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Täter, Opfer, Zuschauer: Die Vernichtung der Juden
 
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Täter, Opfer, Zuschauer: Die Vernichtung der Juden [Gebundene Ausgabe]

Raul Hilberg
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 367 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 4 (1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100336097
  • ISBN-13: 978-3100336095
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,8 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 386.724 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Raul Hilberg
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Judenmord war nicht das Werk Einzelner. Er wurde von einer hochgradig arbeitsteiligen und bürokratisch organisierten Gesellschaft in die Wege geleitet und verwirklicht; von einer Gesellschaft, die die technischen Mittel dazu hatte und den Willen, sie zu nutzen. Auf dieser Gesellschaftsanalyse basiert das wohl gewichtigste Werk der Schwarzen Reihe: Raul Hilbergs Die Vernichtung der europäischen Juden.

In guter bürokratischer Tradition stand am Beginn des Vernichtungsprozesses die amtliche Definition dessen, was vernichtet werden sollte: das Judentum. Nachdem das Reichsinnenministerium dieses Problem zufrieden stellend gelöst hatte, konnte die systematische Entrechtung und Enteignung der Juden beginnen. Weitere Stufen folgten: die Konzentration der Juden in Ghettos, die Operationen der mobilen Tötungseinheiten, die Deportationen aus den besetzten Gebieten und schließlich die Errichtung spezieller Vernichtungszentren. Hinter dieser höchst effizienten Maschinerie verbarg sich ein ganzes Heer von Namenlosen, deren funktionale Hingabe diesen Genozid erst möglich gemacht haben. Es waren "gewöhnliche" Bürokraten, Reichsbahner, Polizisten und Soldaten, die diese Maschinerie in Gang hielten, und ihre Befehle kamen von subalternen Vorgesetzten, die den "Führerwillen" gewissenhaft vollstreckten.

"Töten ist nicht mehr so schwer wie in früheren Zeiten." -- Es ist dieser Satz Raul Hilbergs, der sich ins Gedächtnis eingräbt. Er ist Fazit und Mahnung zugleich. Der technische Fortschritt machte den Holocaust erst möglich, und es ist dieser Fortschritt, der das Vernichtungspotenzial seitdem immer weiter perfektioniert und ausgebaut hat. Der Verwaltungsbeamte früherer Tage hatte nicht die Werkzeuge, eine ganzes Volks auszulöschen. Der Bürokrat von morgen wird diese Probleme nicht haben, er ist bereits heute besser ausgerüstet als die Nazis jemals waren. --Stephan Fingerle -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Kurzbeschreibung

