Machen wir uns nichts vor: Die Welt ist schlecht !!! Während die weltweite Finanzkrise die Menschheit seit einer gefühlten Ewigkeit fest im Griff hat, geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Selbst alltägliche Anforderungen im Beruf werden immer härter, so dass das "Burn-out"-Syndrom mittlerweile als Volkskrankheit Nr. 1 anerkannt wurde. Und während die Folgen der atomaren Katastrophe in Japan bizarrerweise totgeschwiegen werden, schaut sich die geistige Elite lieber "Das Supertalent" auf RTL an, um sich danach lemminghaft in meist unsinnigen Social-Networks gegenseitig anzuöden, so dass zumindest oberflächlich der Schein gewahrt bleibt. Alles geht vor die Hunde. Die Probleme wachsen uns über den Kopf. Gibt es einen Ausweg aus der Misere, damit man als normaler Bürger irgendwann mal wieder auf der Sonnenseite des Lebens stehen darf ? Langfristig sind die Aussichten mehr als trübe....für alle Rock/Metal-Fans dieser Welt kann die kurzfristige (!) Linderung definitiv "Sympathetic resonance" heißen !!! Denn manchmal reichen knapp 54 Minuten "vertontes Glück" einfach aus, damit sich der dichte Sorgennebel endlich verzieht. Urplötzlich wird wieder alles klar vor Augen, und die verlorengeblaubte positive Energie fließt ungefiltert durch deinen Körper. Schließlich weiß jeder: Mit einem meterbreiten Lächeln im Gesicht lebt es sich doch gleich viel leichter.
Eine der heilsamsten Wunderwaffen des Jahres 2011 haben gewiss die Herren Jim Matheos und John Arch ausgeklügelt, die - unter dem logischen Namen ARCH/MATHEOS - seit einigen Wochen rezeptfrei erhältlich ist. Alteingesessene Uralt-Progger fangen ja üblicherweise schon an zu sabbern, wenn die beiden Musikernamen im selben Atemzug genannt werden. Denn durch nichts ließe sich die Glückseeligkeit des Achziger-Metal besser beschreiben, als durch die beiden fabelhaften FATES WARNING-Geniestreiche "The spectre within" und "Awaken the guardian". Vor allem letztgenannte Scheibe gilt in Fachkreisen (nicht unbedingt bei mir!) als die Sternstunde des Prog-Metal - ein unerreichtes Meisterwerk, dessen mystische Faszination ich bis heute nicht komplett für mich erschlossen habe. Insofern darf man schonmal vorwegnehmen, dass der offizielle ARCH/MATHEOS-Erstling "Sympathetic resonance" ein ganz besonderes Album ist, welches auch mächtig für Wirbel sorgen dürfte.
Denn die beiden (teils ehemaligen) FATES WARNING-Recken machen einfach da weiter, wo sie vor Urzeiten aufgehört haben: Hier gibt es schlicht und einfach begeisternden US-Power-Metal voll spielerischer Finesse - eine prall gefüllte Wundertüte aus Melodie, Härte und fast bühnenreifer Dramatik. Natürlich klingt das Ganze auch anno 2011 hundertprozentig nach alten FATES WARNING, gepaart mit derber Riff-Dynamik á la NEVERMORE. Das Album enthält zwar nur sechs Songs, die aber teilweise mit enormer Überlänge über die Zielgerade gehen. Traditionelle Melodic-Perlen wie "Midnight serenade" , "On the fence" , "Any given day" (nicht überragend, aber gut!) und die wunderschöne Ballade "Incence and myrrh" (John Arch ist Gott!) glänzen in einem tollen Soundgewand, wobei die Produktion natürlich weitaus moderner ist, als z.B. auf "Awaken the guardian". Der große Pluspunkt des ARCH/MATHEOS-Debüts ist zweifellos das brilliante Songwriting, dass für den Hörer immer wieder neue Überraschungen parat hat. Speziell die beiden ausufernden, gottgleichen Longtracks "Stained glass sky" und "Neurotically wired" (wie geil ist das hier eigentlich?) fließen von einem Höhepunkt zum nächsten, so dass warme Akustik-Arrangements, Flamenco-Gitarren, gelegentliche Prog-Frickeleien , treffsichere Riff-Kanonaden und der Wahnsinns-Gesang von John Arch fast schon blind aufeinander abgestimmt sind. Und überhaupt, diese unglaublichen Melodien !!! Jim Matheos und John Arch entwickeln über die komplette Spielzeit eine unvergleichliche Eigendynamik - das neue/alte Prog-"Dream Team" ist endlich wieder vereint. Die Qualität des 6-Trackers hat inzwischen sogar sooo weite Kreise gezogen, dass ARCH/MATHEOS beim nächsten "Keep it true"-Festival schon als Headliner bestätigt wurden. Feine Sache!
Egal wie man es dreht und wendet: "Sympathetic resonance" stellt nicht nur das neuen DREAM THEATER-Album ("A dramatic turn of events") meterweit in den Schatten, sondern weist auch zeitgleich die OPETH-Wiedergeburt "Heritage" gekonnt in die Schranken. Und wenn die Rock/Metal-Konkurrenz heuer nicht so unglaublich stark abgeliefert hätte, ARCH/MATHEOS wäre des Prädikat "Album des Jahres" wohl nicht zu nehmen. Das musikalische Patentrezept für ein sorgenfreies Leben. Die Welt kann sooo schön sein - zumindest solange "Sympathetic resonance" im CD-Schacht deiner Anlage rotiert. Weltklasse !!!