Kurzbeschreibung
Autor und Regisseur Stephen Gaghan hat mit Traffic Macht des Kartells den Drehbuch-Oscar gewonnen jetzt präsentiert er den Politthriller Syriana über Intrigen und Korruption im weltweiten Ölgeschäft: Von den Playern, die in den Hinterzimmern von Washington ihre Deals einfädeln, bis zu den Arbeitern auf den Ölfeldern am Persischen Golf verwebt der Film zahlreiche Erzählstränge und demonstriert so die Konsequenzen für die Menschen in einer Welt, in der es ausschließlich um Geld und Macht geht. Die Intrige entwickelt sich vor dem Hintergrund eines der Ölförderländer, in dem der junge, charismatische und reformwillige Prinz Nasir (ALEXANDER SIDDIG) die seit langem bestehende Verstrickung mit den amerikanischen Geschäftsinteressen auflösen möchte. Gerade hat Thronfolger Nasir die Erdgas-Bohrrechte die bisher der texanische Energie-Gigant Connex innehatte aufgrund eines höheren Angebots den Chinesen zugesprochen: ein schwerer Schlag für Connex und die US-Geschäftsinteressen in der Region. Jimmy Pope (CHRIS COOPER) hat soeben mit seiner kleineren texanischen Ölfirma Killen die hart umkämpften Bohrrechte für die begehrten Ölfelder in Kasachstan ergattert. Dadurch wird Killen für Connex äußerst interessant, denn die große Firma braucht jetzt ein neues Betätigungsfeld, um die Produktionskapazität auszulasten. Vor dem Zusammenschluss der beiden Firmen kontrolliert das Justizministerium den zu genehmigenden Vertrag, und nun soll die Washingtoner Anwaltskanzlei Sloan Whiting das Verfahren mit gebührender Sorgfalt prüfen die Kanzlei ist für ihre rigorose Ablehnung feindlicher Übernahmen bekannt....
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Blickpunkt: Film
Hollywood zeigt sich in letzter Zeit wieder verstärkt politisch interessiert, wie Filme wie 'Lord of War' oder 'Jarhead' eindrucksvoll belegen. In eine ähnliche Sparte fällt 'Syriana', der auf dem Tatsachenroman 'See No Evil' des ehemaligen CIA-Agenten Robert Baer beruht. Entsprechend ist eine der Hauptpersonen CIA-Agent Bob Barnes (souverän: George Clooney mit Bart und 15-Kilogramm-extra-Bauch). Als Spezialist im Mittleren Osten schaltet er im Auftrag der US-Regierung unerwünschte Subjekte aus. Wie im Prolog bei einem Waffendeal im Teheran, wobei ihm ein Raketenwerfer abhanden kommt. Dieser taucht gegen Ende des Films mit katastrophalem Ergebnis wieder auf, was nur einer von mehreren gewobenen Storysträngen ist, die schließlich wie in einem Perserteppich zu einem eleganten Muster vereint werden. Weitere Mitspieler dieser internationalen Intrige umfassen Chris Cooper als Vorstand des Ölkonzerns Connex, den brillanten Washingtoner Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright), den Genfer Energieanalysten Bryan Woodward (ein famos fokusierter Matt Damon), der zum Berater des progressiven arabischen Prinzen Nasir (Alexander Siddig) wird, und den entlassenen pakistanischen Ölfeldarbeiter Wasim (Mazhar Munir), der von einer radikalen moslemischen Gruppe umworben wird. Miteinander verbunden sind sie durch den Konzern Connex, der seine Bohrrechte im fiktiven arabischen Emirat von Prinz Nasirs Vater an höher bietende Chinesen verloren hat. Allerdings plant man, mit der kleineren, aber mysteriösen Firma Killen zu verschmelzen. Um diesen fragwürdigen Merger durchzuboxen, wird Holiday engagiert, der Korruptionsvorwürfe aufdecken soll und sich unter der Hand mit den Justizbehörden arrangiert. Ebenfalls verdeckt ist Barnes' Auftrag Nasir auszuschalten, der aufgrund seiner reformistischen Ansichten nicht mit der US-Regierung (und den Drahtziehern im Hintergrund) konform geht. Extreme Mittel nutzt auch Wasim, um sich gegen die ausländischen Unterdrücker aufzulehnen. Doch letztlich ändert sich trotz Menschenopfer und Positionsverlusten an den alt eingesessenen Strukturen der Macht wenig.
Gaghan gestaltet die Inszenierung seines komplizierten Skripts, das rapide im Zickzack-Verfahren zwischen Protagonisten und Locations wechselt, vorrangig mit kühlem Kopf. Die Story erweist sich als ergiebige Informationsquelle voller vertrackter Hintergründe und Zusammenhänge, gerne hätte man dabei vielleicht noch etwas mehr über die einzelnen Figuren erfahren. So werden die emotionalen Aspekte zumeist nur kurz, dafür aber tiefgreifend angeschnitten. Besonderes Augenmerk gilt dabei vier Vater-Sohn-Beziehungen, die mit tragischen Umständen verbunden sind. Im Gegensatz zum hier als ausführender Produzent fungierenden Steven Soderbergh, der für sein ähnlich strukturiertes Epos 'Traffic' visuell stilvoll experimentierte, setzt Gaghan auf einen schnörkellosen Look. Zurückhaltung ist auch beim Soundtrack geboten, der nur vereinzelt an das hypnotisch-akustische Ambiente der Drogensaga erinnert. Insgesamt wird der ambitionierte Politthriller um das Mosaik der Macht wohl nur bedingt die Gunst des Mainstream-Publikums gewinnen, doch wer auf der Suche nach intelligenter Unterhaltung ist, wird hier bestens bedient. ara.