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5.0 von 5 Sternen
Ich bin Zuschauer ' holt mich hier raus!, 8. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Switch reloaded - Die Box (7 DVDs) (DVD)
Wir schreiben das Jahr 1997: Teletubbies, Tamagotchis und Tic Tac Toe regieren die Welt. In jenem Jahr begann ein kleines TV-Ensemble dem deutschsprachigen Fernsehen einen Spiegel vorzuhalten. Dass dieser Spiegel das echte Bild nicht eins zu eins wiedergab, sondern vielmehr die Realität verzerrte, störte niemanden, außer vielleicht die Gespiegelten selbst.
Die Spiegelung nannte sich 'switch'; Übertreibung bis ins Absurde war ihr Motto. 'Hoëcker, Sie sind raus!' wurde zum geflügelten Wort. Die Sendung war einer pausenlosen Zapping-Orgie nachempfunden. Nach drei Jahren legte das Team eine Auszeit ein, um sieben Jahre später zurückzukommen. Doch brauchte man 'switch' eigentlich noch, wo das Fernsehen inzwischen zur Karikatur seiner selbst geworden war? Ja.
Shows wie 'Ich bin ein Star, holt mich hier raus!', 'Galileo Mystery' und 'Raus aus den Schulden' schreien geradezu danach, in (echte) Comedy verwandelt zu werden. 'switch reloaded' nannte sich die Sendung nun, die aus einem neuen Team aber fast den gleichen Schauspielern bestand.
Switch-Urgesteine wie Bernhard Hoëcker, Peter Nottmeier oder Susanne Pätzold mimen TV-Dinos wie Thomas Gottschalk, Johannes B. Kerner oder Antonia Rados. Dass Hoëcker eigentlich viel zu klein ist um den langen Gottschalk darzustellen, spielt keine Rolle. Nase, Locken und die Arme gewichtig in die Höhe ' die Parodie ist perfekt obwohl die Täuschung es nicht ist. Denn darin liegt die Kunst von 'switch reloaded': den Zuschauer sofort erkennen lassen, wer gemeint ist, doch niemals ein identisches Abbild zu schaffen. Spott und Hommage scheinen manchmal zu verschmelzen.
Nicht ohne Grund freuen sich Promis wie Stefan Raab (parodiert von Switch-reloaded-Neuling Max Giermann) oder die Lafer, Lichter, Lecker!-Köche (gespielt von Max Giermann und Michael Kessler) über ihre Doubles ' es ist mittlerweile eine Ehre vom Switch-Ensemble berücksichtigt zu werden.
Die Masche von 'switch reloaded' ist eine Kombination von inhaltlichen und visuellen Gags, die manchmal gar nicht so offensichtlich sind. So steht in jeder Folge 'Obersalzberg', der Hitler-Stromberg-Parodie, ein anderes Foto hinter 'Herrn Hitler' und sogar auf Teppich und Tassen finden sich Hakenkreuze.
So wie 'switch reloaded' die parodierten Sendungen und Serien zum Kult machte, ist 'switch' selbst Kult geworden. Nun sind die ersten drei Staffeln von 'switch' als DVD-Box erschienen, die vierte Staffel erscheint demnächst. Auf den DVDs sind zusätzlich Audiokommentare der Darsteller, Making-of-Features und ungesendete Sketche zu finden.
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5.0 von 5 Sternen
Wanna Whole Reloada Switch, 5. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Switch reloaded - Die Box (7 DVDs) (DVD)
"Ich dachte immer, du hast keine Eigenschaften, aber als ich ihn gesehen habe, habe ich festgestellt: Du steckst voller Ticks!"
(Barbara Schöneberger zu TV-Moderator Hugo Egon Balder über Switch Reloaded"-Ensemble-Mitglied Max Giermann)
Im Deutschland des Jahres 2011 scheinen sich zwei Fraktionen von Mediennutzern gegenüberzustehen: Die einen schauen sich gern das TV-Programm an, die andere schauen lieber Switch Reloaded".
Indiz für diese von mir angenommene Dichotomie ist die Reaktion vieler Zeitgenossen auf mein Bekenntnis zu Switch Reloaded", denn tatsächlich scheinen viele Leute mit der Serie nicht viel anfangen zu können. Ich glaube, Parodie (im Online-Videoportal youtube ist das Wort bereits in weiten Teilen vom Begriff Verarsche" abgelöst worden) und Satire haben in diesen Tagen ohnehin einen schweren Stand. Im Gegensatz zu zahlreichen in diesen Tagen populären Comedy-Formaten setzt die Parodie ja auch vergleichsweise viel Vorwissen voraus - das, was parodiert wird, muss man schließlich gut genug kennen, um erkennen zu können, wo das komische Potential für eine Neuauflage liegt.
Das Team von "Switch Reloaded" beweist seit Jahr und Tag ein gutes Auge für genau dieses Potential, und die Folgen der Serie gehören für mich zum Erfreulichsten, das das Fernsehen zu bieten hat. Mein Faible für "Switch Reloaded" ist auch netten Menschen in meinem direkten Umfeld nichtverborgen geblieben, und deshalb lagen 2010 unterm Weihnachtsbaum nicht nur die Staffeln 1-3, sondern auch die vierte Staffel, für die man in der "Box mit alles" (Eigenwerbung) extra Platz gelassen hat.
