Forschungsstrategien für Gesundheit -
neue Erkenntnisse aus der Forschung Ronald Grossarth-Maticeks
Alle sind sich einig:
Die Präventivmedizin, also die medizinische Disziplin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Krankheiten noch vor ihrem klinischen Ausbruch zu bekämpfen, sollte in Forschung, Politik und Praxis und eine zentrale Rolle spielen. Krankenkassen unterstützen Prävention. Ministerien fördern präventive Forschungsprojekte. Und selbstverständlich gibt es auch im deutschen Krebsforschungszentrum Abteilungen und Arbeitsgruppen, die sich mit der Krankheitsprävention beschäftigen. Zum Beispiel die Stabsstelle Krebsprävention, die ihre Tätigkeit auf die Bekämpfung des Zigaretten Rauchens konzentriert. Es entsteht der Eindruck, dass der Krankheitsprävention in der Medizinlandschaft Deutschlands eine zentrale Bedeutung zukommt.
Doch der Eindruck täuscht! Bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass die Medizin in Wissenschaft und Therapie noch immer auf die Behandlung und Betreuung akut und chronisch Erkrankter ausgerichtet ist.
Wenn von primärer Prävention überhaupt die Rede ist, dann nur im Hinblick auf Interventionsansätze, die sich auf die Reduktion einzelner Risikofaktoren oder die Stimulierung einzelner Positivfaktoren beschränken. So gibt es beispielsweise von Krankenkassen finanzierte Raucherentwöhnungs-, Ernährungsberatungs- und Kochkurse oder Bewegungstraining. Die Effizienz solcher Maßnahmen, deren Bedeutung nicht in Frage gestellt werden soll, wurde nie in randomisierten Experimenten nachgewiesen.
Einzelne Monodisziplinen versuchen das Präventionsproblem in monokausaler Forschung zu lösen, wenn möglich mit einer Impfung gegen Herzinfarkt oder einer Pille gegen Alzheimer. Dahinter steht eine oft enttäuschte Hoffnung: Komplexen systemischen Erkrankungen könnten doch nur einige wenige Ursachen zugrunde liegen, durch deren Beseitigung bereits effektiv Prävention betrieben werden kann. Und wenn dem nicht so ist?
Könnte es nicht auch sein, dass eine große Anzahl unterschiedlicher Faktoren aus dem sozio-psycho-biologischen Bereich in komplexen Wechselwirkungen und durch Synergieeffekte zur Erhaltung der Gesundheit beiträgt oder aber chronische Erkrankungen fördert ? Könnte es nicht sogar möglich sein, dass krankheiserzeugende Wechselwirkungen mit relativ geringem Aufwand so reduziert werden können, dass dabei hohe präventive Effekte erzielt werden? Wenn dem so ist, doch sicher nur, wenn wissenschaftliche Einsicht in die entscheidenden Wirkfaktoren besteht.
Wenn nun eine sinnvolle Präventivmedizin tatsächlich eine Multi-, Inter- und Transdisziplinarität, die Einbeziehung vieler unterschiedlicher Faktoren und ihrer Wechselwirkungen in Forschungsstrategien und die Durchführung von Längsschnittstudien und randomisierten Experimenten voraussetzt? Dann ist es sowohl um die deutsche als auch um internationale Präventivmedizin schlecht bestellt!
Begeben wir uns einmal auf die Suche: Harvard-Universität, Oxford-Universität, Lomonosov Universität, Universität Heidelberg? Fehlanzeige! Nirgends ein Versuch, Forschungsstrategien zur primären Prävention durch multidisziplinäre, multifaktorielle, prospektive Interventionsstudien zu entwickeln. Nicht aufgeben, suchen wir weiter! Endlich stoßen wir auf ein jüngst publiziertes wissenschaftliches Werk:
Synergetische Präventivmedizin, Forschungsstrategien für Gesundheit - und auf seinen Autor Ronald Grossarth-Maticek.
Der Professor für postgraduierte Studien, der in Heidelberg das Programm für multidisziplinäre Forschung des Europäischen Zentrums für Frieden und Entwicklung leitet, hat die sogenannten Heidelberger prospektiven Studien durchgeführt und dabei eine umfangreiche Datenbasis zur Krankheitsentstehung und Prävention geschaffen. Ergebnisse dieses Forschungsprojekts hat er in vielen fachwissenschaftlichen Artikeln, in drei Büchern (de Gruyter-Verlag) und in der Arbeit Synergetische Präventivmedizin (Springer-Verlag) veröffentlicht.
Während seine Gegner versuchen, seine Leistungen herabzuwürdigen und ihn als umstritten darzustellen,
wird er von namhaften Wissenschaftlern hoch geschätzt. Der renommierte Mannheimer Methodologe Professor Dr. Werner Wittmann zum Beispiel würdigt die Grossarthsche Forschungsmethode im Vorwort des Buches als geeignet, in der Entwicklung der modernen internationalen Forschung in Psychologie und Epidemiologie bahnbrechende Fortschritte auf den Weg zu bringen.
