In dem Band wird der Symbolgehalt von 101 Pflanzen erläutert. Neben der Rolle, die die botanischen Eigenschaften der Pflanze bei der Entstehung bestimmter Symbolgehalte spielen, gibt er Einblick in kulturelle Bedingungen, die für die symbolische Bewertung von Bedeutung gewesen sein sollen. Auch wird dargelegt, welche Pflanze welcher religiösen oder mystischen Gestalt als Attribut zugedacht ist. Am Ende des Bandes befinden sich eine Bibliographie, ein Register und eine Übersicht über die botanischen Namen.
Wie mein Vorschreiber den Gingko offenbar unter einheimische Gewächse subsumiert, so beschränkt sich die von der Autorin erzählte Kulturgeschichte nun ja auch nicht nur auf die kulturelle Zugehörigkeit der Menschen in Europa. Trotz aller folkloristischer Anklänge wird also schon die industrialisierte Gartenkultur respektiert.
Doch auch der Bezug auf Autochthones ist vielfach fraglich. Wie bereits aus der Bibliographie erkennbar, knüpft er an die ältere Forschung in der Volkskunde an, die Brauchtum und Aberglaube in Mitteleuropa insgesamt auf Kelten und Germanen zurückführen wollte. Tatsächlich liegen dem vielfach Rezeptionen aus der Antike zugrunde und etliche Bräuche und Aberglauben sind erst nach dem späten Mittelalter entstanden. Insofern ist angesichts spiritueller Empfindungen Vorsicht geboten. Z. B. die Birke, S. 38: Hier ist zu bezweifeln, ob das Maibaum-setzen mit der Birke »ursprünglich den Baumdämon beschwor«. Zumal war es doch die Buche, die man zunächst zum Zeichen der Zuneigung setzte, wegen ihrer herzförmigen Blätter.
Auch soweit die besprochenen Pflanzen als Attribute in der Ikonographie ausgewiesen werden, ist Vorsicht angebracht. Z. B. wird die weiße Lilie, S. 183, dem germanischen Gott Thor zugeordnet, dem die Autorin auf S. 184 gleich widerspricht. Denn für Thor/Donar käme indes die Feuerlilie, die im Volksmund bezeichnenderweise auch Donnerblume heißt, in Betracht und welche die in Europa am weitesten verbreitete Wildlilie ist. Die weiße Lilie ist vorderasiatischer Herkunft und spielt in der griechischen Mythologie eine wichtige Rolle. So soll sie entstanden sein, als Hera den Herakles stillte und dabei ein Tropfen Milch zu Boden fiel. Dass die weiße Lilie aber den »Muttergöttinnen seit prähistorischer Zeit« zugeordnet sei, kann wohl kaum auf Sumerer, Ägypter, Hellenen und Römer zutreffen, wo die doch der Schriftsprache mächtig waren. Dagegen fehlt, dass sie als Keuschheits- und Unschuldsblume nach der Symbolik der katholischen Kirche dem hl. Josef als Attribut zugeordnet wird. Das lässt sich indes bereits in Werken wie Helmsdörfer's Christliche Kunstsymbolik von 1839 nachlesen.
Insoweit ist die »Die Symbolik der Pflanzen« in der heute wieder populären, an die ältere Forschung anknüpfenden Folkloristik angesiedelt, bezieht den Ziergarten der globalisierten Industriegesellschaft aber praktischerweise gleich mit ein.
Die anmutigen Aquarelle der Illustratorin erscheinen mir ein wenig 'blaß'.