Der Jugendroman "Täglich die Angst" beschäftigt sich mit der Misshandlung eines Jungen durch seine Mitschüler. Thorsten wird nicht nur von einem Einzelnen gequält, sondern von seiner ganzen Klasse. Nur Anna, ein Mädchen dem er Nachhilfe gibt, steht zu ihm. Annika, eine Mittäterin, erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Zusammen mit ihren beiden Freundinnen Katinka und Lisa ist sie dafür verantwortlich, dass Thorsten am liebsten nicht mehr in die Schule gehen würde. Abgesehen davon, dass sie zusammen mit Katinka und Lisa Thorsten misshandelt und Sachen anderer Leute für Geld verkauft, ist Annika ein ganz normaler Teenager: Mit ihren Eltern versteht sie sich nicht, Alkohol würde sie am liebsten den ganzen Tag lang trinken, und warum, bitteschön, muss sie in die Schule gehen? Die Lehrer kümmern sich sowieso nicht um sie und mischen sich in Sachen ein, die sie nichts angehen. Denn in Annikas Augen geht es niemanden an, was sie mit Thorsten macht.
Als die drei Freundinnen nach einem weiteren Übergriff auf Thorsten seltsame SMS bekommen, ängstigt Annika sich. Denn eigentlich ist das alles nur Katinkas Idee und eigentlich macht sie auch nur mit, weil Katinka es so möchte. Annika braucht unbedingt jemanden, mit dem sie über ihre Probleme reden kann und da bietet sich der mysteriöse Kenny" aus dem Chat an. Doch dann verschärft sich die Lage plötzlich und aus dem bösen Spiel wird bitterer Ernst.
Anders als in vielen anderen Büchern zu diesem Thema ist diese Geschichte nicht aus der Sicht des Opfers geschrieben, sondern aus der Sicht einer der Täterinnen. Das Buch von Manfred Theisen ist eine interessante Auseinandersetzung damit, was in Menschen vorgeht, die andere mobben. Es geht darum, warum man so etwas tut und was Menschen dazu bewegt, bei so etwas mitzumachen, auch wenn sie es eigentlich nicht wollen. Das Phänomen Gruppenzwang wird in diesem Zusammenhang behandelt. Es geht somit auch um die Hilflosigkeit des Einzelnen gegenüber einer größeren Gruppe und über die Machtlosigkeit von Eltern und Lehrern. Außerdem wird thematisiert, wie es in manchen Schulen wirklich zugeht, denn Mobbing gibt es an fast jeder Schule.
Meiner Meinung nach gibt das Buch einen genialen Einblick in das Leben eines Teenagers, der sich mit Dingen wie Mobbing auseinandersetzen muss. Manchmal weiß man nicht mal, ob man die Hauptperson verstehen oder für das, was sie denkt und tut, verachten soll. Ich würde jedem empfehlen, das Buch zu lesen.