Der heutige Synthesizermarkt ist kaum noch zu überschauen. An jeder Ecke lauern vor Mega-Features überladene Software- oder Hardwaregeräte, welche vor "neuen" Funktionen nur so strotzen und mit überwältigenden Presets überhäuft sind. Die können so auf den ersten Tastendruck zwar richtig Eindruck machen und klingen alle toll, sie vermiesen einem aber auch schnell die Lust am Gerät, da man nach einem Blick auf die überladene Oberfläche und der nur allzu trockenen 300 Seiten Anleitung schnell den Mut verliert.
Doch was steckt hinter all dieser Protzerei und ist das grundlegende Verständnis, das einen guten Sound ausmacht, wirklich so schwer zu erfassen?
Genau hier setzt "Synthesizer Programming" von Peter Gorges an. In einfachen und am mitgeliefterten Software-Synthesizer leicht nachzuvollziehenden Schritten wird der Leser an den grundlegenden Aufbau eines solchen Geräts und dessen Handhabung herangeführt. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man schon mal selber "geschraubt" hat oder zum ersten Mal überhaupt einen Synthesizer in Händen hat, alle Themenbereiche der Synthese werden hier gut und nachvollziehbar beschrieben und in einfachen Arbeitsschritten erklärt. Darüber hinaus aber führt Peter Gorges den Leser dann in die Welt der "Klanggestaltung" ein und bringt ihn Schritt für Schritt der Verwirklichung eigener Soundideen näher. Dabei wird der Leser immer wieder ermutigt, selber auszuprobieren, zu hören, zu sehen und zu erforschen.
Mir hat das Buch unheimlich viel gebracht, da ich zwar musikalische Vorkenntnisse hatte, aber außer dem obligatorischen Preset-Stepping und ein paar Zufallsprodukten aus einem Synthesizer nicht viel herauszuholen wusste.
Inzwischen ertappe ich mich dabei, wie ich an allen möglichen Knöpfen diverser Synthies drehe, deren Charakteristik und Aufbau nach den erlernten Methoden durchforste und richtig Spass dabei habe, eigene Klangideen zu entwickeln UND umzusetzen. Auch wenn ich mit Sicherheit noch nicht die Übung und die Erfahrung eines Sounddesignprofis besitze, so bin ich doch zumindest auf dem Weg dorthin. Dabei dient die Lektüre auch als hilfreiches und übersichtliches Nachschlagewerk, das ich immer wieder als Denkanstoss in die Hand nehme.
Insgesamt also ein wirklich durch und durch empfehlenswertes Buch, dass ich jedem, der sich für die Synthesizer interessiert, nur wärmstens empfehlen kann. Vorkenntnisse sind dabei keineswegs hinderlich, aber auch nicht erforderlich.
P.S.: Da der mitgelieferte "Soundforum-Synthesizer" nicht mehr auf Mac OS X Systemen läuft, der Nachfolgesynth "Soundschool Analog" jedoch die mitgelieferten .ens-Files (enthalten die Tutorial-Presets) nicht mehr lädt, habe ich mich damit kurzerhand an den Verlag gewandt. Die schickten mir dann umgehend die konvertierten und lesbaren .ssf-files per email zu. Also alles kein Problem!