Fünf Jahre nach der zur Legende gewordenen "Switched on Bach" von 1968, die zum meistverkauften Klassik-Album aller Zeiten wurde, spielte Wendy Carlos diese Scheibe ein.
Sie steht ihrem Vorgänger eigentlich in nichts nach. vielleicht lediglich insofern etwas, weil sie, vielleicht durch die Auswahl der Stücke, nicht ganz so experimentiell, sondern eher etwas nüchtern im Sound daherkommt. Das ist aber wirklich nur ein kleiner Wermutstropfen und schmälert nicht die ungeheure Leistung von Wendy Carlos und ist ja sowieso Geschmacksache.
Und spätestens bei dem Brandeburgischen Konzert Nr. 5 ist dieser Eindruck sowieso nur noch Schall und Rauch. Einfach nur großartig! Gerade diese Kompositionen von Bach gewinnen durch ihre Klarheit und Strukturiertheit soviel, das ich kaum ehrliche Musikliebhaber, egal ob sie Klassik-, Rock - oder Popmusik mögen, finde, die diese Einspielung (wie auch dass Konzert Nr. 3 auf der "ersten") nicht ganz toll finden.
Und ich komme nicht umhin, die kompletten Brandenburgischen Konzerte, die Wendy Carlos 2003 eingespielt hat, ganz nach oben auf meiner Wunschliste zu positionieren.
Das sind für mich wirklich Meilensteine - sowie der modernen Interpretation klassischer - als auch der synthetischen Musik.
Schade ist, das hier im Gegensatz zur "Switched in Bach I" kein zusätzlicher audio-track zu finden ist und das Album mit 40 Minuten (klar, 20 Minuten je Seite - völlig normal damals), recht kurz ist. Und das Bonus-Material (Bilder, einige kurze Ausschnitte aus Peter und der Wolf usw.) ist das selbe wie auf der "ersten".
Etwas irritierend auch, das an keiner Stelle zu erkennen ist, dass die Suiten "from Anna Magdalena" eigentlich gar nicht von Bach selbst, sondern ursprünglich von Christian Petzold komponiert, und nur von Bach "übernommen" wurden. Und einige Stücke sind von seinem zweitältesten Sohn, Carl Philipp Emanuel Bach.
Trotzdem auf jeden Fall die volle Punktzahl !!