...ist ein kleiner Ort mit 600 Einwohnern, aber genau dort entscheidet sich die Wahl um die amerikanische Präsidentschaft. Jedenfalls in Joshua Michael Sterns Film Swing Vote. Kevin Costner spielt dabei nicht nur die Hauptrolle, sondern ist auch noch Produzent. Und man kann Costner mögen oder nicht, aber er präsentiert uns amerikanisches Kino in Reinform. Mit einer kräftigen Aussage, einem gewaltigen Schuss Pathos und Patriotismus, aber das Ganze in einer Art und Weise, dass wir ihm beides mit einem Lächeln verzeihen können, denn: Swing Vote bietet wesentlich mehr als das!
Bud Johnson(Kevin Costner) ist allein erziehend. Seine Frau hat sich davon gemacht, um Sängerin zu werden und Bud muss seine Tochter Molly(Madeline Carroll) großziehen. Bud und Molly könnte man so beschreiben: Bud ist der Bauch und Molly der Kopf. Während Bud sich um seine Hobbies Biertrinken und Billard spielen kümmert, macht sich Molly Gedanken um die Präsidentschaftswahlen. Sie will unbedingt, dass Bud wählen geht. Der verpasst den Termin im Vollrausch und Molly mogelt sich ins Wahllokal und füllt seinen Wahlschein aus. Aufgrund eines ziemlich lustigen technischen Defektes wird der Wahlschein jedoch ungültig. Als die Stimmen ausgezählt werden gibt es in Amerika ein Patt. Bis man feststellt, dass es eine nicht korrekt gewertete Stimme gibt: Die von Bud. Der hat zwischenzeitlich seinen Job verloren und darf, laut amerikanischem Recht, jetzt noch einmal wählen. Seine Stimme wird den Präsidenten benennen. Ab diesem Moment bricht in Texico der komplette Irrsinn aus. Aber so verrückt, wie Stern die Geschehnisse auch beschreibt, die Wahrheit wäre vermutlich noch um einiges schlimmer. So reisen der Präsident Boone(Kelsey Grammer, mit verdammter Ähnlichkeit zu Gerald Ford) und sein Gegner Greenleaf(Dennis Hopper) persönlich an, um Buds Stimme zu ergattern. Und egal, was Bud auch sagt, die beiden versprechen ihm alles. Bud gefällt sich in seiner Rolle und verliert komplett den Überblick. Er ist, mit Verlaub gesagt, nicht viel mehr als ein Dorftrottel. Aber von diesem Trottel hängt das Wohl der Welt ab. Molly verzweifelt an ihrem Dad und läuft weg. Damit beginnt der Wendepunkt in Buds Leben. Er wird sich seiner Verantwortung bewusst.
Gleich vorweg: Sie werden das Ende des Films nicht erahnen. Ich sage ihnen allerdings schon jetzt: Es ist genial. Kevin Costner ist und bleibt ein Vollblutmime. Er ist sich nicht zu schade, den dümmlichen Bud Johnson zu spielen und er macht das verdammt gut. Mit seiner Filmtochter Madeline Carroll gibt er ein kongeniales, liebenswertes Duo der Extraklasse ab. Dennis Hopper und Kelsey Grammar laufen ebenfalls zu Hochform auf.
Regisseur Stern umkurvt knapp die Klippen des Kitsches und des Mainestreams. Die Story ist lustig, aber manchmal auch beängstigend real. Wie der Streifen kurz vor Schluss die Kurve zum Ziel nimmt ist nicht nur absolut amerikanisch, sondern auch äußerst clever inszeniert. Dazu gibt es wunderbare Dialoge zwischen Molly "Ich will wieder bei meiner Mutter leben" und Bud "Ich auch". Und last but not least einen Soundtrack, der die Siebziger Jahre mit der heutigen Musik verbindet. Wenn sie glauben, dass Wählen nicht wichtig ist, und die eigene Stimme ohnehin nichts zählt, dann könnte Swing Vote sie vom Gegenteil überzeugen. Aber leider ist das nur ein Film.
Swing Vote ist weder Der mit dem Wolf tanzt, noch Open Range oder Das Feld der Träume. Aber er ist verdammt gut gemachtes Kino!