Mithin ist ein Wort der Warnung angebracht: Was auf den ersten Blick aussieht wie die vierte Staffel, ist in Wirklichkeit ein Platzhalter aus Styropor - zumindest, wenn es sich bei der Box um ein Exemplar der Erstauflage handelt; mittlerweile gibt's wahrscheinlich schon einen Nachfolger, der wirklich die ersten vier Staffeln bietet.
Die Zugpferde der Show sind für mich der wunderbar wandelbare Max Giermann und die nicht weniger talentierte Martina Hill. Ob Giermann die Ticks eines Stefan Raab imitiert, ausufernd mit den Armen rudert wie Restauranttester Christian Rach, als Hugo Egon Balder reüssiert oder in eine andere Persönlichkeit wechselt - die Nähe zur Vorlage ist so verblüffend, dass man oft genug meint, es mit dem Original zu tun zu haben. Auf "Germany's Next Top Model"-Juror Jorge "Choche" Gonzales zum Beispiel bin ich erst durch Giermann aufmerksam geworden - um verblüfft festzustellen: Himmel, der Kerl ist ja wirklich so. Warum also noch Fernsehen schauen ... ?
Ko-Akteurin Martina Hill brilliert unter anderem als Sonya Kraus und als Episode für Episode mehr dem Irrsinn verfallende Börsen-Expertin. Im "SPIEGEL" äußerte Hill, sie habe den Eindruck gewonnen, die von ihr aufs Korn genommene Anja Kohl ("Boerse im Ersten") halte sich in letzter Zeit mit ihren oft gereimten Sinnsprüchen, die Hill gekonnt veralbert, merklich zurück. Wer sich, der DVD sei Dank, nicht erst eine Woche lang gedulden muss, bis er sich die nächste Episode zu sehen bekommt, kann die Chronologie des fortschreitenden Irrsinns schön verfolgen - irgendwann ist in den zunehmend sinnentleerten Ausführungen weder von den "erfahrenen Anlegern" die Rede, die irgendwas immer längst wissen, noch von der Börse, an der irgendwas mit schöner Regelmäßigkeit "nicht anders" ist. Irgendwann dreht Hill sich nur noch um sich selbst, singt das Lied vom "Bi-Ba-Butzemann" und verabschiedet sich danach noch "pis morgen".
Andere TV-Gestalten reagieren weniger verhuscht und gehen lieber gleich in die Offensive. Sonya Kraus etwa lässt verlautbaren, sie möge ihr alter ego, und die in "Switch Reloaded" als zotenreißendes, homoerotisch angehauchtes Pärchen inszenierten TV-Köche Horst Lichter und Johann Lafer geben sich sogar die Ehre und moderieren auf DVD das Drittel der vierten Staffel an. Auch Talksjow-Gastgeber Reinhold Beckmann, der dem Publikum in "Switch Reloaded" als selbstverliebter Fatzke begegnet, ist sich nicht zu schade dafür, seinen Beitrag zur Veröffentlichung der Serie auf DVD zu leisten. Aber was bleibt ihnen auch anderes übrig? Lachen tun die Leute eh schon - am besten, macht lacht bzw. macht einfach mit.
Man tut dem Ensemble allerdings unrecht, wenn man einzelne Stars zu sehr hervorhebt. Auch Michael Kessler als Günther Jauch oder Ranga Yogeshwar, der seine "Wissen vor acht"-TV-Kolumne wie das Original in einer alten Solinger Maschinenhalle moderiert, ist ein echtes Glanzlicht. Wem jetzt noch ein triftiger Grund für den Kauf der Serie fehlt, findet ihn in der Parodie auf die mit einem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnete Büro-Serie "Stromberg", die bei "Switch Reloaded" zum "Obersalzberg" mutiert und in der Kessler als Mischung aus Adolf Hitler und Abteilungsleiter Bernd Stromberg zwei Parodien gekonnt miteinander verschmilzt.
Die DVD
Bild und Ton der DVD-Sammlung sind, wen wundert's, technisch voll auf der Höhe der Zeit; die Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen, denn neben den Folgen der ersten drei Staffeln haben außerdem Audiokommentare und Filme den Weg auf die DVDs gefunden, die interessante Einblicke gewähren - z. B. in die Maske, in der Kessler und Giermann zu Luchter und Lafer werden; auch die Regisseure Marko Musienko und Alex J. Moll dürfen aus dem Nähkästchen plaudern. Beim wiederholten Ansehen der aus dem Fernsehen bereits bekannten Folgen ist mir übrigens aufgefallen, dass die beiden nicht nur Helge Schneider die Reverenz erweisen (und zwar, indem sie einen Charakter "Pierre Lavendel" nennen), sondern auch eine fitktive Versicherung "Fidelitas" nennen - ich glaube, darin eine Anspielung auf Gerhard Polts Film "Kehraus" erkennen zu dürfen und freue mich, dass Musienko und Moll offenbar über die gleichen Sachen lachen können wie ich.
In Gänze angesehen habe ich mir die umfangreichen Zugaben noch nicht, für ein positives Fazit reicht's aber allemal - der Spaß an "Switch Reloaded" endet mit der letzten Episode noch lange nicht. Insgesamt bringen es die sieben DVDs der Box auf eine Spielzeit von 880 Minuten. Anders gesagt: Wer sich sämtliche Folgen der ersten drei Staffeln sowie die Bonusfilme in einer "Session" ansehen möchte, ist gute vierzehn Stunden lang beschäftigt.
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