Die Autoren benutzen eine schöne Metapher, um deutlich zu machen, wie wir mental organisiert sind:
* Der 'Elefant' in uns steht für unsere Emotionen.
* Der 'Reiter' in uns steht für den rationalen Verstand, der abschätzen und Konsequenzen berechnen.
* Der 'Weg' beschreibt die Umgebung und die Schritte zu unserem Ziel.
Jetzt stellen Sie sich vor, dass der kleine Reiter auf dem großen Elefant sitzt und ihn dirigieren will. Wenn der Elefant auch in die Richtung will, weil er sich davon angenehme Gefühle verspricht, klappt das.
Doch Elefant und Reiter sind eben oft nicht derselben Meinung. Ihr Verstand will etwas anderes als Ihr Gefühl. Nehmen wir an, Sie wollen abnehmen. Haben sich einen Diätplan aufgestellt. Drei Tage klappt es gut. Am Ende eines stressigen Tages steht auf Ihrem Plan Tofuschnitzel mit grünem Salat. Sie öffnen den Kühlschrank, wollen nach dem Tofu greifen ...
Sie kennen den Rest der Geschichte. In diesem Moment versucht Ihr winzige 'Reiter' den 'Elefanten' zu bändigen, der sich im Kühlschrank ' vorbei an Magerjoghurts, fettfreiem Dressing und kalorienreduziertem Schinken seinen Weg sucht. Und zielsicher die Dreifach-Käse-Pizza findet. 'Das Ablaufdatum ist drei Tage drüber', ruft hilflos der 'Reiter'...
Das sind die Momente, wo Sie hinterher sagen: 'Ich wollte ja abnehmen aber Es ging nicht.' Deswegen scheitern auch viele Veränderungsvorhaben. Egal ob es um Ihr privates Fitnessprogramm geht. Oder um das große Change-Projekt in der Firma. Wenn es nicht gelingt, die betroffenen Menschen bei ihren Gefühlen abzuholen, helfen alle vernünftigen Appelle meist nicht.
Der Elefant in Ihnen sucht den Weg des geringsten Widerstands. Er mag keine Experimente. Ist konservativer als der rechte Flügel der CSU. Deswegen bevorzugt der Elefanten-Teil in uns Gewohnheiten, Bedürfnisse, Instinkte oder Gefühle, wenn es um Entscheidungen geht.
Wenn man etwas ändern will, muss man meistens raus aus der Komfortzone. Mit Komfortzone sind hier die gewohnheitsmäßigen Routinen im Verhalten und Fühlen gemeint. Damit Sie den 'Weg' zu Ihrem Ziel gehen können, braucht es ein Zusammenspiel von Reiter und Elefant. Jeder für sich allein verliert sich nämlich in unproduktiven Verhaltensweisen.
Der Elefant tendiert zu spontanem, gefühlsbetontem Handeln. Ohne Rücksicht auf die Folgen. Der Reiter in uns sieht die ganze Situation, also Einsatz und Folgen, aber er verliert sich schnell in endlosem Denken und nutzlosem Analysieren.
Für eine Veränderung raten die Autoren deshalb zu diesen Schritten:
* Motivieren Sie Ihren Elefanten.
* Geben Sie dem Reiter Informationen.
* Passen Sie die Umgebung an.
Das Buch bringt viele anschauliche Beispiele, wie man das in die Praxis umsetzen kann. Und was häufig schief läuft, wenn Veränderung nicht klappt. Die drei wichtigsten Missverständnisse:
1. Was wie ein Problem aussieht, ist oft ein Situationsproblem.
Also eine Folge davon, wie eine Situation gestaltet ist. Oft unterschätzen wir die Kräfte der Umgebung, die unser Verhalten beeinflussen. Verändert man die Situation, kann man leichter als mit flammenden Appellen erreichen, dass Menschen in die gewünschte Richtung gehen.
Der 'Weg' muss dann verändert werden.
So zeigte eine Studie, dass die Menge Popcorn, die Kinobesucher futtern, nicht vom einzelnen Besucher, sondern vor allem von der Größe der Popcorn-Box abhängt. Deshalb auch der Rat, wenn man weniger essen will: kleineren Teller nehmen, nicht dabei lesen. Die Veränderung der äußeren Situation hilft, sein Verhalten zu verändern.
2. Was wie Faulheit aussieht, ist oft Erschöpfung.
Das war für mich eine der wichtigsten Informationen des Buchs: Selbstkontrolle ist eine Ressource, die sich erschöpft. Sie ist nicht unbegrenzt verfügbar. Deswegen scheitern auch viele Vorhaben.
Wenn Sie ein gewohnheitsmäßiges Verhalten verändern wollen, brauchen Sie dazu viel Achtsamkeit und Selbstkontrolle durch Ihren 'Reiter'. Damit erschöpfen Sie jedoch jene 'mentalen Muskeln', die für eine Veränderung gerade nötig sind. Mit anderen Worten:
Der 'Elefant' muss dann motiviert werden.
