Seit fast drei Jahrzehnten waren Ingmar Bergmans Filme bei Kritikern und einem ausgewählten, kleinen Publikum eine überaus begehrte Kinokost, doch erst im Jahre 1973 sollte der schwedische Meisterregisseur auch bei einem Millionenpublikum ankommen. Dass "Szenen einer Ehe" zu seinem bekanntesten Werk werden sollte, ist hauptsächlich dem Medium des Fernsehens zu verdanken, das den Film als sechsteilige Serie mit einer Gesamtlänge von fast 5 Stunden ausstrahlte und damit Millionen von Zuschauern vor den Bildschirm lockte. Für Bergman war es anfangs eine völlig unbekannte Erfahrung, allabendlich ein Massenpublikum als Rezipienten seines Werkes anzutreffen. Der Film findet vor allem deshalb so nachdrückliche Zustimmung, weil Bergman mit gewissenhafter Akribie alle möglichen Etappen einer Ehekrise mit anthropologischer Kennerschaft und nicht selten verhaltener Ironie vorführt, wozu das pointierende Spiel Liv Ullmanns und Erland Josephsons nachdrücklich beitragen.
Zu Beginn treten Marianne und Johan als scheinbar glückliches und harmonisch zusammenlebendes Ehepaar auf. Der Streit zweier verheirateter Freunde, der schließlich in einer Scheidung mündet, bleibt jedoch auch für ihre Beziehung nicht ohne Wirkung. In zunächst latenten Andeutungen und später immer offeneren Auseinandersetzungen zeigt sich, dass seit langer Zeit nie ausgetragene Konflikte die Ehe unterschwellig belastet haben. Zu einem endgültigen Bruch kommt es, als Johan eine 23jährige Studentin kennen lernt und überlegt, einen Auslandslehrauftrag anzunehmen. Nach quälenden Diskussionen, die an den Rand der Selbstzerfleischung führen, entschließen sich beide zur Trennung, ohne jedoch in den kommenden Jahren ganz voneinander loskommen zu können.
"Szenen einer Ehe" war von Beginn an als Fernsehfilm konzipiert worden und entstand mit einem bescheidenen Budget von 300000 Euro. In Deutschland erlebte der Film seine Erstaufführung zuerst im Kino, in einer gekürzten Fassung mit einer Laufzeit von 163 Minuten. In Schweden waren die Fernsehzuschauer von dem Ehedrama so gebannt, dass die Straßen und Plätze während der jeweiligen Sendetermine wie ausgestorben wirkten. Der Film wurde neben dem Skandalstreifen
Das Schweigen zum erfolgreichsten Werk in Bergmans Karriere.