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Die technischen Möglichkeiten lassen leicht vergessen, dass sie gutes Handwerk nicht ersetzen. Im Gegenteil, nur wer die Pflicht beherrscht, kann auch in der Kür punkten und zur Verfügung stehende Hilfsmittel passend einsetzen.

Da der Autor als Regisseur und Drehbuchautor arbeitet, kennt er die verschiedenen Standpunkte vor und hinter der Kamera aus der eigenen Praxis. Und wie er im Vorwort schreibt, sind ihm die gängigen Fachbücher ebenfalls nicht unbekannt. Nur hat er offenbar nie eines in den Händen gehabt, das seinen Ansprüchen gerecht wurde. Daher verfasste er ein eigenes Werk.

Sein praktischer Leitfaden ist ausdrücklich für Hobbyfilmer und werdende Filmschaffende gedacht. Zum erweiterten Kreis der Zielgruppen gehören Profis, die herausfinden wollen, warum eine Szene nicht so beim Zuschauer ankam, wie sie es erhofft hatten. Und Schauspieler, die sich schon gefragt haben, warum ihnen der Kameramann seine Mühle unbedingt in den Weg stellen musste, finden nach der Lektüre eher Antworten darauf.

Ebenfalls im Vorwort steht, dass die szenische Auflösung eines Films ein kreativer Vorgang ist, der nicht nur dem persönlichen Geschmack eines Regisseurs oder Kameramanns unterliegen sollte. Zudem fordert Heiko Raschke seine Leser ausdrücklich dazu auf, die beiden Übungen zu Beginn des Buches auch wirklich auszuführen.

Ohne „Floorplan“ zu arbeiten, kostet in der Regel viel Zeit und Kraft. Daher ist das erste Kapitel gleich diesem Werkzeug gewidmet. Dem Leser steht es natürlich frei, eigene Symbole zu kreieren und zu verwenden. Aber es spricht auch vieles dafür, die gängigen und im Buch abgebildeten Zeichen zu übernehmen.

Nach den angekündigten Übungen folgt ein Kapitel über Wahrnehmung, in dem auch Unterschiede zwischen Kino, Fernsehen und mobilen Endgeräten erklärt werden. Das vierte Kapitel ist beispielhaft für eine der wenigen Schwächen dieses Buches. Denn Heiko Raschke ist so in seiner Materie drin, dass er manchmal vergisst, Laien frühzeitig mitzunehmen. So wird das Fremdwort „Proxemik“ erst zweieinhalb Seiten nach seinem erstmaligen Auftauchen in der Kapitelüberschrift erklärt. Zudem wurde dieser Fachbegriff auch nicht in das Glossar am Schluss des Buches aufgenommen. Gemeint ist damit übrigens das Raumverhalten als Teil der nonverbalen Kommunikation.

Das fünfte Kapitel widmet sich den Objektivbrennweiten, die einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung eines Filmbildes haben. Als das Salz in der Suppe bezeichnet der Autor die Kamerabewegungen, auf die er im sechsten Kapitel detailliert eingeht. Und was Filmprofis unter der dritten Dimension verstehen wird danach erläutert.

Der filmische Raum ist zwar ein komplexes Gebiet, wird aber auf wenige Seiten so gut erklärt, dass der Leser zumindest die wichtigsten Punkte mitbekommt. Und bevor Heiko Raschke im letzten Kapitel mögliche Lösungen für die Übungen gibt, geht er noch auf Strategien ein, um einem Drehbuch auf Papier Gefühle einzuhauchen. Glossar, Abkürzungsverzeichnis und ein Register bilden den Schluss.

Mein Fazit: Heiko Raschkes Zielgruppe der Hobbyfilmer würde sich wahrscheinlich noch mehr Übungen wünschen, um den Erfahrungsvorsprung des Autors etwas zu verkleinern. Denn obwohl es Raschke meistens gelingt, sein Praxiswissen anschaulich weiterzugeben, fragt man sich zumindest unbewusst, wo sich die Fallgruben befinden und wie man sie umgeht. Aber vielleicht erhält er so viele Anfragen, dass er in der nächsten Auflage mehr Übungen einbaut. Wenn nicht, würde ich dann nur vier Bewertungssterne vergeben.
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am 9. August 2015
Ich bin bei Büchern, die keine oder nur eine Bewertung haben immer skeptisch. Da der Autor aber offenbar weiß wovon er schreibt und es zu dem Thema bisher nichts vernünftiges in Buchform gibt, habe ich es drauf ankommen lassen.

Sympathisch fand ich schonmal, dass gleich im Untertitel deutlich wird, dass es bei wirkungsvoller szenischer Auflösung auch ums (systematische) erarbeiten geht und eben nicht nur um Bauchgefühl und Intuition.

Gerade Profis werden hier zwar vieles wiederfinden, was sie vielleicht schon kennen, aber meiner Meinung nach ist das Buch eben nicht nur was für Hobbyfilmer. Jeder kann nützliche Tipps und Tricks daraus mitnehmen - darüber hinaus liest es sich sehr angenehm und eignet sich zum schnellen Nachschlagen, falls man mal etwas neues ausprobieren will. Ich habs jedenfalls nicht bereut.
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