Nach seinem Standardwerk 'Die Vernichtung der europäischen Juden' beschreibt der Autor die Massenvernichtung der Juden nun aus der Sicht der damals handelnden, leidenden oder scheinbar unbeteiligt danebenstehenden Personen.
Im Teil 'Täter' werden die alten und neuen Eliten dargestellt, die eifrigen Karrieristen in Verwaltung, Armee und Partei, in Verbänden und Organisationen. Sie entstammten allen sozialen Schichten.
Der Teil 'Opfer' beschäftigt sich mit den Opfern und deren vielfältigen Geschichten. Hier geht es auch um die Rolle der Judenräte beim Vernichtungsprozeß und um die Überlebenden.
Im Teil 'Zuschauer' beschreibt der Autor das Verhalten der scheinbar unbeteiligt Danebenstehenden, der kleinen und großen Gewinnler des Judenmordes, die z.B. Wohnungen und Arbeitsplätze übernahmen. Angesprochen wird auch das fragwürdige Verhalten der Staatenwelt, des Roten Kreuzes und anderer humanitärer Organisationen, nicht zuletzt das der Kirchen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
53 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wer sich ernsthaft mit dem Holocaust beschäftigt, kommt an Raul Hilberg nicht vorbei. Der inzwischen emeritierte Professor der Universität Burlington (Vermont, USA) ist ausgewiesener Kenner der umfangreichen Quellen, die die Nationalsozialisten zurückgelassen haben. In "Vernichtung der europäischen Juden", das erstmals 1961 erschien, seitdem aber überarbeitet wurde, arbeitet er detailliert und quellennah die Struktur und Wirkungsmechanismen des Holocaust heraus. Dabei geht er zunächst auf die historische Einbettung des Holocaust in die jahrtausende alte antisemitische Tradition der europäischen Kultur ein. "Wir können diese Entwicklung in den drei aufeinanderfolgenden Zielsetzungen antijüdischer Amtswalter nachvollziehen. Die Missionare des Christentums erklärten einst: Ihr habt kein Recht, als Juden unter uns zu leben. Die nachfolgenden weltlichen Herrscher verkündeten: Ihr habt kein Recht unter uns zu leben. Die deutschen Nazis schließlich verfügten: Ihr habt kein Recht, zu leben." (S. 15) Anschließend zeigt er auf, in welchen Stadien der Vernichtungsprozeß verlief, nämlich "Definition", "Konzentration" und "Vernichtung". Dabei zeigt er auf, daß die gesamten Führungseliten des Deutschen Reiches aus Staatsverwaltung, Industrie und Wehrmacht an der Vernichtung beteiligt war und profitierte. Und er zeigt weiterhin die Beteiligung der mittleren und unteren Verwaltungsschichten auf, ohne deren bedingslose und nahezu hingegungsvolle Aufgabenerfüllung der Holocaust nicht hätte stattfinden können. Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der sich mit der Frage "Wie und Warum" des Holocaust auseinandersetzen möchte. Die dreibändige Taschenbuchausgabe ist zudem zu einem sehr günstigen Preis erhätlich.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Den nationalsozialistischen Völkermord zu begreifen, ist fast unmöglich, schrieb Raymond Aron. Die erschreckenden und nach Millionen zählenden Opferzahlen bleiben wie alle Zahlen ohne emotionales Echo. Und allein die Aneinanderreihung von Einzelschicksalen kann die Gesamtschau nicht ersetzen. Es ist die große Leistung des vorliegenden Buches beide Perspektiven so miteinander zu verbinden, dass sich für den Leser zum ersten Mal ein Gesamtbild des großen Verhängnisses ergibt, dass vor gerade erste einmal 60 Jahren über die europäische Judenheit hereinbrach.
Der erste Teil "Täter" beginnt mit einer sehr gerafften biographischen Skizze des Haupttäters Adolf Hitlers. Denn ganz im Unterschied zur Volksmeinung, nach der die Hilterschen Paladine Göring, Himmler. Heydrich und Goebbels an allem schuld waren, war es einzig und allein Hitlers Wille, der an den Wendepunkten der Problemgeschichte, im Jahre 1938 und 1941, den Völkermord ins Rollen brachte. Aber Hitler hätte den Holocaust niemals alleine ins Werk setzen können, dafür bedurfte es einer nach Hunderttausenden zählenden Schar von Helfern - von obersten SS-Chargen über ergebenen Bürokraten und einer großen Schar charakterlich Abartiger, die ihren Dienst in den Vernichtungslagern mit sadistischer Freude versahen. Allerdings wäre der Völkermord auch nicht möglich gewesen ohne ein Volk, das - wie Hilberg immer wieder betont - so gut es ging die Augen vor dem Verschwinden einer Minderheit verschloss, die Beute wie freie Wohnungen, bessere Berufschancen oder Vermögensgewinne aber gerne mitnahm. Besonders deprimierend ist der immer aufs Neue belegte Befund, dass der humane Widerwille gegen das bestialische Töten, der selbst bei Fanatikern und Aktivisten anfänglich zu bemerken war, mit der Gewöhnung an das Morden, einfach verschwand.
Auch die mit dem Dritten Reich verbündeten Völker gehören für Hilberg in den Täterkreis, wobei die Schuld der einzelnen Völker aber erheblich differiert. Kein unterworfenes Land protestierte offen gegen den NS-Rassenwahn, viele aber wie etwa in Italien, Bulgarien, in Rumänien und auch in Frankreich - versuchten mit beträchtlichem Erfolg, ihre "eigenen" nationalen Juden vor dem Abtransport nach Osteuropa zu retten. Als ein ewiges Ruhmesblatt der dänischen Geschichte erscheint in diesem Zusammenhang die kollektive Rettungstat, die durch die Verschiffung der einheimischen Juden nach Schweden 7000 Menschen das Leben rettete.
