Als Australienfan habe ich das Buch geschenkt bekommen, hatte darüber noch gar nichts gehört oder gelesen. Nun bin ich sehr ergriffen und berührt, auch weil es sehr schön beschreibt, wie dieser Kontinent Australien und damit auch seine Bewahrer/innen Besitz ergreifen von Menschen, die offen für solche Wahrnehmungen sind. (Bruce Chatwin hatte in seinem Buch "Traumpfade" in etwa geschrieben, dass Australien nicht von den Menschen besetzt würde, sondern dass das Land die Menschen besetzt. Ich fand das sehr treffend.) Über die Rituale der Aborigine-Frauen wird zwar wenig erzählt - die Begründung finde ich gerechtfertigt - , doch wird sehr deutlich, dass diese in ihrer Stammestradition gleichberechtigt mit anderen Aufgaben betraut neben den Männern leben, und wie das Zusammenleben der Geschlechter gestaltet ist. Viele Sätze, die Maydina sagt, möchte ich in Zukunft beherzigen. Die Schilderung der Arbeit bei der UNO, der Vorgänge bei der Konferenz, finde ich sehr gelungen und auch erschütternd. Auch wenn man das eine oder andere schon vorher wusste, ist diese geballte Anhäufung von Schicksalen der indigenen Völker aufrüttelnd. Die Liebesgeschichte, die das Buch durchzieht, die ja auch eng mit dem Hineinwachsen der Autorin in die Denk- und Lebensweise der Aborigines verbunden ist, steht für mich nicht im Vordergrund der Erzählung, sondern ist nur ein Teil des Ganzen. Ein "rundes" Buch, schön verfasst. Ich fände es toll, wenn es nicht ein "Frauenbuch" wird, denn wie schon ein anderer Rezensent sagte, ist es durchaus für Männer interessant.