System, systemischer, SySt!
Regeln und Bedingungen für eine topographische Grammatik der Lösung - Insa Sparrers neues Standardwerk "Systemische Strukturaufstellungen"
Vereinzelt noch hört man Klagen über die "Mode" Aufstellungen, meist aus erfahrungsfreiem Munde. Die Methode hat längst Einzug gehalten in die Veränderungsarbeit und eröffnet hier unentbehrliche Perspektiven. So wie man schon seit hundert Jahren mit dem Unbewussten arbeitet, ohne zu wissen, wo es im Körper zu lokalisieren wäre, arbeitet man heute erfolgreich mit transindividuellen Wahrnehmungen, ohne sie wissenschaftlich verorten zu können. Nur die Unkundigen wundern sich über den Schulenstreit, der in der Natur aller jungen Disziplinen liegt, und die Naiven wünschen sich ein Lehrbuch, um endlich zu erfahren, wie "es" wirklich ist. Nun, selbst Lehrbücher der Psychologie werden innerhalb der Branche nie unumstritten bleiben. Dieser Tage erscheint das neue Buch einer der kreativsten VertreterInnen ihres Faches, Insa Sparrer, mit dem schlichten Titel "Systemische Strukturaufstellungen". Wegen der Klarheit in Sprache und Darstellung und dem Überblick, den es zu den Wurzeln, der Entwicklung und den Formaten Systemischer Strukturaufstellungen bietet, hat das Buch alle Aussichten, schnell zu einem Standardwerk zu werden.
Auf knapp sechzig der insgesamt zweihundertvierzig Seiten legt Insa Sparrer die Denktraditionen offen, die den von ihr und Matthias Varga von Kibéd entwickelten Systemischen Strukturaufstellungen zugrunde liegen, und diese Kapitel tragen durchaus dazu bei, dass 'das Verstörende' nicht mehr ganz so beirrend daherkommt. Spencer-Browns Begriff der Unterscheidung, Charles Sanders Peirces Zeichentheorie, Wittgensteins Bildtheorie und Korzybskis Modelltheorie stellen neben der gesamten Arbeit Steve de Shazers die praktische und philosophische Basis dar, um die Systemischen Strukturaufstellungen als eine Sprache zu verstehen, zu entwickeln und anzuwenden. Die SySt lassen sich aber auch als ein hypnotherapeutisches Verfahren verstehen, wozu nicht nur Ericksons Konzept der Mehrdeutigkeit Anlass gibt. Die körperliche Wirkung, die Worte - beispielsweise in rituellen Sätzen - auslösen können, oder das Vermitteln neuer Erfahrungen, sind Parallelen, die Insa Sparrer betont. Wahrnehmungen, die Repräsentanten während Aufstellungen haben, weisen erstaunliche Ähnlichkeiten mit den Ericksonschen Trance-Phänomenen auf, von denen Stephen Wolinsky behauptet, dass sie eben nicht nichtalltäglich seien: Altersregression, Amnesien, posthypnotische Suggestionen, Zeitverzerrung oder Identitätstrancen sind Formen einer eingeengten, geschrumpften Aufmerksamkeit, die während einer Aufstellung auftreten, aber auch Tag für Tag im ganz normalen Leben.
Im Hauptteil des Buches erklärt Insa Sparrer die wichtigsten Formen der Systemischen Strukturaufstellungen - wie die Tetralemmaaufstellung, die lösungsfokussierte Systemische Strukturaufstellung, die Aufstellung des ausgeblendeten Themas oder die Glaubenspolaritätenaufstellung - und fügt Mitschriften mehrerer Aufstellungen bei, die die Formate anschaulich machen. Ein Ersatz für eigene Erfahrungen, gar für eine Ausbildung kann dieses Buch selbstverständlich nicht sein, ein guter Begleiter schon.
Wie genau Aufstellungen ihre unbestreitbaren Wirkungen auf Klienten und deren Systeme entfalten, kann auch Insa Sparrer uns nicht verraten, aber - so Matthias Varga von Kibéd - "die Konsequenzen davon sind enorm, und ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich in einem Leben bewältigen lassen."