Das Kapitel über die "Opfer" beginnt mit dem großen Teil derer, die gleich am Anfang den Machtbereich des Nationalsozialismus verließen und damit dem schlimmsten entgingen, darunter jede Menge Nobelpreisträgern und Koryphäen aus allen kulturellen Bereichen. Zurück aber blieben von den insgesamt 16 Millionen Juden weltweit immerhin sieben Millionen Juden in Europa, die im Verlaufe des Weltkrieges immer schutzloser unter die Herrschaft der Nationalsozialisten gerieten. Sechs von ihnen haben den Völkermord nicht überlebt, und die zahllosen biographischen Kurzskizzen, mit denen Hilberg diese Zahl mit Leben ( oder sollte man besser sagen: mit Tod ) füllt, wird niemand so schnell vergessen. Unter den zurückbleibenden besaßen die Halbjuden und die konvertierten Angehörigen von Mischehen in Deutschland sogar noch lange recht gute Überlebensschancen, ganz anders war es im Osten, wo man sich mit dergleichen Feinheiten gar nicht aufhielt. Vor der anrollenden Mordmaschine flüchteten Zigtausende Menschen in den Selbstmord, wobei es bald verpönt war, den Selbstmord noch vor dem Abtransport durchzuführen, weil sonst ein anderer auf die Todeslisten kam. In der ersten Phase der Gettoisierung erwiesen sich die Frauen als erheblich widerstandsfähiger, unter den Bedingungen des Lagers war dies anders, da die meisten Frauen zusammen mit den Kindern sofort selektiert und ermordet wurden. Noch schrecklicher als diese Erörterung liest sich das Kapitel über das Schicksal der Kinder, die verelendet und ohne Eltern in den Ghettos dahinvegetierten ( vgl. S. 163). Die geradezu reibungslose Funktion der Vernistungsmaschinerie aber wäre, das ist wahrscheinlich die brisanteste These des Buches, undenkbar gewesen, ohne die Mithilfe der Judenräte und der Judenpolizei in den großen Ghettos von Warschau, Lodz, Bialystok und anderswo.
Erst ganz zuletzt, als die Auslese" nur noch die Kräftigsten übrig gelassen hatte und sich jede Illusion über das wahre Schicksal der Juden verflüchtigt hatte, wurde gekämpft und opponiert. Der litauische Jude Slapoberski nahm schon nackt am Grubenrand kämpfend drei Häscher mit in den Tod( S. 199). Von den bulgarischen und rumänischen Juden überlebte ein großer Teil, weil sie sich einfach nicht mehr an den Sammelstellen einfanden und die Deutschen nicht die Kapazitäten besaßen, sie überall im Land zu suchen.
Im dritten Teil "Zuschauer" thematisiert Hilberg das moralische Problem der Hilfe durch Unbeteiligte, wobei er zwischen einer beiläufigen Hilfe und einer aktiven Unterstützung von Flüchtlingen unterscheidet. Schrecklich zu lesen, dass sieben protestantische Landeskirchen im Ditten Reich die sogenanten "Judenchristen", d. h. konvertierte Christen, aus ihrer Kirche in der Stunde der Verfolgung ausschlossen. Es gab aber Unbeteiligte wie den heldenhaften Berliner Bischof Bernhard Lichtenberg, der seinen Protest gegen das Massenmorden mit dem Tod bezahlte. Obwohl Boten" aus dem Innern des Regime wie aus den unterworfenen Völkern über das Rote Kreuz und die Schweiz die Alliierten früh über die unglaublichen Dimensionen des anlaufenden Holocaust unterrichteten, unterblieb eine gezielte Bombardierung der Vernichtungslager. "Für die Alliierten war die Rettung der Juden kein vordringliches Problem", kommentiert Hilberg. Herbe Kritik trifft auch die katholische Kirche und Papiost Pius XII, der in seiner Weihnachtsbotschaft 1942 nur sehr verblümt von Massenverfolgungen gesprochen und die Nazi-Täter nicht beim Namen genannt habe. Hillberg unterschlägt bei seiner harschen Kritik an Papst Pius XII allerdings , dass der Papst 1943, als die Deutschen in Rom die Juden jagten, anordnete, die Tore der Klöster zu öffnen um flüchtenden italienischen Juden zu verstecken.
Alles in allem kann man dieses Buch nur mit Erschütterung lesen. Die Kombination von soziologischer Analyse und konkreten Fallbeispielen verhindert jede Immunisierung des Lesers gegen die Sachverhalte und verwandelt die Lektüre fast in ein Schmerzerlebnis. Ein großartiges und notwendiges Buch, zu dessen Pflichtlektüre man jedem Rechtsradikalen verdonnern sollte.
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13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Böse ist überall 5. Januar 2007
Format:Taschenbuch
Wer sich mit der Geschichte des Holocaust beschäftigt, kann sich einer starken Aversion gegen "die Deutschen" meist kaum erwehren. Dies gilt selbst für heutige Deutsche, wobei sich deren Gefühle meist gegen Deutsche einer älteren Generation richten und auch Scham über die Verbrechen des eigenen Volkes, gar der eigenen Väter und Großväter, enthalten. Beides ist, so verständlich es insbesondere in Fällen eigener Betroffenheit sein mag, zu kurz.

