Das Gastmahl (Symposion) ist eine Art Zusammenkunft, mit dem Ziel, sich einem Thema ausgiebig zu nähern. Rede und Gegenrede dienen der Erhellung und Klarstellung. Plutarch verwendete diese Form, wie auch Petronius im alten Rom, dieser jedoch mit satirischer Nuance. Dieses Gastmahl Platons dient dem Wirken des Eros.
Höhepunkt der vielen Reden ist die der Sokrates-Diotima, aber es wird referiert: Übersicht
dass EROS ein großer Gott sei (Phaidros),
dass es einen doppelten EROS gebe (Pausanias),
dass der zwiefache EROS in allen Bereichen walte (Eryximachos),
dass die Seherkunst mit den Göttern verbinde oder vermittle (ders.) und Glückseligkeit verschaffe,
dass EROS darauf aus sei, die fehlende Hälfte zu finden (Aristophanes),
dass aus EROS zum Schönen alles Gute erwachse (Agathon);
anderseits wird in des Alkibiades Lobrede auf Sokrates das Thema vom dämonischen Mann aufgegriffen.
Aus dem Kreise der Männer sind die Reden von Aristophanes, Agathon und Sokrates, letzter nur indirekt, deutlich hervorzuheben. Während Aristophanes die bekannte Geschichte des Urmenschen, genau des Mannweibs, erzählt, der rund und in allem viergliederig war, Zeus verletzte und dieser die Menschen teilte, so dass sie aufrecht gehen mussten. Die Fassung war noch falsch, die Geschlechtsorgane am falschen Platze, so dass ein Aussterben notwendige Folge war. Die zweite Fassung des Menschen sorgte dafür, dass Nähe notwendig zur Erregung und zur Zeugung führte. Dieses Bild ist ein Bild, das die Sehnsucht gebiert, nämlich insofern, dass der Mensch sich immer ein Ganzes sucht und so sein Leben lang sich auf die Suche nach der der zweiten Hälfte begibt. Ist sie nicht mit Sicherheit auffindbar, so wird die Herzens-Entsprechung das Ganze bewirken, der Mensch findet sein Herzens-Du.
Agathon weiß sich dem Eros zu nähern in der Form, dass er das absolut Schöne preist, er dem Eros das Schaffen des dichtereichen Triebs unterstellt, er sagt: "er nimmt von uns, was uns entfremdet, und spendet in Fülle, was uns einander vertraut macht."
Sokrates weiß sich auf Grund der Rede Agathons an Gorgias erinnert, der mal sagte: " eine Rede, die einen Geist überzeugt hat, zwingt den Geist, der überzeugt hat, an die Worte zu glauben und den Taten zuzustimmen." Nur ist Sokrates' Ansinnen nicht Zustimmung, sondern seine Fragetechnik führt zu der Bestimmung des Eros im reinen Sinne. Noch überraschender ist, dass er sich der Überzeugung einer Frau, Diotima, bedient, die ihm lehrte, was Eros ist. Und so beginnt die Überzeugung der indirekten Art, so dass Widerspruch nahezu ausbleibt und Hinführung zu dem einzig wahren, der Urliebe, dem Ur-Eros, die Unterscheidung von Begierde und Liebe, von Schönen, Guten, Liebe, die nicht auf die zweite Hälfte geht, sondern auf das Ganze, auf das Gute, auf den Besitz des Guten, auf den dämonischen Besitz und letztendlich wird Liebe zur "Erzeugung und Hervorbringung im Angesicht des Schönen". Zeugung wird damit Ewiges und Unsterbliches, das Urschöne. Eros, entstanden aus Poros, dem Reichtum an allem, und Penia, der Armut. Und von beidem geerbt ist Eros der ewig Suchende. Ihm ist es beschieden, "ein Gottgeliebter zu werden und der Unsterblichkeit teilhaftig, wenn anders sie sonst einem Menschen zuteil wird."
Ein wunderbare, verständliche Ausführung, angereichert durch mannigfaltige Anmerkungen. Und wenn Sie das Wirken des Eros erleben möchten, dann lesen Sie die wunderbare Liebesgeschichte von Daphnis und Chloe.