Sommer 1978, Deutschland, Rüssl Studio-Hamburg - im Aufnahmeraum hat ein 28-köpfiges Ensemble von Musikern Platz genommen; unter ihnen einige der besten europäischen Jazzimprovisatoren ihrer Zeit. Unangefochtener Star der Session ist der Mann am Pult, einer der wenigen deutschen Weltstars im Jazzbereich. Sein Name: Rolf Kühn, 49 Jahre alt, Weltbürger und Solist von internationalem Renommee. Es laufen die Aufnahmen zur LP "Symphonic Swampfire", sein neuestes Werk für MPS.
MPS. Für den Leader Rolf Kühn ist das nichts Neues. Seit 1971 hat er für dieses Label immerhin 4 Platten eingespielt, allesamt in Ihrer Art richtungweisend auf dem Gebiet des Jazzrock und des Fusionjazz. Nun also mit "Symphonic Swampfire" die 5. Platte, diesmal von Kühn koproduziert mit Achim Torpus ... und groß aufgezogen. War die Kühn-Line-Up früherer Jahre stets als "The Rolf Kühn Group" bezeichnet worden, heisst es nun in großformatigen Lettern "The Rolf Kühn Orchestra". Nicht umsonst: neben Kühn selbst an der tonangebenden und die Kompositionen vorstellenden Klarinette und seinem, wie immer in technischer Brillanz aufspielendem Bruder Joachim an den Tasteninstrumenten, besteht die Rhytmusgruppe aus hochkarätigen Sidemen wie Philip Catherine, Niels-Henning Ørsted Pedersen, Bruno Castellucci und Wolfgang Schlüter. Als Gäste sind Larry Elam & Manfred Moch, Charlie Mariano, Thilo von Westernhagen und Herb Geller dabei; zusätzlich ein 13-Mann-starkes Streicherensemble (aha, deshalb nun der Zusatz "Orchestra").
Hatte Kühn 1975 (bei seinem MPS-Album
Total Space) das reine Konzept 'Leader mit Gruppe' schon zugunsten einer opulenten Brass-Band aufgelockert, so offeriert die große Streicherbesetzung hier nun ein ganz neues 'Kühn-Hörerlebnis'. Rolf Kühn, der alle 5 hier zu hörenden Stücke komponierte, erweist sich als fulminanter Compositeur & Arrangeur für großes Orchester in einem Jazzkontext.
Das Tracklist beginnt mit einem großformatigen, 2-teiligen Opus: "SWAMPFIRE PART I" und "SWAMPFIRE PART II" sind vom Aufbau formvollendet, kompositorisch zum Besten zählend, was Kühn je geschrieben hat.
Gleich danach "LA CANAL", den aufgekommenen Spirit weiteratmend, einen sonnendurchfluteten Overview über jenes "Swampfire" transmittierend. Zeitlos.
"JUST CALL", sympathisch dahinbeatende Unbeschwert-, ja fast Unbekümmertheit.
Krönender Abschluss der Platte ist "JUDY", von Rolf Kühn titelgebend seiner Frau - der gefeierten Schauspielerin und Chansoninterpretin Judy Winter - gewidmet; ein melancholisches Meisterwerk.
Das ist "Symphonic Swampfire" - ein symphonisches Feuerwerk voll tonsetzerischem Esprit, Arrangement-bedingter Verve und fabulös schön auskomponierten Melodien. Nie war eine LP des Leaders Rolf Kühn als Gesamtkunststück stärker, im Gesamterlebnis vollkommener, gleichzeitig souverän-abgeklärter und ausgereifter. Sollte in irgendeinem Zusammenhang mit dem Rolf-Kühn-Album "Symphonic Swampfire" der Begriff 'Meisterwerk' fallen, sollte man nicht widersprechen ... ganz im Gegenteil - das "Rolf Kühn Orchestra" und ihr "Symphonic Swampfire" ist ein Geniestreich.
Und nun gibt es das alles auf CD. Aufwändig remastert (für ein vollkommenes Klang- und Hörerlebnis im Most-Perfect-Sound), mit erhelllenden Linernotes (die der LP damals leider abgingen) und raren Sessionfotos - zu einem sensationellen Kauf-mich-einfach-Preis. Allen sei diese Platte empfohlen ... sie gehört in jede Sammlung.