Denn es darf nicht übersehen werden, dass Menschen zu allen Zeiten zu Vernichtungsorgien fähig waren und diese auch ausgelebt haben. Angesichts der sich ständig fortentwickelnden Vernichtungsmittel ist daher zu befürchten, dass der - ob seines Ausmaßes und der Art seiner Durchführung auch "industriell" genannte - Massenmord an den europäischen Juden nur der einstweilige Höhepunkt menschlichen Vernichtungswillens ist.

Aversion gegen einzelne Protagonisten der Geschichte, seien es auch, wie im Falle der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, Zehntausende, ist eine verständliche Art mit einer derartig unverständlichen Verganhenheit umzugehen. Für die Zukunft greift dies jedoch zu kurz. Vielmehr ist ständige Wachsamkeit und eine gesunde Skepsis gegenüber der menschlichen Natur, die so viel Böses hervorbringen kann, angezeigt.

Diese Skepsis sollte sich in offene Ablehnung bis hin zu Feindseligkeit wandeln, wo immer Einzelne aufgrund eigener Ideologie Ursprung eines gegen Menschen gerichteten Vernichtungswillens werden könnten. Skepsis und Ablehnung sollten sich auch gegen den Typus des obrigkeitsgläubigen, fleißigen Beamten richten, der, blind für übernormative Ethik, in Abwesenheit einer eigenen, belastbaren Moral, aus Karrieredenken gepaart mit persönlicher Feigheit oder aus anderen, gleich welchen "niedrigen" Beweggründen, Träger und Umsetzender eines solchen Vernichtungswillens werden könnte.

Hannah Arendts "Banalität des Bösen" gibt es, allen ihren Kritikern zum Trotz. Und wer weiß schon, welchen Namen Adolf Eichmann heute trägt und in welcher Behörde oder in welchem Büro er gerade beflissentlich und gewissenhaft seiner unauffälligen Tätigkeit nachgeht?
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