Hier einen Abriss der Handlung wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, denn der Film lebt von mehreren parallelen Handlungen, die zuerst unverständlich erscheinen, dann aber nach und nach ein Gesamtbild formen und zum Ende hin zusammengeführt werden.
Nun, hauptsächlich geht es um einen alternden CIA-Agenten mit Namen Bob (George Clooney), der nach einer misslungenen Aktion eine neue Chance bekommt: er soll Prinz Nasir, seines Zeichens designierter Nachfolger eines mächtigen Emirs im Libanon, töten.
Wie, warum und mit welchen möglichen Folgen, mit jenen Fragen bleibt der Zuschauer zunächst allein, um dann allmählich in den Nebenhandlungen "aufgeklärt" zu werden.
Die Darsteller, allen voran George Clooney als übergewichtiger schnuddeliger CIA-Agent mit Fehlern und Mut zur Heldendistanz, können fast ausnahmslos überzeugen. Regelrecht unspektakulär, fast sachlich und damit dem schwierigen Grundthema entsprechend, wird den Charakteren Leben eingehaucht. Viele Dialoge prägen die Arbeit der Darsteller, sie kommunizieren und handeln glaubwürdig. Auch Matt Damon als Finanzberater des o.g. Prinzen weiß zu überzeugen.
Ja, die Handlung: sie ist komplex, politisch geprägt und verlangt nach Konzentration. Diverse Charaktere, deren Verhältnis zueinander, die Nebenstränge und das politische Grundthema als solches machen es dem Zuschauer nicht leicht, durchzublicken. Hat man jedoch einmal den roten Faden aufgenommen, so bekommt man einen anspruchsvolles Polit-Drama geboten.
Handwerklich ist kaum etwas auszusetzen: die Bilder erzeugen eine authentische, bedrückende Atmosphäre, die Szenerien wirken auffallend unspektakulär und somit angemessen.
Als Fazit bleibt, dass Freunde des "schnellen" Filmes hier Abstriche machen müssen. "Syriana" gleicht vielmehr einer Mischung aus Politthriller und Drama, wenig actionlastig, nichtsdestotrotz unterhaltend und interessant. Einen Helden sucht man hier vergebens, (leider) ebenso zumindest am Anfang die klare Linie, die solch einen Film allgemeinverdaulich und verständlicher macht.
Der Film hat mir gut gefallen, da er zum Nachdenken anregt, so untypisch realistisch erscheint und gestern wie morgen aktueller ist als einem lieb sein kann.