Das Buch Synne, die Sünderin, in der die Autorin Susanne Nitsch über die grausame Realität im Mittelalter, um die Zeit der Reformation herum, schreibt, ist kein beschönigendes Buch. Die vier Erzählungen der Autorin nehmen keine Rücksicht auf den Wunsch des Lesers nach einem Happy-End. Ich persönlich habe in jeder der Geschichten sehr mit den Hauptdarstellern mitgelitten. Heutzutage ist es schwer, sich vorzustellen, wie sehr die Menschen, die damals in Deutschland gelebt haben, von der Angst vor der Bestrafung Gottes nach ihrem Tod, in Hölle und Fegefeuer, besessen waren. Das ganze Leben wurde von dieser religiösen Angst beherrscht. Dadurch, dass alle Menschen der Willkür der Natur und unerklärlicher Krankheiten ausgesetzt waren und es noch keine wissenschaftlichen Erklärungen und Heilungsmöglichkeiten gab, befanden sich ganze Völker in einer Art religiösen Massenpsychose. Susanne Nitsch hat sehr gut die Hintergründe ihrer Erzählungen recherchiert und gefühlvoll die Schicksale der Menschen beschrieben. Mir haben die Erzählungen wirklich sehr gut gefallen, obwohl ich nach wie vor erschüttert bin, zu welcher Grausamkeit Menschen fähig waren und es leider auch heute noch sind. Ich kann das Buch jedem und jeder zum Lesen empfehlen.