Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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59 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ja. Da hast du das Leben., 19. Juli 2005
»Täuschungen« ist ein unglaublicher Roman, in Skizzen aus Gesprächen aufgebaut. Fast jedes Wort ist wörtliche Rede, ohne irgendwelche Rahmentexte. Ort des Geschehens und die handelnden - besser sprechenden - Personen müssen aus dem gesprochenen geschlossen werden, so, als ob man einen Kinofilm hören würde. Nur kann man beim lesen nicht die Stimmen wieder erkennen.Philip Roth baut mit den Skizzen eine Liebesgeschichte auf. Zwei Liebende, jeweils anderweitig gebunden, treffen sich und reden über sich, ihre Partner und ihre Situationen. Dies alles wird niedergeschrieben, in einem Notizbuch des männlichen Partners, eines Schriftstellers. Ob das jetzt wirklich passiert ist oder nur Fiktion, wer weiß. Die beiden letzten skizzierten Gespräche finden mit anderen Partnern statt, der Ehefrau des Autors und einer 4. Person, auch hier spielt Philip Roth mit den verschiedenen Wirklichkeitsebenen. Die Ehefrau hat das Notizbuch gefunden und gelesen, das darf ich hier verraten, das steht auch im Klappentext. 'Philip', so heißt auch die Figur im Buch, erzählt ihr, das es sich um Fiktion handelt, um seine Arbeit als Schriftsteller. Wie weit dieses Gespräch und das folgende autobiographisch authentisch oder fiktiv sind, aus Sicht der erzählten und erzählenden Person 'Philip' oder aus sicht des Autors, das zu entscheiden, bleibt dem Leser überlassen. Ich habe »das ganze Ding gelesen«, wie die Frau von Philip, in einem durch, eine längere Zugfahrt und ein paar Minuten im Bahnhof, ich konnte nicht aufhören. Ein ungewöhnliches Buch, auf jeden Fall eine Kaufempfehlung. Mit der Auswahl eines Zitates für die Überschrift habe ich mich diesmal besonders schwer getan, am besten gefallen hatte mir er Satz »Mein Gott, was für eine prätentiöse ...(*)!« den Philips Frau sagt, den ich aber auf keinen Fall als Titel für die Rezension eines so wundervollen Buches verwenden wollte. Deshalb dieses hier, aus dem letzten aufgezeichneten Gespräch: »Ja. Da hast du das Leben. Immer ein bißchen an der Fiktion vorbei.« (*Das Wort darf man hier wohl nicht schreiben, fängt mit 'Sch' an und geht mit 'ei' und so weiter)
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43 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Täuschung oder Enttäuschung? Das ist hier die Frage, 9. März 2003
Mitunter sind Bücher wie Kuchen - hat man den ersten Bissen genossen, schlingt man den Rest im Rausch herunter. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: nach dem ersten Geschmackstest verzichtet man dankend auf jeglichen weiteren Konsum. Wozu gehört das vorliegende Buch? Zu keiner der beiden Kategorien - es ist ein Buch, das einem Kuchen gleicht, der am Anfang ganz vorzüglich mundet, um am Ende immer fader zu werden, bis man schließlich den Verzehr beendet. Das liegt sicher auch an der schwierigen formalen Präsentation des Romans. Denn das ganze Buch über muss sich der Leser durch Dialoge arbeiten, ohne immer zu wissen, wer gerade spricht. Da überhaupt keine klassische Erzählung geboten wird, dauert es immer seine Zeit, bis man versteht, mit welcher Figur der Schriftsteller ( im Buch als "Philip" angesprochen ) gerade debattiert - ist es seine prätentiöse verheiratete Geliebte, sind es diverse Osteuropäerinnen, die dem Schriftsteller das Herz ausschütten oder ist es der eine oder andere gehörnte Ehemann? In Ordnung, denkt man sich. Aber wovon handelt dieses Buch? Was ist sein Plot? Wenn der Klappentext nicht wäre, hätte man mit der Beantwortung dieser Frage allerdings seine Schwierigkeiten. Der Klappentext spricht von einem doppelten Ehebuch, einer Täuschungsaktion, womit ein Spannungsbogen suggeriert wird, den der Roman überhaupt nicht besitzt. In Wahrheit unterhalten sich die Protagonisten, deren Konturen das ganze Buch über recht unscharf bleiben, mit dem Schriftsteller im wesentlichen über dreierlei: über die Ehe im Allgemeinen, über das Judentum im Besonderen und über die Probleme des Romanciers, Fiktionalität in Literatur zu überführen. Was die ersten beiden Themen - die Ehe und das Judentum betrifft - zeigt sich Roth auf der Höhe seines Könnens. Jedem seien die funkelnden Aperçus auf den Seiten 66-70 und 101 - 110 empfohlen. In ihnen steckt mehr Geist und Weisheit als in den meisten Büchern, die es heute zu kaufen gibt. Mit seinem dritten Thema jedoch - der Überführung der Fiktionalität in Literatur - fährt der Autor das Buch an die Wand. Man traut es sich bei einem Meister wie Roth kaum zu sagen: aber die kaugummiartig- uninspirierten Gespräche zu diesem Problemkomplex kommen dem Leser so vor, als würde er über die Feinheiten eines Fahrzeugmotors informiert, wo er doch viel lieber mit dem Cabrio bei offenen Verdeck über Land fahren würde.
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17 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vision und Gedächtnis - eine grandiose Komposition., 8. September 1999
Von Ein Kunde
Roth macht auch hier, was er am besten kann: er seziert die harte Realität existierender und gelebter Beziehungen mit einer Offenheit, die man wahrscheinlich erst schätzen kann, wenn man selbst Illusionen zu Grabe getragen hat. Nichts für junge Leser, denke ich, denn die Präzision der einfachen Sätze hat wenig Aufregendes, die Handlung verschwimmt, wird gedehnt, geleugnet. Aber gerade deshalb: Ein kleines, feines Meisterwerk.
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