Synergetik der Psychologie - das Zusammenwirken in der Wissenschaft von der Seele" könnte man übersetzen... Ein schweres Buch, ein schwieriges Buch, ein gewichtiges Buch, ein wichtiges Buch! Es macht genau das zum Thema, was am Schwersten zu ergreifen, zu begreifen, fassbar zu machen ist: die Psyche, die Logik der Psyche, die Psycho-Logik, wenn man will. Und nicht genug damit: es bringt die Synergetik, die Zusammenschau der Perspektiven, das Zusammenwirken (im wahrsten Sinne: syn-ergo im Griechischen) der Methoden und Schulen und Traditionen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - ein sehr anspruchsvolles Thema! Was kann zusammengeschaut werden in der Wissenschaft von der Seele? Was kann zusammenwirken, um ein ganzes Bild, ein Mosaik oder ein Netzwerk des Wissens von den Wirkmechanismen der menschlichen Psyche zustande kommen zu lassen? So tun sich denn auch zwei Wissenschaftler von hohem Rang zusammen, die scheinbar gegensätzlicher nicht sein können: Hermann Haken, renommierter Physiker seines Zeichens, dessen Name für strenge, schwierige Naturwissenschaft steht und Günter Schiepek, bekannt für innovative, zukunftsorientierte Forschung in der Psychologie. Physik und Psychologie - wie passt das zusammen?! Kann damit ein so uralt-philosophisches Thema wie das Zusammenspiel zwischen Leib und Seele, Gehirn und Geist, Materie und Psyche angegangen werden? Die beiden Autoren scheinen dabei genau die entgegengesetzten (aber nicht unbedingt gegensätzlichen) Seiten einer Medaille einzubringen: der eine die eher materielle, nomothetische, mathematisch-logische, der Andere die psychische, idiosynkratische, intuitive, psycho-logische Denkweise. So könnte es scheinen. Aber dem ist nicht so, wenn man sich die Publikationslisten der beiden Autoren einmal anschaut: Hermann Haken hat schon psycho-logisch über Selbstorganisation in lebenden Systemen räsoniert (Erfolgsgeheimnisse der Natur) und viele der Publikationen von Günter Schiepek sind mit hochkomplexen mathematischen Formeln und Ableitungen angereichert. So ist ein janusköpfiges Werk entstanden, dass mit zwei Paar Augen viel mehr nach hinten und nach vorne schaut, als dem einen oder anderen lieb ist: es tritt die Begrenztheit der heutigen Wissenschaft vom Menschen immer wieder deutlich zu Tage, nicht ohne Ausblicke auf eine mögliche Zukunft dieser Wissenschaft zu gewähren. So entwirft das Buch eine Psychologie der Zukunft, in der alle Einzelwissenschaften zu einem grossen Orchester zusammen kommen und ihre Stimme zu diesem Thema einbringen. Ein faszinierendes Buch, das nicht nur die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften, der Psychologie, Biologie, Medizin, Physik, Quantenphysik einbringt, sondern auch auf aktuelle Diskussionen in der Philosophie, Soziologie und Ökonomie engagiert eingeht.