Eines der populärsten Werke der klassischen Musik ist die "Symphonie fantastique" op. 14 von Hector Berlioz (1803-1869), der nur allzu gern und ungerechtfertigterweise auf dieses eine Werk reduziert wird. In seiner Komposition verarbeitet der französische Komponist seine unglückliche Liebe zu einer englischen Schauspielerin. Dabei schöpfte er sozusagen etwas gänzlich Ungewöhnliches, denn er verband die einzelnen Sätze miteinander durch eine sogenannte "idée fixe", die in jedem der fünf Teile zu hören ist, wobei Berlioz sie manchmal etwas ungeschickt anfügte.
So beschreibt er im ersten Satz seine Träume und seine Leidenschaften, die ihn für die Schauspielerin entbrennen ließen. Anschließend stellt er den Ball, auf dem er sich verliebte, eindrucksvoll dar, um schließlich den Gepeinigten auf offenem Feld ruhen zu lassen. Hier sind Anklänge an Beethovens "Pastorale" unverkennbar. Im Folgenden wird der Protagonist aufs Schafott geführt. Das Werk endet mit dem "Traum von einer Sabbatnacht", dessen Tonfall allerdings weniger als bitterernst denn vielmehr als frotzelnd zu charakterisieren ist.
Dem Briten Sir Simon Rattle wird oftmals vorgeworfen, dass er dem so satten und ausgewogenen Klang der Berliner Philharmoniker stark geschadet habe. Was an dieser Aufnahme von 2008 sofort auffällt, ist der mulmige Klang, der aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht dem Orchester anzulasten ist. Nicht verleugnen allerdings lässt sich der Umstand, dass Rattles Dirigat viel zu wenig transparent ist, was bei der schlanken Anlage der "Symphonie fantastique" verheerende Folgen hat: Zum einen wird der Kopfsatz zu einem undurchsichtigen Durcheinander der Orchesterstimmen, weiterhin versandet das pastorale Adagio des dritten Satzes und, was das Schlimmste ist, verliert das Finale fast vollständig seine innere Spannung. Berlioz setzte am Anfang beispielsweise das Schreien der Hexen musikalisch um. Das ist hier nicht zu hören. Es ist, als ob Rattle es übersehen hätte. Zudem wählt er hier ein fragwürdiges Tempo.
Gelungen sind ihm freilich der zweite Satz, der elegische Walzer, und der berühmte Marsch zum Schafott. Letztlich aber wird durch die vielen technischen und interpretatorischen Mängel der Gesamtzusammenhang des Werkes erheblich beeinträchtigt. Das Ergebnis ist alles andere als ein Genuss.
Als Zugabe gibt's einen Auszug aus dem Orchesterliederzyklus "La Mort de Cléopâtre". Dieser Zyklus beschreibt in bestechenden und fesselnden Bildern den Selbstmord der großen Pharaonin. Hier wird die Interpretation der Vorlage gerecht: Susan Grahams (Sopran) Stimme ist wie gemacht, für die tief traurige Szenerie. Das Orchester begleitet sie dezent und farbenreich. Rattle versteht es hier trefflich, differenziert zu akzentuieren und transparent musizieren zu lassen.
Fazit: Ob sich der Kauf dieser CD alleine wegen "La Mort de Cléopâtre" lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer allerdings eine packende und erfrischende Darbietung der "Symphonie fantastique" sucht, der ist hier fehl am Platze.