Peter Becker, Historiker, legt hier eine insgesamt knapp gefasste, verständlich geschriebene Geschichte der Kriminalistik vor.
Er folgt dabei dem klassischen Schema und fängt ganz bei den Anfängen an, zeigt die Entwicklungen bis zur Gegenwart und wagt Ausblicke in die Zukunft.
Hierbei war ich vor allem Enttäuscht von der Bearbeitung der Vergangenheit.
Schön, irgendwann wurde die Folter abgeschafft, auch weil man mittels immer besserer technischer ('wissenschaftlicher') Methoden den Tätern nun anders auf die Schliche kam.
Gut, dies führte zu einem Paradigmenwechsel im Aufklären von Straftaten.
Prima, von nun an konzentrierte man sich weniger auf den Täter, sondern vielmehr auf die Tat.
Becker zeigt so den Wandel von einer mittelalterlich anmutenden (aber doch recht aktuellen, siehe Abu Ghraib, Guantanamo) Folterjustiz hin zu einer technisch orientierten Wahrheitsfindungskrimonologie.
Pluspunkte:
- auch wenn man sich viele hätte denken können, bleibt es dem Autor zu Gute zu halten, dass er es über große Strecken spannend zu vermitteln weiß.
- vor allem die jüngste Geschichte, Gegenwart und der Ausblick in die Zukunft erscheint mir wert, Beachtung zu finden.
Themen, die uns alle angehen (Stichwort: Biometrie, Überwachungsstaat!) werden hier fundiert unter die Lupe genommen.
Oder wußten Sie, dass bereits in den 70er-Jahren ein BKA-Präsident von der totalen Kontrolle träumte? Schauderlich, aber leider wahr.
Fünft Sterne hätte es gegeben, wenn der Autor mehr Seiten und konkretere Darstellungen gewagt hätte, um die historische Entwicklung detaillierter unter die Lupe zu nehmen.
Trotzdem bleibt das Buch ein Tipp für alle, die sich genauer mit der Entwicklung der Kriminalistik beschäftige wollen, ohne dabei zu viel Zeit und Energie aufzuwenden.
Und gerade die Behanlung der aktuellen Fragestellungen rechne ich dem Autor hoch an.