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Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine politische Organisationsanalyse
 
 
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Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine politische Organisationsanalyse [Gebundene Ausgabe]

Karin Orth
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 396 Seiten
  • Verlag: Hamburger Edition; Auflage: 1. Aufl. (12. Oktober 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3930908522
  • ISBN-13: 978-3930908523
  • Größe und/oder Gewicht: 23,2 x 16,2 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 714.096 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 13.09.2000
Zwar äußert Jürgen Zarusky einige Einwände in der Besprechung dieses Bandes. Aber dennoch weiß er das Buch summa summarum als "wichtigen Forschungsbeitrag" zu würdigen, insbesondere deshalb, weil hier die Konzentrationslager nicht – wie sonst häufig – isoliert betrachtet würden, sondern ein Blick auf die Zusammenhänge im Hintergrund geworfen werde. Orth geht, wie der Leser erfährt, auf die verschiedenen Funktionen der Lager und deren Veränderungen bzw. die Systematisierung während der nationalsozialistischen Herrschaft bzw. des Krieges ein. In einzelnen Punkten widerspricht Zarusky der Autorin, etwa dort, wo sie behauptet, auch im KZ Dachau seien "marschunfähige Häftlinge" gegen Kriegsende ermordet worden. Insgesamt scheint er jedoch mit Orths Studie zufrieden zu sein. Lediglich die Beschränkung auf den "rein organisationsgeschichtlichen Ansatz" und ihre "sehr nüchterne und oft abrisshaft gehaltene Darstellung" findet er nicht ganz so gelungen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

»Die thematisch größer angelegte Studie Orths ist aus einer Arbeit an ihrer Gruppenbiographie erwachsen. Hier wird deutlich und dies erscheint als eines der wichtigsten Ergebnisse dieser profunden Studie -, dass selbst die Geschichte des KZ-Staats zunächst offen gewesen ist.« (Christian Hartmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension 11. März 2004
Von Puente
Format:Taschenbuch
Die nationalsozialistischen Konzentrationslager sind ein blutiges Zeichen der Willkür und des Terrors der Nazi-Herrschaft. Juden, politische Gegner, Asoziale, Zigeuner und andere Minderheiten die nicht in das Bild des Regimes passten, wurden verhaftet, gefoltert und zu tausenden getötet. Die Zahl der Fachliteratur über diese Schreckenszeit ist sehr groß, doch zu wenig wissen wir über die eigentlichen Mechanismen und Funktionsstrukturen des NS-Regimes, speziell die der nationalsozialistischen Konzentrationslager.

Karin Orth nimmt sich genau dieser Thematik an und versucht in ihrem Werk die verschiedenen Entwicklungsphasen, Funktionsweisen und Widersprüche des KZ-Systems aufzuzeigen. Das KZ-System wird von Orth neu definiert. Die Grundlagen ihrer Forschungsarbeit sind die Akten der KZ-Kommandanturen, die Berichte von überlebenden Häftlingen und Akten von Straf- und Ermittlungsverfahren gegen Täter des NS-Regimes.

Für Orth ist die organisatorische Einteilung der nationalsozialistischen Konzentrationslager unter die „Inspektion der Konzentrationslager" (IKL) von großer Bedeutung. Sie schildert klar und übersichtlich die unterschiedlichen Zeitabschnitte der Entwicklung des KZ-Systems.

Entgegen dem bisherigen Forschungsstand, die von drei Phasen der Entwicklung des KZ-Systems ausging (1933-1936, 1936/37-1942, 1942-Kriegsende), unterscheidet Karin Orth sechs Phasen.

In der ersten Phase (1933/34) der „früheren Lager" wurden vornehmlich politische Gegner des NS-Regimes verfolgt und arretiert. Ziel war in erster Linie die Zerschlagung der organisierten Arbeiterbewegung. Diese Phase war eine erste „Säuberungsaktion" und diente in erster Linie der Verankerung der Macht der Nationalsozialisten.

In der zweiten Phase (1934/35) richtet Orth die Aufmerksamkeit auf die Zentralisierung des KZ-Systems und den Machanspruch Heinrich Himmlers über die Polizei und die Lager. Gleichzeitig wurde die „Schutzhaftrichtlinie", welche die Schutzhaft im gesamten Reich einheitlich regelte, erlassen.

Die dritten Phase (1936-September-1939) behandelt die Entstehung eines Systems der Konzentrationslager. Die Eröffnung des Lagers Sachsenhausen markierte diese Entstehung und erwies sich in der Folgezeit als Muster- und Leitlager. Folglich werden die Lager Dachau, Mauthausen, Flossenburg, Buchenwald, und Ravensbrück errichtet.

Phase vier (September 1939 bis 1941/42) ist von der ersten Kriegshälfte geprägt. Gleichzeitig mit der Expansion des KZ-Systems kommt es zu einem Wandel in der Häftlingsstruktur. Himmler sichert sich auch hier die Verfügungsgewalt über die Konzentrationslager und deren Wachpersonal.

