Wer Góreckis dritte Sinfonie mag, sollte auch der Zweiten eine Chance geben. Der erste Satz wirkt allerdings sehr avantgardistisch: Stampfende dissonante Akkord-Sequenzen, gefolgt von sphärischen Klangflächen im Stile Ligetis, und später dann ein scheinbar heilloses, zufälliges Durcheinander der Blechbläser (das beim ersten Hören auf frappierende Weise an die Klangkulisse eines südafrikanischen Fußballstadions erinnert). Am Ende des Satzes tritt dann der Chor erstmals in Erscheinung, indem er den stampfenden Akkorden vom Anfang bedeutungsvolle Worte unterlegt. Anstrengende und aufwühlende sechzehn Minuten, die die Geduld und den guten Willen des Hörers durchaus strapazieren. Aber dann beginnt der zweite Satz, und der ist das genaue Gegenteil des ersten: Ganz tonal und harmonisch, innig, friedfertig, verklärt, sakral und voller erhabenem Pathos. Der erste Einsatz des Soprans etwa steht den ergreifendsten Momenten der dritten Sinfonie in nichts nach. Überhaupt kommt der zweite Satz dem Charakter und der Stimmung der dritten Sinfonie sehr nahe.
Die Aufnahmequalität ist wunderbar, das Orchester spielt beherzt und nuanciert. Leider gibt es kaum Vergleichsmöglichkeiten, da von dieser Sinfonie so gut wie keine anderen Einspielungen vorzuliegen scheinen. Wirklich schade, denn diese Komposition hätte zweifellos mehr Aufmerksamkeit und Interesse verdient.