Jaja, die B-Seiten von Morrisseys umstrittenen Singles seit seinem "Comeback" 2004 sind nicht so gut wie die in den Neunzigern. Bitte jedoch nicht vergessen, dass die auch schon nicht so gut waren wie die von The Smiths. Auch nicht vergessen, dass die Alben selbstredend schon mal niemals so gut waren wie Vauxhall - aber Vauxhall war auch nicht so gut wie The Queen Is Dead. Bla Bla Bla Bla ... früher war alles besser! Da war man ja selber auch noch besser, weil man jünger war und Sachen vorbehaltloser angenommen hat (auch das bitte nicht vergessen!).
Das Gerede von vielen Morrissey-Fans hier bei amazon aber auch auf Fansites ist doch reichlich schizophren. Anstatt sich zu freuen, dass jetzt viele B-Seiten auf einem Album kompiliert sind und dass sich darunter durchaus auch Perlen befinden, wird sich beschwert, was das Zeug hält.
"Good Looking Man About Town" ist ein wirklich frisch klingender Titel - wirft man dem Meister doch vor, dass er genau diese Qualität auf den letzten Alben eben nicht mehr unter Beweis gestellt hat. "Friday Mourning", "Shame Is The Name", "Because Of My Poor Education", "My Dearest Love", "Sweetie Pie", "Ganglord", "Don't Make Fun ...", "Children In Pieces" etc. sind ebenfalls Lieder, die es wert sind, neben ihrer B-Seiten-Stellung noch einmal einen Extraplatz im Morrissey-Katalog zu erhalten. Letztendlich darf der Fan durchaus einmal glücklich sein, dass Morrissey in dem Alter und nach einer beinahe 30 Jahre andauernden Karriere noch so produktiv ist - Best-Of-Schwemme hin, Konzertpreise her. Einen Punkt Abzug gibt es für die wenigen schwächeren Songs und das grauenhafte Cover, auf dem Morrissey aussieht, als wäre er auf einer Waldwanderung außer Atem geraten.
So zeigt sich auch in den bisherigen Rezensionen das eigenartige Verhältnis zwischen dem Anhänger und eben diesem Künstler: Verehrung vs. Verachtung, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Letztlich bleibt, dass der Künstler stets dazu einlädt, sich auf seine Kosten zu produzieren - sowohl von Medien- wie auch von Fanseite. Wen interessiert eine subjektive Top-10 Alben-Liste eines Rezensenten? Wer hat danach gefragt in einer Rezension zu "Swords"? Wem Morrisseys Musik seit 15 Jahren nicht mehr gefällt, sollte eine eigene Band gründen oder sich nicht mehr die Mühe machen, seine neueren Platten zu kaufen.
Festzuhalten ist, dass "Swords" eine logische und künstlerisch annehmbare Ergänzung zu den 00er-Alben Morrisseys ist und deswegen in jede halbwegs ernst gemeinte Mozzer-Sammlung gehört. Wer sich das Album holt, wird es nicht bereuen!