Immerseel steht immer für transparentes und frisches Musizieren. So auch bei den Beethoven-Sinfonien, man höre die vierten Sätze der Sinfonien 1,2, 4 oder das Scherzo aus der Eroica.
Wolfram Goertz schreibt über ihn, er habe ein Händchen dafür, im falschen Zeitpunkt das Richtige zu tun.
In der Tat kommen diverse Neueinspielungen von Järvi,Vänska,Herreweghe und anderen.
Man fragt sich,ob diese Aufnahmen gebraucht werden. Goertz meint, ja, dringend. Ich habe meine Zweifel.
Selbstverständlich kann sich Immerseel mit einem so kleinem Ensemble wie der anima eterna nicht mit den grossen Orchestern messen. Aber auch nicht mit den grossen Aufnahmen. Eine Eroica von Hermann Scherchen, eine Siebte von Carlos Kleiber, eine Neunte von Furtwängler ( 1942) sind interpretatorisch nicht im Ansatz erreichbar.
Nein, auf dem Gebiet, auf dem er selbst konkurriert, dem Gebiet der historischen Spielweise hat Norrington bereits vor Jahrzehnten Maßstäbe gesetzt, hat Gardiner die Härte von Beethoven deutlicher herausgearbeitet, haben Hogwood oder Brüggen bemerkenswerte Aufnahmen gemacht.
Deswegen vermag ich in keiner Weise zu erkennen, dass die Welt eine solche Neuaufnahme braucht. Es mag ja sein, dass ein Dirigent für seine eigene Karriere braucht, diesen Zyklus eingespielt zu haben.Aber keiner derer, die sich nun an diesen Zyklus heranwagen,kann dem entrinnen, was es bereits an Deutungen gibt. Und wirklich Neues, wo man hinhören müsste und denkt, Donnerwetter,so habe ich das noch nie gehört, wird angesichts der Überfülle des Angebots nicht gelingen.
So reiht sich Immerseel in die Reihe der Dirigenten ein, denen die"kleinen" Sinfonien gut gelingen, die aber bei der Eroica bereits an ihre Grenzen stossen. Sicher gelingen diesen, auch Immerseel, die Wiedergabe der Pastorale besonders gut, weil diese auf der Grenze zu den "grossen", 5,7, und 9 steht. So findet gerade diese Sinfonie in der Interpretation von Immerseel die begeisterte Zustimmung des Zeit-Kritikers Wolfram Goertz.
An dem Gesamturteil ändert dies nichts.