Jean Sibelius (1865 - 1957): Sinfonie Nr. 2 D-dur, Op. 43; "Der Sturm": Suite Nr. 1, Op. 109/2. Ausführende: Isländisches Sinfonie-Orchester, Ltg. Petri Sakari. Aufgenommen im Februar 1997 im Universitätssaal, Reykjavik, Island. Erstveröffentlichung 1999 als Naxos 8.554266. Gesamtspieldauer: 68'08".
Sibelius' "Zweite" entstand während einer Italien-Reise und kennt, so kommt es mir jedenfalls vor, einige "sonnige Abschnitte" im Vergleich zur nordischen Strenge seiner sonstigen sinfonischen Werke. Das 1902 uraufgeführte Werk hat sich vom Einfluss Tschaikowskys gelöst und ist der "absoluten Musik" verpflichtet: Hier sollte man keinen national-gesinnten Epos, keine zur Rebellion gegen die Russen aufstachelnden Hymnen erwarten, sondern einfallsreiche, durchstrukturierte, hervorragend orchestrierte Musik um der Musik willen. Petri Sakari und seine isländischen Kräfte vermögen trotz des etwas distanzierten Klanges (Lautstärke kräftig hochdrehen!) einen hervorragenden Eindruck zu erwecken, bei jedem erneuten Hören fallen neue Einzelheiten auf. Das ist keine Musik zum Mitsummen, sondern zum angespannten Verfolgen.
Die Schauspielmusik zu Shakespeares "The Tempest" (Der Sturm) wurde vom Komponisten selbst zu zwei Suiten zusammengefasst, von denen hier die erste, für großes Orchester, erklingt. Das für Naxos-Verhältnisse ausführliche Beiheft bietet auf deutsch wie auf englisch einen Überblick sowohl über die Handlung des Bühnenwerks als auch über die Szenen, die Sibelius vertont hat, und so kann man das Verhältnis zwischen Schauspiel und Musik nachvollziehen. Ohne "Programm" ist diese Musik allerdings etwas schwer verdaulich, denn der Flöte spielende Luftgeist Ariel, der betrunkene, Rache schwörende Caliban, die schöne Prinzessin Miranda und der auf seine Zauberkünste verzichtende Prospero werden ebenso wie der eigentliche "Sturm" in bunten Farben gemalt, die sich nicht wirklich von den entsprechenden Bühnenfiguren lösen lassen. Als Theatermusik ist das erstklassig, als reine "Hör-Musik" nicht immer befriedigend.