Dr. Wolfgang Lutz war der entscheidende Vordenker in der kohlenhydratarmen Ernährung. Seine Überlegungen und Erkenntnisse als Arzt hat er in dem Buch 'Leben ohne Brot' zusammengefasst. Ihm hat Nicolai Worm auch dieses Buch gewidmet, weil 'manche mehr sehen', wie Worm schreibt.
Worm fehlt zwar die medizinische Ausbildung, dafür hat er unzählige Studien zum Thema kohlenhydratarme Ernährung' aufgespürt, durchgelesen und seine Schlüsse gezogen. Mit diesen Studien beantwortet Worm die meisten Fragen, die sich mir gestellt haben, als ich 'Leben ohne Brot' gelesen habe: wozu haben wir mehr Mahl- als Reißzähne, obwohl wir Fleisch essen sollen, wenn es nach den beiden Autoren geht? Wie viele Generationen haben sich als Jäger und Sammler ernährt? Und wie viele sind seit dem Ackerbau vergangen?
Genau diese Antworten sind es, die das Buch so überzeugend machen: 120.000 Generationen haben als Jäger und Sammler gelebt, erst seit 500 Generationen gibt es Ackerbau! Unser Körper - so die Theorie - konnte sich nicht genügend umstellen auf Kohlenhydrate (= Stärke und Zucker).
Durch neue Studien, durch den modernen Schreibstil und durch die übersichtliche Gestaltung des Buches wirkt es deutlich moderner als 'Leben ohne Brot'. Die 20 ganzformatigen Zeichnungen sind zwar abstoßend und verleihen dem Buch den Charakter einer Lifestyle-Illustrierten (Siehe auch das Cover), aber andererseits ändern sie nichts am Inhalt und man kann sie natürlich überblättern.
Im Lauf der Zeit nervt die Haltung von Worm gegenüber Vegetariern: wozu macht er sie bei jeder Erwähnung lächerlich und verspottet ihre Einstellung? Immer wieder rühmt sich Worm, wie die 'pflanzenumrankten Tatsachen zum wissenschaftlichen Kompost gelegt werden können' - dank der diversen Studien, die Worm aufgespürt hat. Er will doch auch Vegetarier davon überzeugen, dass Fleisch und Fett und tierisches Eiweiß als bekömmlicher gelten müssen. Wegen der ständigen Angriffe möchte man sich eher mit Vegetariern verbünden.
Worms Argumente für Fleisch und Fett gewinnen aber. Jeder kann es ausprobieren - und wird nach kurzer Zeit den Unterschied bemerken: weniger bis kein Heißhunger auf Süßigkeiten, fast kein Bedarf mehr an Klopapier und eine Vielzahl an Nahrungsmitteln, die man essen kann. Wobei Worm (im Gegensatz zu Dr.Lutz) zu Obst und Gemüse rät: 5 Portionen sollten es pro Tag sein!
Ältere Leser werden wohl mit dem Buch von Dr.Lutz mehr Freude haben, weil es 'seriöser' und wissenschaftlicher wirkt/ ist, jüngere Leser werden eher mit diesem Buch glücklich sein. Oder Sie besorgen sich beide Bücher: das von Lutz wegen der medizinischen Erfolge, dieses Buch wegen der neuesten Studien und wegen der zusätzlichen und zeitgemäßen Argumente.