Symphonie pathetique war der erste Roman den ich von Klaus Mann gelesen habe und schon allein die Tatsache, dass ich danach weitere Bücher von ihm gelesen habe, zeigt wie sehr mich dieses Werk gefesselt hat. Man fängt an zu lesen und steigt sofort in eine fesselnde Geschichte über einen einsamen, sensiblen, hochbegabten Künstler (auch noch homosexuell - also dem Autor sehr ähnlich!) ein. Eine sehr einfühlsame, musikalische Sprache. Besonders das erste Kapitel ist ganz einmalig geschrieben und konzipiert, einer der schönsten Romananfänge die ich kenne. Man muss sich nicht in der klassischen Musik auskennen, um diesen Roman zu lieben, da im Vordergrund eine für jeden nachvollziehbare Menschlichkeit steht, doch natürlich helfen Hintergrundwissen über Tschaikowsky und seine musikalischen Zeitgenossen beim Verständnis. (Brahms kommt ein bisschen schlecht weg, finde ich persönlich; vielleicht hat Klaus Mann nicht erkannt, dass dieser problematische, ewig mit sich selbst ringende Komponist auch eher ihm glich und nicht der Gegenentwurf zu Tschaikowsky sein muss, als der er im Buch auftritt.)Jedenfalls sollten sich Leser, die sich wenig für klassische Musik interessieren, nicht von diesem wunderbaren Roman abschrecken lassen.