the Devil Knows You're Dead" vom 1924 geborenen Regiealtmeister Sidney Lumet bekam leider vom einfallslosen deutschen Verleih den recht nichtssagenden Zusatztitel "Tödliche Entscheidung" verpasst und fristet dann im Kino auch nur ein kurzes Dasein.
Der Originaltitel wird dem Film zumindest viel gerechter und ist markant, weil der Film dies ebenso ist. Wer jetzt gedacht hätte, der 84jährige Lumet wartet mit einem behäbigen und ruhigen Alterswerk auf, der irrt gewaltig.
Lumet hat seit "Prince of the City" und "Verdict" keinen so guten Film wie diesen mehr abgeliefert. Der brutale Thriller folgt aber den Gesetzen der griechischen Tragödie.
Es ist ein Verliererepos mit radikalem Ausmass. Alles fängt damit an, dass Andy Hanson (Philip Seymour Hoffmann) und sein jüngerer Bruder Hank (Ethan Hawke) planen, das elterliche Juweliergeschäft mit einem totsicheren Plan zu überfallen, weil beide Geld brauchen.
Leider vermasselt der Jüngere mit viel Dummheit diesen Coup und dann wird sogar die Mutter der beiden bei diesem Überfall schwerverletzt.
Damit tritt auch der Vater, ein überlebensgrosser Patriarch (Albert Finney) in Erscheinung und mit ihm wird das Auseinanderbrecher dieser Familie eingeleitet.
Sidney Lumet hat hier eine Art "Old School" Film, der aber auch neue Sehgewohnheiten integriert, abgeliefert...Ein Werk, dass vielleicht in seiner Erzählweise, zumindest in der ersten Stunde, dem heutigen Kinopublikum vielleicht etwas langsam und spröde vorkommt - auch macht keine der Figuren eine Identifikation möglich. In der Tat ist das Szenario von Beginn an eher trostlos und die Dynamik der Geschichte will es so, dass sich dies immer mehr verschlechtert. Es erscheint daher nur logisch, dass diese auswegslosen Situationen auf einen eruptiven Ausbruch zusteuern und dieser kommt dann auch mit einer ordentlichen Wucht...was soviel bedeutet: Etwas ausharren, der Film wird noch extrem furios und grausam.
Die Kritik hat "before the devil knows you´re dead" ausnahmslos gelobt und dieser Einschätzung schliesse ich mich an. Der Film ist auf der gleichen Qualitätsstufe wie "Network" oder "Hundstage". Ein grosser Anteil daran haben die Schauspielerleistung der drei Männer, die hervorragend spielen, vor allem Philip Seymour Hoffmann als Krawatten- und Anzugstragender Psychopath ist äusserst beeindruckend.