Es ist schwierig, die Aussagen eines Theologen auf einen Nenner zu bringen. Gerade in sytematischer Theologie herrscht doch eine große Freiheit. Die Ergebnisse sind nicht so streng methodisch prüfbar wie in der Exegese, erst recht ist es schwierig, objektive Kriterien für die Wahrheit oder Falschheit einer systematischen Theologie zu finden. Umso wichtiger ist es jedoch, einen Überblick über das Gesamtwerk eines Theologen zu bekommen, dessen grundsätzlichen Ansatz erfahren zu können. Denn in der systematischen Theologie geht es meist um das Ganze der Theologie, während Exegeten mehr Detailarbeit an einem Stück Theologie leisten. Wird von "Richtungen", "Schulen" gesprochen, sind es systematische Erwägungen, die zur Schulbildung beitragen. Über Denker, Schulen und Wirkungen älterer Theologen sind zahlreiche gute Werke erschienen. Aber selbst "Programme der Theologie" von F.W. Kantzenbach, das meiner Kenntnis und meiner Meinung nach kompakteste Kompendium der Theologierichtungen der letzten Jahrhunderte, reicht nur bis Gerhard Ebeling und Wolfhart Pannenberg. Das Werk der gegenwärtig lehrenden Systematiker ist oft noch zu unvollständig, um endgültige Aussagen treffen zu können. Gleichwohl ist es hochinteressant, über einen theologischen Lehrer kurzgefaßt zu erfahren, was er denkt. Der Zugriff auf die Originalwwerke ist so umfangreich, daß das vorgelegte Buch eine klaffende Lücke schließen muß. Daß ist gelungen, und auch die Tatsache, daß die Systematiker in Selbstdarstellungen schreiben, ist löblich, schließt es doch Polarisierungen und Schubladendenken aus und verhindert, daß die Meinung der Herausgeber anstelle der der Systematiker zu stehen kommt. Gleichzeitig liegt hier aber auch die große Schwäche: Eine Reihe von Beiträgen ist so stark biographisch gefärbt und so wenig inhaltlich konkret, daß ich mich oft nicht viel schlauer als vorher fühlte. Das Buch ist es wert, zur Hand genommen zu werden, ein Kompendium der Theologie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht aber noch aus. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)