Angenommen, Sie wollen jemandem vermitteln, dass zu viel Cola trinken nicht gesund ist, wegen dem enthaltenen Zucker. Die genaue Angabe - es sind 12 Prozent - ist korrekt, wenig anschaulich und wird kaum zu einem Verhaltensänderung führen. Die Zuckerangabe so zu übersetzen, dass die Gefühle angesprochen werden, kann auch so aussehen, dass Sie auf eine Dose Cola neun (!) Teelöffel aufhäufen.
3. Was wie Widerstand aussieht, ist oft ein Mangel an Klarheit.
Der 'Reiter' analysiert gerne, prüft gedanklich Alternativen, wägt Kosten und Nutzen ab. Doch wenn der Reiter nicht genau weiß, in welche Richtung er gehen will, führt er den Elefanten oft im Kreis.
Sehr oft müssen wir uns selbst oder anderen deutlich sagen, was wir als nächsten Schritt wollen. Also nicht anklagen, jammern, Vorwürfe machen, sondern lösungsorientiert denken und handeln.
Der 'Reiter' braucht hier eine Richtung.
Konkret: Statt lange zu analysieren, warum etwas nicht geklappt hat, kann man danach schauen, was anders war, als es mal geklappt hat.
Im systemischen Coaching nennt man diese Technik 'Nach Ausnahmen fragen'.
Das geht mit folgenden Fragen:
'Wann in den letzten Wochen bzw. Monaten gab es Zeiten, in denen das Problem nicht oder weniger stark/oft aufgetreten ist?'
'Was genau war da anders?'
'Was haben Sie da anders gemacht?'
'Und was noch?'
'Wie haben Sie das geschafft?'
So entdeckte vor einigen Wochen eine Führungskraft im Coaching mit mir, dass sie abends viel weniger gestresst nach Hause kam, als durch die Schneeverhältnisse der Bus vom Bahnhof ausfiel und der Mann für den Heimweg eine halbe Stunde zu Fuß laufen musste.
Das probierte er dann aus, indem er häufiger vier Stationen vorher aus dem Bus ausstieg und einen Spaziergang nach Hause machte.
Man kann auch schauen, wie es andere gemacht haben, was man selbst erreichen will. Die Autoren nennen das 'Don't Solve Problems-Copy Success'.
Was bedeutet das jetzt konkret?
Die Metapher von Elefant, Reiter und Weg kann Ihnen helfen zu verstehen, wenn ein Vorhaben stockt oder gescheitert ist, woran es vermutlich liegt. Jetzt wissen Sie schon, dass bei jedem Ihrer Schritte nicht allein objektive Tatsachen eine Rolle spielen, sondern gefühlsmäßige Entscheidungen mindestens genauso wichtig sind. Und oft den Ausschlag für bei Ihrer Entscheidung für eine Option geben.
Klappt es nicht, können Sie nachforschen:
* Fehlt es an Motivation für den 'Elefanten'?
Information allein reicht meist nicht für eine Veränderung.
* Wie könnten Sie sich oder andere dazu bringen, den Unterschied nicht nur zu begreifen, sondern auch zu fühlen?
* Machen Sie die Veränderungsschritte so klein, dass der 'Elefant' keine Angst mehr davor hat.
* Entwerfen Sie eine starke Vision von Ihrem Ziel, mit dem Sie sich oder andere identifizieren können.
* Geben Sie dem 'Reiter' klare Anweisungen.
Oft fehlen klare Handlungsanweisungen für die nächsten Schritte.
* Finden Sie heraus, wann es mal geklappt hat. Tun Sie das wieder.
* Untersuchen Sie, wie es andere gemacht haben, die damit Erfolg hatten. Kopieren Sie deren Handlungen.
* Eine Vision reicht nicht. Es braucht klare Anweisungen. (Statt: 'Gesünder leben' besser sagen 'Jede Stunde ein Glas Wasser trinken.
* Verändern Sie den 'Weg'.
Wenn sich die Situation verändert, ändern Menschen leichter ihr Verhalten.
* Wollen Sie mehr Kommunikation in der Familie, lassen Sie jeden zweiten Abend den Fernseher aus.
* Verändern Sie unvorteilhafte Gewohnheiten in bessere.
* Verhalten ist ansteckend. Wenn Sie kürzere, effektivere Meetings wollen, führen Sie mal eine Besprechung im Stehen durch.
Das Buch ist für jeden empfehlenswert, der sich etwas verändern will und nach dem ersten Scheitern verstehen will, warum das manchmal so schwierig ist. Es liest sich leicht und spannend durch die vielen lebensnahen Beispiele.