Sie lieben und sie hassen sich 04.10.2007
Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen Sylvia Plath und Ted Hughes, und von nun an können sie nicht mehr voneinander lassen.
Nimmt man es ganz genau, dann hat sich Sylvia eigentlich in Teds Verse verliebt, das Kennenlernen war nur noch Formsache. Auch er ist ihrer forschen Art auf der Stelle verfallen.
Ihre Liebe gleicht fast der gegenseitigen Zerstörung. Sie können nicht miteinander leben und nicht ohneeinander sein. Im Behind the scenes" bringt Daniel Craig es auf den Punkt: ...kein Stück Zigarettenpapier passte zwischen die beiden. Sie waren weit mehr als Liebende, Kumpel, Freunde..."
Einander verlassen - unmöglich. Er will, dass sie schreibt, nachdem sie geheiratet haben. Doch je mehr Erfolg er hat, desto schlimmer wird es für sie. Sie kann weder Worte aufs Papier bringen, noch ein normales Leben führen. Sie hasst seinen Erfolg mehr und mehr, genauso wie die Tatsache, dass ihm die Studentinnen zu Füßen liegen, weil ihr in gleichem Maße nichts mehr gelingen will.. Ihre Mutter findet Ted nur anders", kann sich nicht wirklich für ihn erwärmen. Beider Glück ist nur von kurzer Dauer.
Ihr Hang zur Selbstdramatik treibt Ted in die Arme der Frau, die Sylvia in ihr Haus einlädt. Ihre immer stärker werdende Eifersucht wird für ihn, der beileibe kein Waisenknabe ist, immer unerträglicher.
Als sie sich trennen, findet sie endlich die Kraft zu schreiben, scheint glücklich und befreit. Doch der Schein trügt, und Sylvia versucht Ted zurück zu gewinnen. Als ihr das nicht gelingt, gibt es für sie nur einen Ausweg...
Verletzend, emotional, tiefgründig und berührend. Die Zerrissenheit der Charaktere wird in vielen starken Dialogen der beiden Hauptdarsteller deutlich. Sylvia ist ein wunderbarer Film der großen widersprüchlichen Gefühle.
Leider ist dieser Streifen nicht in der deutschen Synchronfassung erschienen, trotz Paltrow / Craig. In einer Welt, die immer mehr dem geldbringenden Blockbuster verfällt, verwundert das nicht. Das aber großartige schauspielerische Leistungen damit ungesehen auf der Strecke bleiben, ist sowohl für die Darsteller, wie auch für mich als Kinogänger mit Anspruch an Qualität, ein ziemliches Ärgernis. Der englischen OF kann man sich mit eingeblendeten englischen Untertiteln gut folgen, einzig die Gedichtspassagen, die interpretiert werden, sind für Zuschauer mit mittelmäßigem Englisch schwer zu verstehen. Paltrow und Craig harmonieren sehr gut als Paar und sind sehr überzeugend in allen ruhigen, wie auch den temperamentvollen Szenen. Liebe und Hass wird perfekt transportiert. Daniel Craig beweist auch hier seine Vielfalt an Talent, den Mut einen so bedeutenden Poeten zu spielen, der von den Menschen geliebt und gehasst wurde. Man spürt, dass er dessen Werke nicht nur kennt, sondern sie auch liebt. Kraftvoll und dynamisch zitiert er sie mit der Portion Rebell und Arroganz, die es braucht, überzeugend zu sein. Die wilde dunkle Mähne, die ihm auch optische Ähnlichkeit mit Hughes verleiht, lässt einen da aufs Neue vergessen, dass man soeben James Bond gesehen hat, eigentlich wie in all seinen Rollen. Gwyneth Paltrow, wie immer souverän und sich zu Hause fühlend in einer Rolle, die ihr Leid und Tränen abverlangt. Ganz großartig agiert sie zudem in den Szenen, die von ihrer krankhaften Eifersucht diktiert werden.
Der Film ist ein Grund mehr für mich, etwas über dieses emotionale Paar und ihre Werke zu erfahren.
Wer Daniel Craig und Gwyneth Paltrow mag, sollte sich den Film nicht entgehen lassen.
Sylvia beschreibt sich und Ted je als Hälfte, die als Paar erst zum Ganzen wurden. Man sagt, als Sylvia starb, wäre auch Ted gestorben, und wenn man Paltrow / Craig agieren sieht, dann glaubt man das auch.