Dass eine Zahl nicht nur einen nüchternen quantitativen Zahlenwert hat, sondern sehr viel mehr in sich verbirgt, wissen wir zwar seit Pythagoras (Die Zahl ist das Wesen aller Dinge), doch Hajo Banzhaf bringt dieses alte Wissen sehr anschaulich, verständlich und ausführlich in eine Sprache, die jeder von uns versteht. Es gibt auf dem Büchermarkt unzählige Werke über die Zahlenkunde, und je mehr man davon liest, desto verwirrter wird man, weil es so viele Widersprüche wie Autoren dazu gibt.
Das neue Buch von Hajo Banzhaf hebt sich für mich insofern von anderen Büchern über Zahlensymbolik ab, dass seine Erklärungen NACHVOLLZIEHBAR sind und nicht auf nebulösen unverständlichen pseudo-esoterischen Konstrukten aufgebaut sind. Das ist keine Überraschung, sondern vielmehr ein Markenzeichen von Hajo Banzhaf, der es bekanntlich auch geschafft hat, die Bildersprache von Tarot in eine äußerst klare, verständliche und für die heutige Zeit nachvollziehbare Sprache zu übersetzen.
Dieses Buch ist gehaltvoll und geht in die Tiefe, trotzdem ist es nicht anstrengend, sondern vielmehr ein Vergnügen, es zu lesen. Es widmet jeder Zahl von 0 bis 22 ein eigenes Kapitel. Zunächst wird mit Blick auf den griechischen Philosophen Pythagoras erklärt, was Zahlensymbolik überhaupt ist und welchen direkten Bezug es auch in unserer geschäftigen rationalen Welt noch heute gibt denken wir nur an einen Freitag, den 13., der noch immer vielen Menschen Unbehagen bereitet oder an ein oft fehlendes 13. Stockwerk in Hotels.
Die folgenden 22 Kapitel sind wahre Fundgruben für zahlensymbolische Studien und bescheren der Leserin und dem Leser manches Aha-Erlebnis. Der Autor hat in seiner lebendigen Sprache den Fokus u.a. auf kulturhistorische, religiöse und mythologische Quellen gelegt und diese sehr anschaulich, überzeugend und immer wieder mit Bezug auf die heutige Zeit gedeutet. Untermalt sind seine Ausführungen mit zahlreichem Bildmaterial aus Kunst, Kirchenarchitektur, Naturphänomenen etc. Anschauliche Tabellen, Übersichten und weitere Grafiken machen die Navigation durch das Buch angenehm anschaulich und verständlich. Es sind viele kleine Juwelen in das Buch eingebaut, so zum Beispiel bei der Nr. 15 das Hexeneinmaleins, das wir von Goethes Faust kennen, oder eine Grafik bei der Nr. 17, die Fotografien der 28 Mondtage mit seinen unterschiedlichen Phasen zeigt oder eine tabellarische Übersicht über die Lebensphasen nach Thomas Ring. Selbst für den nicht zahleninteressierten Leser bietet das Buch eine Fülle an Stoff über so unterschiedliche Gebiete wie Psychologie, Astrologie, Mathematik, Religion, Naturphänomene, Kalenderentstehung, Kunst, Kirchengeschichte und Mythologie um nur einige zu nennen!
Hajo Banzhaf regt zum Selbststudium an wer sich in Kathedralen oder in Kunstausstellungen bewegt, sollte seiner Meinung nach das Zählen nie vergessen, denn die Anzahl von Segmenten einer Kuppel oder die Gestik von Personen auf einem Gemälde kann sehr viel Symbolkraft in sich bergen.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz, so weist der Autor bei der Zahl 13 darauf hin, dass er niemanden kennt, der trotz Aberglauben sein 13. Monatsgehalt abgelehnt hätte, oder dass das Schweben auf Wolke 17 für manchen die Steigerung von Wolke 7 ist.
Für die Tarotstudentin/ den Tarotstudenten ist dieses Buch meiner Meinung nach eine Pflichtlektüre und gleichzeitig ein echtes Geschenk. Die Zahl ist bekanntlich ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis von Tarot und es ist Hajo Banzhaf mal wieder gelungen, die Verbindung zwischen Zahlensymbolik und Bedeutung der Karte im wahrsten Sinne des Wortes schlüssig und anschaulich zu Papier zu bringen. Jede Trumpfkarte von 0 bis 22 wird am Ende des jeweiligen Kapitels inklusive Abbildung mit der Zahlensymbolik erklärt.
Nach den 22 Hauptkapiteln folgt ein Abschnitt über weitere bedeutende Zahlen zwischen 24 und 1000, die kurz aber nicht minder spannend erklärt werden.
Hajo Banzhaf unterscheidet zwischen Zahlensymbolik und Nummerologie. Ersterer ist der Hauptteil des Buches gewidmet, die Nummerologie ist lediglich eine Anwendung der Bedeutung einer Zahl im Alltag. Im Anhang, der eigentlich ein weiteres wichtiges Kapitel im Buch darstellt, erklärt der Autor, wie man seine Geburtszahl (bestehend aus Persönlichkeitszahl und Wesenzahl) und seine Jahreszahl errechnen kann. Interessant ist auch die Errechnung der Namenszahl, für die der Autor zwei Schlüssel anbietet: Einen klassischen Schlüssel von Herbert Reichstein, der die einzelnen Buchstaben über die hebräischen Buchstaben mit einem Zahlenwert verbindet. Der zweite Schlüssel verwendet unser Alphabet, bei dem die Buchstaben der Reihe nach durchnummeriert werden. Für beide Varianten gibt es wieder eine übersichtliche Zuordnungstabelle, mit deren Hilfe man mit seinem eigenen Namen experimentieren kann.
Weiter geht es mit dem Kapitel Tarot und Nummerologie. Hier sind jeder Trumpfkarte 2 Seiten gewidmet, auf denen die jeweilige Karte in ihrer Bedeutung als Wesenszahl oder als Jahresthema beschrieben wird, gewürzt mit einem kurzen Motto und einem Leitsatz.
Zum Schluss gibt es noch eine hilfreiche Erklärung von Worten und Begriffen, bei der man beispielsweise lernen kann, was ein synodischer Monat oder ein Pantheon bedeutet.
Das Buch ist auch optisch wunderschön aufgemacht die Schriftgröße ist angenehm und die Seiten wirken trotz der reichhaltigen Bilduntermalung keineswegs überladen, sondern lassen im Gegenteil genügend freie Fläche, was ich sehr angenehm finde.
Ich habe dieses Buch mit Begeisterung gelesen und meine Erwartungen (in Kenntnis des Autors) wurden mehr als erfüllt. Ich empfehle es sehr gerne weiter!