Ludwig van Beethoven (1770 - 1827): Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, Opus 55, "Eroica". Jean Sibelius (1865 - 1957): Sinfonie Nr. 7 C-Dur, Opus 105. Ausführende: Symphony Nova Scotia, Ltg. Georg Tintner. Live-Aufnahmen: 30. März 1988 (Beethoven) imd 19. Januar 1999 (Sibelius). Aufnahmeort wird im Beiheft nicht genannt, vermutlich war es Halifax/Neuschottland (Kanada), Heimatort des Orchesters. Die Aufnahmen wurden durch den kanadischen Rundfunk (CBC) zur Verfügung gestellt und 2003 als Vol. 6 der Tintner-Gedenkedition bei Naxos verlegt (8.557238). Gesamtspielzeit: 79'19".
Zwei ganz unterschiedliche Seiten des Schaffens von Georg Tintner findet man auf dieser CD, die zwei Werke zusammenbringt, die normalerweise nicht nacheinander gehört werden und, soviel ich feststellen kann, nicht viel miteinander gemein haben. Die Eroica-Aufnahme aus dem Jahr 1988 passt gut zu den bisherigen Volumes der Tintner-Gedenkedition: Man hört ein Orchester, das hörbar "bemüht" ist, was im Zeugnis nicht unbedingt eine Empfehlung wäre. Vor allem die Streicher klingen manchmal ein wenig zu "eckig", und Tintners sehr breite, detaillierte, sorgfältige Interpretation scheint sich irgendwie in den Details zu verlieren und das revolutionäre Feuer des ganzen Werks aus den Augen zu verlieren. Für die Volkshochschule ist dies eine exzellente Version, man hört immer wieder ganz genau, wie Beethovens Gedanken zueinander passen; aber als "Genussmittel" fehlt der Aufnahme die letzte Überzeugungskraft. (Man höre sich Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker auf DG Eloquence an!)
Die siebte Sinfonie von Sibelius wurde nur wenige Tage vor Tintners unseliger Selbsttötung (er litt an Krebs in fortgeschrittenem Stadium) aufgenommen und scheint, vielleicht auch aufgrund der sehr guten, räumlichen Aufnahmetechnik, die ganze Schicksalskraft der Musik einzufangen. Auch hier gibt es Details und ein verhältnismäßig gemächliches Tempo, aber diese Aufnahme gefiel mir besser als die isländische mit Petri Sakari: Laut gehört, merkt man, welche Gravitas und Bedeutung hier hineingelegt wurden. Die Bläser sind exzellent, was für diese Musik wohl entscheidend ist. Wer auf Beethovens Eroica in Tintners Ausführung verzichten kann, sollte sich überlegen, ob er die Siebte von Sibelius in dieser fulminanten Einspielung an sich vorübergehen lässt, zumal der sehr günstige Naxos-Preis lockt.