Ein ruhiger Film in unruhigen Zeit ist beinahe schon ein Klischee. Ein ruhiger Film, der Unruhe spiegelt, klingt da schon interessanter. Und dann auch noch ein Film, der den Prozeß des Schreibens zum Thema hat und dabei die Psyche einer Schriftstellerin bloßlegt, was will man mehr?
Dazu braucht man eine Schauspielerin, die Verbitterung und Einsamkeit dar-stellen kann, ohne künstlich zu wirken, man braucht eine idyllisches Szenario, das der Inspiration dient, und einen Regisseur, der sich nicht davor fürchtet, daß ihm die Zeit davonrennt.
Auf dieses Experiment hat sich Francois Ozon eingelassen. Nach 8 Frauen kommt ein Film, der in seiner Unscheinbarkeit beinahe schon bedrohlich wirkt. Keine Ballereien, keine schreienden Menschen, Stille. Der Zuschauer entspannt sich und atmet ruhiger. Er genießt die Gesten und Verstrickungen der Schau-spieler und bemerkt erst viel zu spät, daß die Bilder in dem kurzen Zeitraum von eineinhalb Stunden an ihn herangerückt sind - als wäre die Leinwand nä-hergekommen, als hätte die Geschichte einen Schritt in unsere Realität hinein-gemacht.
Mit einem düsteren Grundton - der einem schon bei Dominik Molls Harry meint es gut mit dir den Mund trocken werden ließ und zum Ende hin an die beklem-mende Atmosphäre aus David Lynchs Mullholland Drive erinnert - präsentiert Ozon die spröde Charlotte Rampling als erfolgreiche und verbitterte Schrift-stellerin, die sich in ihrem eigenen Leben verlaufen hat. Sie will in Ruhe an ei-nem neuen Werk arbeiten, zieht sich in ein französisches Landhaus zurück und gerät an eine junge Frau, die ihr wie ein Gegenpol erscheint und in die sie sich beinahe schon minuziös verwandelt. Der Regisseur läßt Rampling viel Raum dafür. Ihr Charakter befindet sich in einem Kokon, aus dem ihn nur das Schrei-ben befreien kann. Je länger man den zwei Frauen bei ihren Annäherungen zu-sieht, um so mehr umschließt einen die Geschichte, bis man sich selbst in die-sem Kokon befindet. Alles, was du siehst, ist Material könnte der Untertitel dieses Filmes sein.
Swimming Pool braucht keine übertriebene Dramatik. Er hat die Sicherheit von Filmen, die Klassiker sind, lange bevor man sie als Klassiker eingeordnet hat. Die Schauspieler setzen jeden Schritt natürlich, sie sind ungeschickt und dür-fen es sein, sie sind lasziv und kindlich, ohne daß man es ihnen übel nimmt. Regisseur und Kameramann lassen die Bilder auf sich zukommen und überlas-sen es dem Betrachter, das Rätsel zu lösen, ohne ihn an die Hand zu nehmen.
Der Film beginnt mit einer Verleumdung und endet mit einem Eingeständnis. Es ist ein perfekter Kreis, der den Zuschauer etwas ratlos dastehen läßt. Aber auch diese Ratlosigkeit löst sich, wenn man sich als zweiten Untertitel denkt: Alles, was du erzählst, wird Wirklichkeit.