Grossarth-Maticek habe eine Datenbasis geschaffen, an der keiner mehr vorbei komme. Zweifel fegt er beiseite: Eine solch komplexe Datenbank sei absolut Fälschungs- und Manipulationssicher.
Schließlich liegt es stark im Interesse der Gesellschaft, dass die Krankenkassen Behandlungskosten einsparen können, und zwar nicht wie bisher, indem Ärzte in ihrer Handlungsfreiheit beschnitten werden, nicht indem Behandlungen entweder qualitativ reduziert oder den Patienten privat auferlegt werden, sondern indem ein erheblicher Teil der bekanntlich äußerst kostenintensiven Behandlungen schwerer chronischer Erkrankungen gar nicht mehr erforderlich sein wird. Denn die Prävention kann auf der von Grossarth-Maticek und seinem Institut erarbeiteten wissenschaftlichen Grundlage so effektiv werden,
dass viele chronische Erkrankungen nicht mehr in der bisherigen Häufigkeit auftreten.
Grossarth-Maticek konzentriert sich bei seiner Forschung auf die Entstehung von Bronchial-, Pankreas- und Mamakarzinom, Herzinfarkt, Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson. Er berücksichtigt aber auch eine Vielzahl anderer entsprechend schwerer und in der Behandlung äußerst kostenintensiver Erkrankungen.
In Bezug auf die Krankheitsentstehung berücksichtigt er eine große Anzahl physischer und psychosozialer Wirkfaktoren. Er erforscht die Zusammenhänge zwischen einzelnen Risikofaktoren und dem Ausbruch der oben genannten Krankheiten bzw. zwischen Positivfaktoren und dem Erhalt der Gesundheit bis ins hohe Alter, er berücksichtigt jedoch ebenfalls Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen gesundheitsfördernden oder krankheitserzeugenden Faktoren und beobachtet interessante psychophysische Synergieeffekte. Von Synergieeffekten spricht er, wenn der Effekt eines Faktors von der Ausprägung eines anderen abhängt. Der Effekt eines physischen Faktors kann in Bezug auf die Entstehung einer chronischen Erkrankung von der Ausprägung eines psychosozialen Faktors abhängig sein und umgekehrt.
Zu den physischen Risikofaktoren zählt Grossarth-Maticek unter anderem die familiäre Disposition für bestimmte Krankheiten, Fehlernährung, Kaffee-, Zigaretten- und Alkoholkonsum, während der Verzicht diese und andere auf Drogen, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung u. a. physische Positivfaktoren sind.
In Hinblick auf die psychosozialen Risiko- bzw. Positivfaktoren soll hier zunächst die Grossarthsche Verhaltenstypologie vorgestellt werden:
Der Buchautor unterscheidet darin sechs Verhaltensmuster, die sich im Laufe des Lebens herauskristallisieren.
Das "Typ-I-Verhalten" ist gekennzeichnet durch "Leid in der Isolation". Menschen mit diesem Verhalten können ihre Gedanken und Gefühle nur schwer mitteilen. Deshalb gelingt es ihnen nicht, erlebten seelischen Schmerz gemeinsam mit anderen Menschen aufzuarbeiten und zu bewältigen. Es erfolgt keine "Auflösung von Leid in der Kommunikation". Mobbing-Opfer und Menschen, die von ihren Familien ausgegrenzt werden, weisen häufig Typ-I-Symptome auf. Es wird in der Grossarth'schen Typologie jedoch keine Aussage über die Ursache der Isolation gemacht, ob sie durch das Verhalten der Person selbst bedingt ist oder durch das Umfeld herbei geführt wurde. Auch nicht verkraftete Trennungen oder der Tod nahe stehender Menschen kann in diese seelische Situatin führen.
Das "Typ-II-Verhalten" ist charakterisiert durch "Leid in der Nähe von störenden Objekten". Die Betroffenen reagieren auf Umstände, unter denen sie leiden, mit "hilfloser Aufregung". Anstatt ihr Problem so zu analysieren, dass eine Lösungsstrategie gefunden werden kann, fixieren sie ihre Aufmerksamkeit vorzugsweise auf einzelne Faktoren, über die sich sie aufregen können. Sie können mitteilen, worunter sie leiden, streben aber keine praktische Lösung an, um die Situation für sich bedürfnisgerecht neu zu gestalten.
Für Typ III ist eine Ich-bezogene, narzistische Ambivalenz charakteristisch. Die narzistische Ambivalenz zeigt sich darin, dass sich Menschen dieses Verhaltenstyps ihren Bezugspersonen abwechselnd einerseits intensiv zuwenden und menschliche Nähe, Vertrautheit und Anerkennung suchen, sobald aber ein Verbundenheitsgefühl aufkommt, zeigen sie überraschend ein destruktiv gegen die Beziehung gerichtetes Verhalten, um eine dauerhafte beglückende menschliche Bindung zu verhindern.
Das Typ IV-Verhalten ist durch eine autonome und flexible Selbstregulation auszeichnet. Diese Menschen gestalten ihre Lebensumstände eigenaktiv bedürfnisgerecht und kommunizieren so mit ihren Mitmenschen, dass sich privat und beruflich immer wieder Erfolg, Lust und Lebensfreude einstellen.
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