Die Phase fünf (1942 bis 1944) ist durch Völkermord und Zwangsarbeit charakterisiert. Die „Aktion 14f13" und das Euthanasieprogramm „T4" prägen den Anfang dieses Abschnitts. Die IKL übernimmt hierbei partiell die Tätigkeit der Ärzte. Opfer sind die europäischen Juden, die zu tausenden in den Konzentrationslagern vergast, „abgeimpft", erschossen und „tot gebadet" werden. Viele dieser Exekutionen werden als medizinische Untersuchungen getarnt, um den Häftling in „aller Ruhe" zu töten. Andere Häftlinge müssen Zwangsarbeit in der Kriegs- und Rüstungswirtschaft leisten. Das vorrangige Ziel des NS-Regimes, die KZ-Häftlinge zu töten wird kurzzeitig unterbrochen, um ihre Arbeitskraft an fremde Nutznießer (IG-Metall, Heinkel Werke usw.) zu verkaufen. Dies sind jedoch für die Häftlinge keine lebensrettenden „Unterbrechungen", sondern nur tausende aufgeschobene Todesurteile. Die Bestrebungen Himmlers die Rüstungsanlagen direkt in die Konzentrationslager zu verlegen, schlugen wegen des Widerstandes Albert Speers fehl. Speer fürchtete den Einflussbereich über die Produktionsstätten zu verlieren.

Orth beschreibt sehr klar die SS, speziell Heinrich Himmler, der vom Programm der Vernichtung der europäischen Juden gerne abkam um mit Hilfe genau dieser Menschen seine machtpolitischen und wirtschaftlichen Ziele auszubauen und zu festigen. Diese Motivationslagen soll man aber nicht als Widerspruch sehen, sondern sie in Verschränkung betrachten.

Die sechste und letzte Phase ist der Zeitpunkt der „Evakuierung" der Konzentrationslager, die im Frühjahr 1944 begann und sich bis Anfang Mai 1945 erstreckte. Es kommt zur Auflösung der KZ Auschwitz, Groß-Rosen und Strutthof und schließlich zur Räumung der KZ im Inneren des Reiches. Blutiges Zeichen dieser Räumung sind grausame Todesmärsche auf denen tausende Menschen sterben und die Exekutionen „missliebiger Gefangener".

Karin Orth hat mit ihrem kompakten und detaillierten Buch geschafft, die Geschichte des nationalsozialistischen KZ-Systems Schritt für Schritt nachzuvollziehen. Ihr Buch stellt eine wichtige Lektüre für jeden Studenten und Interessierten dar und sollte in keiner Bibliothek fehlen.

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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die fehlenden Lager 23. August 2003
Format:Taschenbuch
Die sehr eingehende Untersuchung der Autorin zum Thema der Entwicklung der Konzentrationslager im Dritten Reich überrascht den Leser durch eine erstaunliche Lücke. So interessant es auch für einen Historiker sein mag, Einzelheiten zur Organisation und Funktionsweise der Lager herbeizutragen, die Persönlichkeiten der Lagermannschaften näher zu betrachten, oder die äußeren Einflüsse auf den Betrieb der Lager zu untersuchen, der Leser sieht sich irgendwo in seiner Hoffnung getäuscht, hier endlich eine klare Aussage hinsichtlich der Vernichtungslager in Ostpolen zu finden, in denen ja die Ausrottungspolitik des NS-Regimes ihren traurigen Höhepunkt finden sollte.

Karin Orth nennt zwar die Namen dieser Lager, die wir alle kennen - Belzec, Treblinka, Sobibor usw. - und erwähnt im Text, dass dort (innerhalb von kaum einem halben Jahr) zwei Millionen Menschen ermordet wurden, unterläßt es aber aus einem für den Nicht-Fachmann unverständlichen Grund, diese Lager in ihr Buch aufzunehmen und näher zu beschreiben. Sie führt sie auch nicht in ihrer zusammenfassenden Tabelle der KZ-Opfer auf. Schon mit dem „Schwarzbuch" von Ilya Ehrenburg und Wassilij Grossmann von 1946 (das in den 80er Jahren in verschiedenen Sprachen neu herauskam) sind doch vielerlei Aussagen zu diesen Lagern gemacht worden, und auch in dem von der Autorin zitierten Text von Yitzhak Arad (1987, neu aufgelegt 1999) stehen Einzelheiten, die man hätte einarbeiten können - von den deutschen Strafprozessen der 60er Jahre ganz zu schweigen.

Es wäre doch für unser Verständnis der NS-Politik - soweit es überhaupt eine solche gab - durchaus wesentlich, wenn man die pauschale Vernichtung jüdischen Lebens an diesen Orten dem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften im gesamten deutschen Machtbereich gegenübergestellt hätte, um auf diese Weise den Irrwitz solcher Taten zu demonstrieren. Man versteht auch die Systematik der Verfasserin nicht, wenn sie einerseits (S. 343) ausführt, dass in den Vernichtungsstätten „etwa zwei Millionen starben", andererseits, vier Seiten weiter, angibt „die SS tötete die meisten Menschen zweifellos in den beiden Vernichtungslagern Auschwitz-Birkenau und Majdanek". Es scheint da eine feine Unterscheidung zwischen Vernichtungsstätten und -lagern gemacht zu werden, die dem Leser entgeht.

Nun eine grundlegende Arbeit über System und Entwicklung der Konzentrationslager vorliegt, ist vielleicht zu hoffen, dass diese Lücke in einem späteren Werk mit der gleichen Akribie gefüllt wird, die den vorliegenden Text auszeichnet.

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